Duisburg: Einzelzimmerquote im Altenheim

Neues Alten- und Pflegegesetz: „Wir haben erhebliche Schwierigkeiten“

Die Träger der Seniorenheime in Duisburg sind seit dem 1. August verpflichtet, eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent einzuhalten. In der Praxis erweist sich die Vorgabe teilweise als schwer umsetzbar.

Einige Seniorenheime in Duisburg tun sich schwer, die gestiegenen Anforderungen an die stationäre Pflege umzusetzen. Das neue Alten- und Pflegegesetz in NRW sieht unter anderem vor, dass aus allen Einrichtungen des Landes Mehrbettzimmer verschwinden. Das Ziel: In den Pflege- und Altenheimen soll es mindestens zu 80 Prozent Einzelzimmer geben. Besonders vom Unternehmen Procuritas, das mehrere Heime in Duisburg betreut, kommt Kritik auf.

„Wir haben erhebliche Anpassungsschwierigkeiten, da der Großteil unserer Bewohner in Doppelzimmern lebt“, sagt Bianka Weber, Einrichtungsleiterin der Procuritas in Marxloh. Die Leiterin schätzt die Einzelzimmerquote in ihrem Haus auf 20 Prozent. Das Haus sei zwar erst 22 Jahre alt, aber anders geplant, als es der Gesetzgeber heute vorgibt. „Wir haben zum Beispiel auch Bäder, die sich auf dem Flur befinden und nicht einem Zimmer zugehörig sind“, berichtet Weber. Die Einrichtungsleiterin steht der Einzelzimmerquote zwiespältig gegenüber. „Bei uns leben viele jüngere Menschen, die mit Sucht oder psychischen Problemen zu kämpfen haben.“ In diesen Fällen sei es von Vorteil, in einem Doppelzimmer zu leben, da sich die Bewohner so besser umeinander kümmern könnten.

Um die neuen Anforderungen zu erfüllen, hat der Träger nun fünf Jahre mehr Zeit. Nach Angaben von Weber gewährt die Stadt Duisburg dem Heim in Marxloh eine Fristverlängerung. Im Gegenzug verzichtet Procuritas auf Pflegewohngeld. Architekten hätten bereits einen neuen Bauplan für das Seniorenheim entwickelt. „Es werden Umbauarbeiten stattfinden“, sagt Weber. „Dann wird sich die Anzahl der Pflegeplätze allerdings deutlich verringern, weil Doppelzimmer in Einzelzimmer umfunktioniert werden müssen.“

Die Caritas, die unter anderem das Altenheim St. Josef in Hamborn betreibt, versucht derzeit ebenfalls mit allen Mitteln, die Einzelzimmerquote zu erfüllen. Das Haus, das im Jahr 1981 errichtet wurde, werde derzeit in Abstimmung mit den Behörden umgebaut, sagte Claudia Weiss, Pressesprecherin der Caritas Duisburg. Petra Keysers aus dem Vorstand kommentierte die Maßnahmen mit den Worten: „Hier ist alles im Fluss.“ Es dürfte also nicht mehr lange dauern, bis die Caritas die Anforderungen erfüllt.

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Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat sich nach Angaben von Martin Szemkus, Geschäftsführer im Bereich Pflege und Gesundheit, bereits auf die neuen Regelungen eingestellt. „In unseren beiden Häusern in Duisburg sind wir mit den Maßnahmen fertig“, sagt er. Um den Anforderungen des Alten- und Pflegegesetzes nachzukommen, habe das DRK sogar einen Standort wechseln müssen. „In Neumühl haben wir extra ein neues Heim gebaut, um die Einzelzimmerquote zu erreichen“, berichtet Szemkus. Der Seniorencampus biete für über 80 Bewohner Platz in der vollstationären Dauerpflege. Auch das multikulturelle Seniorenheim „Haus am Sandberg“ erfülle  bereits die gestiegenen Anforderungen. Der hohe finanzielle Aufwand stelle kein Problem dar. „Wir mussten zwar in Vorkasse gehen, aber der Aufwand wird refinanziert. Wir bekommen das Geld also von der Politik zurück“, sagt er.

Szemklus verteidigt die Einzelzimmerquote von 80 Prozent. „Wir brauchen diese Quote, damit es mehr Privatsphäre in der Pflege gibt.“ Ausreden oder Klagen seien unangebracht, da die Träger 15 Jahre Zeit gehabt hätten, um sich auf die Regelung einzustellen. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass sich manche Träger jahrelang ausgeruht haben“, sagt der DRK-Geschäftsführer. Auch die Rufe nach einer Ausnahme von der neuen Quote, die von einzelnen Trägern laut geworden seien, könne er nicht nachvollziehen..

In den Pflegeheimen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) fallen wegen der Einzelzimmerquote keine Arbeiten an. „In allen unserer Einrichtungen gibt es bereits mindestens 80 Prozent Einzelzimmer“, sagt Wilma Katzinski, Geschäftsführerin der Awocura in Duisburg und zuständig für den Bereich Senioren und Pflege. „Teilweise gibt es sogar Heime, in denen ausschließlich Einzelzimmer vorhanden sind.“ Dass die Arbeiterwohlfahrt der Zeit beziehungsweise der Politik voraus ist, hat einen Grund. 1995 baute die Awo ihr erstes Pflegeheim an der Wintgenstraße in Duissern. Die Arbeiterwohlfahrt pochte vor über 20 Jahren bereits beharrlich darauf, eine Einzelzimmerquote von 80 Prozent durchzusetzen. „Wir sind froh, dass wir für diese Regelung gekämpft haben“, sagt Katzinski. „So haben wir keine Probleme mit der neuen gesetzlichen Regelung.“ Die Geschäftsführerin freut sich vor allem auch für die Bewohner der Seniorenheime, die kurzfristig nicht unter lästigen Umbauarbeiten leiden müssten.

„In unseren Heimen wollen wir die Privatsphäre und die Selbstständigkeit der Senioren respektieren“, sagt Katzinski. Auch Pflegebedürftige sollten Anspruch auf einen eigenen Wohnraum bekommen. Gleichzeitig respektiere die Awo auch Menschen, die sich bewusst für ein Doppelzimmer entscheiden – etwa ein Ehepaar. „Es gibt gute Gründe dafür, nicht in einem Einzelzimmer leben zu wollen“, sagt Katzinski. Deshalb gebe es in manchen Einrichtungen auch weiter ein ausreichendes Angebot an Doppelzimmern.

(jlu)