1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Gedenkfeier für die Opfer der Loveparade-Katastrophe

11. Jahrestag der Loveparade-Katastrophe : 23 Glockenschläge im prasselnden Regen

Mit einer würdevollen Feier an der Gedenkstätte gedachten am Samstag viele der Opfer der Loveparade-Katastrophe. Auch die Toten, der Schmerz und das Leid in Bezug auf die Hochwasser-Katastrophe waren ein Thema.

22 helle Glockenschläge übertönen das Geprassel des Regens. Jeder Glockenton steht für einen der Menschen, die vor genau elf Jahren, an diesem Tag, an diesem Ort, ihr Leben verloren. Der 22. Glockenschlag war allen Verletzten und Traumatisierten gewidmet.

In diesem Jahr gab es einen weiteren, einen 23. Glockenschlag. Er war allen Opfern der Hochwasser-Katastrophe gewidmet. Zuvor hatte Jürgen Thiesbonenkamp als Kuratoriumsvorsitzender der ausrichtenden Stiftung „Duisburg 24.7.2010“ die Ansprache gehalten und an die innerlichen und äußerlichen Wunden der Hinterbliebenen erinnert. „Damit leben wir seit elf Jahren“, so Thiesbonenkamp. „Mit der Zeit wird der Schmerz erträglicher und weicht dankbarer Erinnerung. Aber die Bilder kommen immer wieder hoch, erst recht, wenn wir die Bilder von anderen Katastrophen sehen.“ Die Loveparade-Katastrophe sei nun elf Jahre her, die Flut-Katastrophe habe vor elf Tagen ihren Anfang genommen. Auch Hochwasser in China oder die Geschehnisse bei einer religiösen Feier in Israel, bei der auch Menschen auf einer Rampe in Panik geraten war und starben, weckten die Erinnerung an die Katastrophe in Duisburg vor elf Jahren. „Das alles ruft das Gefühl hervor, schutzlos zu sein. Die Gedenkstätte fungiert so auch als Schutzraum – aber die Kraft der Gemeinschaft ist der stärkste Schutz“, sagte Thiesbonenkamp. Er erinnerte an den Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, der gesagt hatte, dass es für den Tod eines geliebten Menschen oft nicht die richtigen Abschiedsworte gebe. „Man muss das aushalten, man muss durchhalten“, so Thiesbonenkamp. Das klinge hart, aber es sei nun einmal so, dass ein verstorbener Angehöriger eine Lücke hinterlasse – und es sei ein Trugschluss, dass Gott diese Lücke füllen könne: „Gott füllt diese Lücke gar nicht aus.“ Nach dem Vaterunser zitierte er erneut Dietrich Bonhoeffer: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost was kommen mag, Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

  • Fotos : Gedenken am Unglücksort der Loveparade
  • Loveparade-Gedenkstätte in Duisburg beschädigt
  • Die Loveparade-Gedenkstelle am Karl-Lehr-Tunnel, dem Unglücksort.
    Hilfsfond der Landesregierung : Loveparade-Opfer erhalten weitere fünf Millionen Euro Unterstützung

Die einfühlsame Begleitung übernahm der Duisburger Sänger und Liedmacher Philipp Eisenblätter. Er habe vor elf Jahren ebenfalls vor dem Tunnel gestanden, berichtete Thiesbonenkamp. Dann sei er aber einer inneren Stimme gefolgt und umgekehrt.

Am Ende nahmen sich Angehörige, Trauernde, Traumatisierte und Besucher Blumen und legten sie an verschiedenen Stellen an der Gedenkstätte nieder.

Bei einem Treffen am Gedenktag der Hinterbliebenen mit Oberbürgermeister Sören Link und Vertretern der Stiftung „Duisburg 24.7.2010“ sollte überlegt werden, wie die Gedenktage künftig gestaltet werden sollen. Angehörige aus dem Ausland hatten bereits erklärt, nicht unbedingt in jedem Jahr die zum Teil sehr weite Anreise nach Duisburg auf sich zu nehmen.

 Viele Angehörige waren gekommen, um der Opfer der Katastrophe zu gedenken und zu trauern.
Viele Angehörige waren gekommen, um der Opfer der Katastrophe zu gedenken und zu trauern. Foto: Norbert Prümen

Zuvor hatte es in der Salvatorkirche eine Andacht gegeben, an der die Angehören unter sich geblieben waren. Im vergangenen Jahr musste die Gedenkveranstaltung aufgrund der Pandemie ohne die Angehörigen aus dem Ausland stattfinden. Diesmal hatten lediglich Angehörige aus Australien abgesagt, andere Betroffene aus dem Ausland wie China, Spanien, Italien oder den Niederlanden hatten hingegen ihre Teilnahme zugesagt.

(mtm)