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Duisburg: Fotokünstler Alex Kempkens gibt Einblick in sein Leben

Portrait : Künstler, Querkopf, Pionier

Alex Kempkens hat die digitale Fotografie von der Naturwissenschaft in die Kunst überführt und damit gebrauchsfähig gemacht. Ein Besuch in seinem Hochemmericher „Atelljee“.

(sado) Wenn man den grauhaarigen älteren Herrn so sieht, wie er in seiner Künstlerwohnung „Dat Atelljee“ seine selbst produzierten niederrheinischen Kalender stapelt, ahnt man nicht, welche Pionierleistung Alex Kempkens in seinem Leben vollbracht hat. Geboren wurde er 1942 in Linz, aufgewachsen ist der Fotokünstler im malerischen Unkel am Rhein. Oft saß er als kleiner Junge vor dem Haus und schaute in die „Drachenfelsstraße“ mit Fachwerkhäusern um 1820 gebaut – das Siebengebirge im Hintergrund.

„Dort entwickelte ich meine eigene Weitwinkelperspektive auf eine Architektur, die komplett während des Zweiten Weltkrieges verschont geblieben ist.“ Die Perspektive eben, mit der er sich später in den 70er-Jahren einen Namen in der Architekturfotografie machte. Künstlerische Freiheit ist dem Autodidakten, der mit 14 Jahren seine erste „Voigtländer“-Kamera geschenkt bekam und später ein Volontariat als Fotojournalist bei den „Düsseldorfer Nachrichten“ machte, von jeher wichtig.

Genauso wie Reisen. Während des Prager Frühlings wurde sein Interesse für „Freiheit“ wohl unbewusst vertieft, als Alex Kempkens in die Wirren der 1.-Mai-Demonstration geriet und Fotos von spazierenden Soldaten machte, die mit Saxophon und Klarinette bewaffnet waren und dabei den Blues spielten. Bilder, die später in renommierten Zeitungen erschienen. Als Konfliktfotograf reiste er 1968 nach Biafra, um eine Reportage über den grausamen Nigerianischen Bürgerkrieg zu machen, die später auch im „Spiegel“ abgedruckt wurde.

Sein Interesse an Architektur vertiefte er vielfältig in Auftragsarbeiten und in einer Bildserie über Münchener Architektur. „Ich habe bei meinen Fotos meistens viel Freiheit genossen, entweder ich machte, was der Architekt wollte, oder ich habe das gemacht, was mir im Sinn war“, lächelt Kempkens. Anders als die Baumeister wollte er nicht nur das bloße Gebäude mit seinen Fenstern und Türen fotografieren – er stellte es in seinen Fotos als Gesamtkonzept in den Stadtraum und schuf damit eher eine künstlerische Betrachtung des Baus mit Fluchtlinien. Damals war er mit einer Großformatkamera, einer Sinar P, unterwegs. „Mit Stativ und Equipment waren das manchmal 50 Kilo, die ich mit einer kleinen Karre durch die Gegend zog“, erinnert sich Kempkens.

Dann startete er mit der Endoskopie-Fotografie, das war 1976 seine erste Pionier-Arbeit. Kempkens entwickelte eine eigene Sichtweise auf den geplanten Neubau des Bundestages in Modellfotos oder auf eine Pusteblume – sozusagen von innen heraus.

1982 kam dann aber der internationale Durchbruch. Für 70.000 D-Mark hatte sich Kempkens eine „work station“ mit Monitor, Videokamera und Tastatur beschafft, um am sogenannten „image processing“ zu arbeiten, also digitale Bilder mit Computerrasterung herzustellen. „Vorher war Digitalfotografie nur anerkannt in den Naturwissenschaften, wie Medizin oder Physik, dem Kunstmarkt blieb sie bis dahin verborgen“, weiß Alex Kempkens.

Neue Möglichkeiten bestanden für ihn. „Ich konnte einzelne Teile von Bildern nun collagieren“, erinnert sich der Tüftler. So sind bedeutende Werke der Digitalfotografie entstanden, die man bis heute in seiner Sammlung im „Dat Atelljee“ betrachten kann, nämlich die „Nofretete digital“, die aber freundlicher „Hello You“ von ihm betitelt wurde. „Die Sprechblase darin war plötzlich Namensgeber des Werks“, erinnert er sich.

Seit 2015 stellt er zusammen mit den Fotografen seines Kreativ-Teams niederrheinische Kalender her. „Ich bin Einkäufer, Fotograf, Produzent und Verkäufer zugleich“, beschreibt Kempkens. Auch für 2019 liegen schon die Kalender für Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen parat, die bereits in der „Bücherinsel“ an der Friedrich-Alfred-Straße zu erwerben sind. Mit Fotos der für ihn eigenen Weitwinkelperspektive auf Architektur oder Natur...