Duisburg: Gastdirigent Benjamin Shwartz sorgt für Konzertereignis

Philharmonisches Konzert : Benjamin Shwartz sorgt für einen perfekten Start in die Saison

Das erste Philharmonische Konzert wurde nicht zuletzt dank des Gastdirigenten zu einem großen Ereignis.

Das war ein perfekter Start in die neue Saison 2019/2020 der Philharmonischen Konzerte in der Philharmonie Mercatorhalle. Die Duisburger Philharmoniker haben jetzt erstmals einen Ersten Gastdirigenten, der pro Saison drei der zwölf Philharmonischen Konzerte leitet (die RP berichtete). Jetzt trat Benjamin Shwartz sein Amt an, mit einem spektakulären Programm und erstklassigen Aufführungen.

Es begann mit der Deutschen Erstaufführung der zwölfminütigen Komposition „Pollux“ von dem 1958 geborenen Esa-Pekka Salonen. Über die ungleichen Zwillinge Castor und Pollux aus der altgriechischen Mythologie schrieb der Finne zwei verwandte Orchesterwerke – „Pollux“ ist langsam und dunkel im Ausdruck, „Castor“ extravertiert und meistens schnell. Laut Salonen hat „Pollux“ rituellen Charakter und schwankt „zwischen wolkenähnlichen Bildungen (das ist, wo die Halbgötter wohnen)“ und einer „klarer definierten Orpheus-Musik. Nach dem abschließenden Erklingen des Chorals im Fortissimo führt ein wehmütiges Englischhornsolo Pollux nach Hause. Ganz am Ende findet sich ein äolisches Echo (eine Skala, die im antiken Griechenland verwendet wurde): ein einfacher Akkord, der aus den natürlichen Flageoletts in den Streichern besteht. Ich habe versucht, etwas viel Älteres als die meiste Musik vorzustellen.“ Bei der Uraufführung von „Pollux“ am 13. April 2018 leitete Gustavo Dudamel das Los Angeles Philharmonic Orchestra. (Übrigens wird Esa-Pekka Salonen am 18. Oktober 2019 die Uraufführung von „Castor“ in Los Angeles selbst dirigieren.) In Duisburg gewann „Pollux“ nicht viel Profil, außer durch seine dichte Atmosphäre und durch seinen vorzüglich gearbeiteten Orchesterklang, den die Duisburger Philharmoniker entsprechend sinnlich umsetzten.

Danach kam etwas sehr viel Bekannteres und Gefälligeres, nämlich das Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 26 (1864-68) von Max Bruch. Der Solist Nikolaj Szeps-Znaider entlockte seiner „Kreisler“-Guarneri feinste und niemals nur vordergründig virtuose Töne. Manchmal wirkte das allerdings etwas unentschieden, und in der Zugabe von Johann Sebastian Bach verließ er gar stellenweise die komponierte Tonfolge.

Nach der Pause folgte noch das Klavierquartett Nr. 1 g-Moll op. 25 (1855-61) von Johannes Brahms in der Orchesterfassung von Arnold Schönberg (1937), deren Uraufführung in Los Angeles damals Otto Klemperer dirigierte. Schönbergs Schlüsselworte dazu lauten: „Streng im Stil von Brahms zu bleiben und nicht weiter zu gehen, als er selbst gegangen wäre, wenn er heute noch lebte“ und „Ich wollte einmal alles hören und das habe ich erreicht.“ Freilich werden dabei auch farbkräftige Instrumente verwendet wie das Englischhorn, die Es- und Bassklarinette, das Glockenspiel und das Xylophon – solche, die Brahms selbst niemals verwendete. Benjamin Shwartz wurde den zum Teil recht komplexen Partituren des Abends mehr als gerecht, er sorgte für ebenso genaue wie suggestive Aufführungen, was das Orchester zu einer großartigen Leistung inspirierte.

Im nächsten Philharmonischen Konzert am 9. und 10. Oktober ist Anna Vinnitskaya die Solistin im Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 83 von Brahms, die Gastdirigentin Ariane Matiakh ergänzt mit der Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120 von Robert Schumann. Im fünften Philharmonischen Konzert am 15. und 16. Januar tritt Nikolaj Szeps-Znaider dann als Gastdirigent auf. Sein Programm enthält das Konzert für Klavier (in diesem Fall Saleem Ashkar) und Orchester Nr. 2 d-Moll op. 40 von Felix Mendelssohn und die Sinfonie Nr. 9 D-Dur von Gustav Mahler.

Karten gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.

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