Duisburg: „Ein gutes Spiel muss fesseln“

Interview mit Harald Schrapers: „Ein gutes Spiel muss fesseln“

Harald Schrapers ist Spieletester und sitzt in der Jury zum „Spiel des Jahres“.

(RPN) Harald Schrapers ist Vorsitzender der „Spiel des Jahres“-Jury. Zum Gespräch bringt er den Gewinner „Azul“ mit. Plauderei bei einer Partie.

Es ist etwa 30 Jahre her, als Harald Schrapers vom Spiele-Virus infiziert wurde. Der Duisburger engagierte sich bei der Jugendorganisation der SPD, den Jusos. Dort wurde nicht nur Politik gemacht, sondern auch gespielt. „Risiko“ vor allem. „Das ist ja auch politisch.“

Später schrieb Schrapers für das Niederrhein-Magazin der Jusos die ersten Spielekritiken. „Damals war es einfach, an Rezensions-Exemplare zu kommen. Spielekritiker gab es kaum.“ Inzwischen ist der 53-Jährige hauptberuflich für die Pressearbeit zweier SPD-Abgeordneter zuständig und nebenberuflich Spielekritiker für die Zeitschrift „Spielbox“. Dessen Verlag hat auch die neue Messe „Spiel doch“ im Landschaftspark ausgerichtet.

Schrapers saß schon einmal drei Jahre in der Jury für das „Kinderspiel des Jahres“. Jetzt ist er Jury- und Vereinsvorsitzender vom „Spiel des Jahres“, der Ausgabe für Erwachsene. Zum Gespräch bringt er den aktuellen Gewinner mit. Er heißt „Azul“ und ist gewissermaßen das erste Spiel für Fliesenleger. Der portugiesische König Manuel I. hat bei einem Besuch der spanischen Alhambra die Kunst der prachtvollen „Azulejos“ für sich entdeckt. Nun ist es die Aufgabe der Spieler, den Königspalast in Evora mit eben diesen schmückenden Fliesen auszustatten. Zwischen den Runden plaudert Harald Schrapers über sein Hobby und was ihn am Spielen noch heute fasziniert.

Die Spielsteine sehen aus wie Kacheln. Zunächst werden Musterreihen gelegt, anschließend werden sie auf die Wand gebracht.

Auf dem Tisch liegt vor jedem ein Spielbrett. Daneben weitere Brettchen, so genannte Manufakturplättchen. Auf ihnen befinden sich jeweils vier Spielsteine in Fliesen-Optik. Sie sind blau gemustert, rot oder schwarz mit üppigen Verzierungen – ganz so, wie Kacheln etwa in Marokko oder Portugal aussehen. Der Reihe nach dürfen sich die Mitspieler von einem Plättchen alle Kacheln einer Farbe nehmen und zu so genannten Musterreihen anordnen. Sind alle Fliesen genommen, werden die Kacheln an die „Wand“ geschoben – diese befinden sich ebenfalls auf dem Spielbrett. Dabei sollte man am besten strategisch denken, denn für die Siegpunkte werden die benachbarten Steine mitgezählt und volle Reihen bedeuten einen Bonus. Ich kassiere eine Reihe von Minuspunkten, weil meine Musterreihen bereits belegt sind.

Schon ein bisschen kompliziert, oder?

Schrapers: Eigentlich nicht! In der zweiten Partie fällt Azul schon viel leichter. Und man lernt sogar noch in der fünften Partie hinzu. Deshalb macht es so viel Freude.

Was macht eigentlich ein gutes Spiel aus?

Schrapers: Es muss fesseln und bis ungefähr fünf Minuten vor dem Ende sollte jeder noch die Chance haben, zu gewinnen. Ich mag eine gute Mischung aus Taktik und Glück, was bei Azul hervorragend gelungen ist.

Ist die Entscheidung bei der Jurysitzung also einstimmig gefallen?

Schrapers: Das verraten wir nicht. Manche Abstimmungen sind strittiger, bei Azul gab es viel Übereinstimmung. Wir treffen uns fünf Mal im Jahr, ansonsten tauschen wir uns via Internet aus. Wir diskutieren angeregt, geben Tipps und Hinweise, worauf zu achten ist. Und wenn sechs Leute sagen, dass ein Spiel nicht taugt, dann muss es sich der siebte gar nicht mehr näher anschauen.

Wie wird man eigentlich Jurymitglied?

Schrapers: Da kann man sich nicht bewerben, man wird gefragt.

Neue Runde. Die ersten Kacheln an der Wand sind angebracht. Nun werden wieder Muster gesammelt. Neue Steine liegen in der Mitte. Schrapers darf starten.

Täuscht der Eindruck oder haben Spiele in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt?

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Schrapers: Spätestens seit den „Siedlern von Catan“ ist das Spiel in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Deutschland ist der wichtigste Brettspielmarkt, das „Spiel des Jahres“ der bedeutendste Spielepreis und die Essener Spieltage sind die größte Messe weltweit. Bei uns gilt Spielen nicht als Kinderkram, sondern als intelligente Unterhaltung gerade auch für Erwachsene und Familien.

Wie viel spielen Sie?

Schrapers: Im vergangenen Jahr habe ich bestimmt mehrere 100 Spiele ausprobiert.

Nur neue?

Schrapers: Fast! Ich habe gar keine Zeit, die alten herauszukramen. Nur jetzt in den Ferien haben wir nochmal eine Runde „Siedler“ gespielt.

Sammeln Sie die Spiele alle?

Schrapers: Das ist wirklich eine gute Frage. So viel Platz hätte ich gar nicht. In der Regel spende ich die fertig ausprobierten Spiele.

Ihre Kinder sind 11 und 20 Jahre alt. Können Sie die noch mit ihrem Hobby locken oder zocken die lieber am Computer?

Schrapers: Die spielen auch gerne ein Brettspiel, das ist kein Widerspruch. Spiele am Computer oder auf dem Handy macht man ja in der Regel allein, Brettspiele in Gesellschaft. Ich spiele aber auch mit Freunden, bei Nachbarn und im Spielekreis. Oder wir nehmen ein Spiel mit in die Kneipe.

Waren Sie früher ein Spielkind?

Schrapers: Wenn ich es mir recht überlege, gab es damals nicht so viele Spiele, und „Das Spiel des Lebens“ war rückblickend betrachtet auch nicht so dolle. Das Interesse kam eigentlich erst bei den Jusos.

Haben Sie denn beim Spielen denn auch etwas über deutsche Politik gelernt?

Schrapers: Vielleicht, dass man manches auch mal spielerischer betrachten sollte und einige Dinge nicht übertrieben ernst nimmt.

Jetzt mal ehrlich: Können Sie denn gut verlieren?

Schrapers: Ich möchte ein Spiel unbedingt gewinnen, sonst funktioniert das nicht. Natürlich ohne zu pfuschen. Und wenn ich verloren habe, ärgere ich mich nie länger als eine Minute.