Duisburg: Ein Hengst als Staatsgeschenk

Duisburger Geschichte und Geschichten: Ein Hengst als Staatsgeschenk

Ein ungewöhnliches Staatsgeschenk der ägyptischen Regierung landete vor 55 Jahren im Duisburger Zoo.

Die Queen war offensichtlich wenig begeistert: „Komische Farbe für ein Pferd“, bemerkte sie als Bundespräsident Joachim Gauck ihr das Ölbild „Pferd in Royalblau“ überreichte.   Nun ja, Staatsgeschenke sind mitunter eine diffizile Angelegenheit. Da hatte ein Staatsgeschenk Jahrzehnte zuvor ein anderes Kaliber.

Wieder ging es um ein Pferd, konkret um ein lebendiges Exemplar – und was für eins. 1963 besuchte der ägyptischen Präsident Gamal Abdel Nasser  die Bundesrepublik Deutschland und überbrachte den fünfjährigen Araberhengst Kaisoon. Der stammte aus dem berühmten ägyptischen Nationalgestüt El Zahraa, das aus der früheren R.A.S. (Royal Agricultural Society) hervorgegangen war.

Staatsgeschenke  sollen Ausdruck der Wertschätzung sein, aber sie vermitteln auch eine Menge über die Kultur, Tradition und Geschichte eines Landes. Arabervollblüter gelten in der arabischen Welt  so viel wie ein Jet oder eine Jacht. Sie dokumentieren Macht, Status und Herrschergröße.  Ganz nebenbei zeugte ein derartiges Staatsgeschenk auch von Großzügigkeit. Aber wohin mit dem Geschenk?  Weil in der Asservatenkammer des Kanzleramtes in Bonn kein Platz für Kaisoon war, kam er in Anschluss an die Ägyptischen Wochen in NRW in den Duisburger Zoo. Ein absoluter Glücksfall für unsere Stadt.

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Ausdauer und Schönheit sind die Eigenschaften, die der Vollblutaraber wie kein anderes Pferd in sich vereint. Die Rasse sticht durch ihre exotische Erscheinung ins Auge – im Orient heißt es, Allah habe eines Tages eine Handvoll Wind genommen und ihm seinen Atem mitgegeben. Besonderes Erkennungsmerkmal ist der Kopf mit konkavförmiger Profillinie, lebhaften Augen und sehr großen, trichterförmigen Nüstern. Weiterhin charakteristisch sind ein schlanker Hals und ein hoher Schweifansatz. Unterschiede in der Anatomie zu anderen Rassen sind die geringere Anzahl der Rippenpaare, der Lendenwirbel und der Schweifwirbel. Das Stockmaß liegt zwischen 140 und 156 Zentimeter. Araberpferde gelten damals wie heute als die schönste und älteste aller Pferderassen.Zunächst wurde Kaisoon als Schulpferd in der Reitschule des Zoos eingesetzt. Er war robust, intelligent, sanftmütig und sehr menschenbezogen. Seine herausragenden Fähigkeiten als ausdauernder und zäher Distanzläufer in Wüstenrennen konnte er im Duisburger Zoo allerdings nicht ausspielen. Aber sein unschätzbarer Wert lag aber auf einem anderen Gebiet. Sein Potenzial als Deckhengst wurde im Duisburger Zoo 1966 erkannt. Der Duisburger Zoo stieg in die Araberzucht ein und Kaisoon erfüllte gerne die Aufgabe, seine wertvolle DNA zur Nachwuchsveredelung einzusetzen. Immerhin sorgte er für fast 500 direkte Nachkommen. Eine durchaus lukrative Einnahmequelle für den Zoo. Heute würde die sogenannte Decktaxe bei 700-1000 € liegen. Der Zoo erhielt damals traumhafte Kaufgebote für den Deckhengst. „Sie hätten ausgereicht, um einen Zoo mit mehreren Elefanten, Giraffen, Löwen und Tigern auszustatten“, schrieb Dr. Wolfgang im Jubiläumsband von 1974. Doch Kaisoon blieb unverkäuflich. Von den deutschen Araberzüchtern wurde er zum „schönsten Araberhengst Deutschlands“ gewählt. Die Duisburger waren begeistert. Das Arabergestüt des Duisburger Zoos war zu einem Mekka der Freunde edler Pferde geworden.

Aber auch jeder noch so potente Deckhengst kommt einmal ins tierische Rentenalter. Die Pfleger kümmerten sich liebevoll um den Hengst und unterstützten den alternden Kaisoon tatkräftig bis zu seinem Ende. Am 22. September 1987 konnte das edle Tier nicht mehr ohne fremde Hilfe aufstehen. Der damalige Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt entschloss sich, den 29-jährigen Hengst von seinem Leiden zu erlösen.  Kaisoon war schon zu Lebzeiten eine Legende und galt unbestritten als der herausragende Araberhengst, der jemals in Deutschland lebte.

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