Duisburg: Festival für Jugenddokumentarfilm vom 4. bis 10. November

Dokus für junge Leute : doxs!-Festival: Mit dem Kino die Welt retten

Parallel zur Duisburger Filmwoche läuft vom 4. bis 10. November im Filmforum das doxs!-Festival mit internationalen Dokumentationen, deren Zielgruppe junge Menschen sind. Schulklassen können sich noch anmelden.

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Kinder- und Jugendfilme harmlos bis zum Augenverschließen vor der Wirklichkeit waren. Filme für junge Leute können sich durchaus mit den Problemen unserer Gegenwart auseinandersetzen, wobei sie dennoch das Vermögen und die Qualitäten ihrer Zielgruppe nicht aus den Augen verlieren. Besonders wertvolle Dokumentarfilme für Schüler und Jugendliche sind das Kennzeichen des doxs!-Festivals, das parallel zur Duisburger Filmwoche vom 4. bis 10. November im Filmforum stattfindet. Am Mittwoch gab es bei einer Pressekonferenz einige Einblick in das Programm, das Gudrun Sommer, Leiterin und Begründerin von doxs!, mit der Überschrift versah: „Mit dem Kino die Welt retten!“

Artensterben, Terrorismus, Digitalisierung, Flüchtlingsproblematik: diese Themen werden in den 26 aktuellen Dokumentarfilmen im doxs!-Programm aufgegriffen. Ausschnitte aus einigen Dokumentionen stellten Gudrun Sommer und Tanja Tlatlik als Projektleiterin vor. An Menschen ab einem Alter von 14 Jahren richtet sich beispielsweise „Der letzte seiner Art.“ Es geht dabei um das letzte männliche Nördliche Breitmaulnashorn, „Sudan“ genannt. Es wurde als Beispiel für eine aussterbende Tierart ein Weltstar. Sein Gehege in Kenia wurde Pilgerort für Tausende Menschen. Ein Filmteam begleitete „Sudan“ in seinem letzten Jahr. Es zeigt die Touristen, die viel Geld dafür ausgeben, das letzte Nashorn seiner Art zu streicheln, es zeigt auch die Menschen, die sich um das Nashorn kümmern und denen die Tragweite des Aussterbens bewusst ist.

„Der letzte seiner Art“ dokumentiert das letzte Jahr von Breitmaulnashorn „Sudan“ als Beispiel für eine aussterbende Tierart. Foto: Veranstalter

Wie erleben Kinder Terror? Das ist das Thema von „Die Götter von Molenbeek, bei der die belgische Filmemacherin Reeta Huhtanen zeigt, wie der sechsjährige Aatos und seine Freunde, deren Alltag anfangs unbeschwert erscheint, den Aufmarsch von Soldaten und trauernde Menschen, die Kerzen anzünden, verkraften. Der Film war ursprünglich eine 90-minütige Dokumentation für Erwachsene, die auf eine knapp halbstündige Kinderfassung überaus gekonnt geschnitten wurde.

„Unter meiner Haut“ ist ein einfühlsames Porträt der 16-jährigen Tracy in Uganda, die von Geburt an HIV-positiv ist. Niemand weiß von ihrem Geheimnis. Wird sie es wagen, ihrer besten Freundin Rachel von ihrem Schicksal zu erzählen? Noch hat sie Angst, dass sich nach einem Geständnis  alle von ihr abwenden werden.

In „Swatted“ spionieren Hacker die Daten von Online-Gamern aus und schicken ihnen während des Livestreams ein Spezialkommando nach Hause. „Sie wollen, dass du im Livestream verhaftet und erniedrigst wirst“, erklärt ein ehemaliges Opfer dieses „Spiels“.

Nur vier der doxs!-Programmfilme sind deutsche Produktionen; die anderen kommen aus dem europäischen Ausland, wobei die Niederlande auch in diesem Jahr ihrem guten Ruf für anspruchsvolle Jugenddokumentationen gerecht wird. Das spiegelt sich auch bei den Preisen wider, die am Ende des Festivals verliehen werden. Neu ist in diesem Zusammenhang der Preis für den besten fremdsprachigen Kinderdokumentarfilm, der von der „Selbst.Los!“-Kulturstiftung – Annelie und Wilfried Stascheit alle zwei Jahre ausgelobt wird und mit 6000 Euro dotiert ist. Wie in den Vorjahren vergibt eine Jugendjury den mit 5000 Euro dotierten Preis „Große Klappe“, der von der Bundeszentrale für politische Bildung gestiftet wird. Mit dem ECFA Documentary Award würdigt eine internationale Jury den besten europäischen Kinderdokumentarfilm im Programm.

doxs!-Filme werden auch in anderen deutschen Städten gezeigt, beispielsweise in Moers.

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