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Duisburg: Earport-Betreiber​ laden zum portugiesischen Abend in der Liebfrauenkirche​

Earport-Betreiber : Portugiesischer Abend in der Duisburger Liebfrauenkirche

Gerhard Stäbler und Kunsu Shim, die beiden kreativen Earport-Betreiber, veranstalten am 7. September einen portugiesischen Abend in der Duisburger Liebfrauenkirche. Zuvor, vom 26. bis 28. August, laden sie zum „Earfest“ ein.

Wer hier jetzt liest, dass es am Mittwoch, dem 7. September, in irgendeiner Weise um das Werk von Fernando Pessoa geht, der wird entweder mit den Achseln zucken oder er wird aufgeregt in seinem Kalender nachschauen, ob der Abend bislang noch nicht verplant ist. Fernando Pessoa (1888 bis 1935) war zu seinen Lebzeiten so gut wie unbekannt, heute gilt er als wichtigster Schriftsteller Portugals im 20. Jahrhundert. Der bisweilen bissige Literaturkritiker Denis Scheck hat das Werk in seinen 2019 erschienenen Kanon der „100 wichtigsten Werke der Weltliteratur“ aufgenommen. Geradezu unglaublich ist die Art und Weise, wie dieses „Buch der Unruhe“ an die Öffentlichkeit gelangte.

Nach Pessoas frühem Tod fanden sich in einer Truhe 24.000 schwer zu entziffernde Texte. Es dauerte 47 Jahre, also die gesamte Lebensspanne Pessoas, bis diese 1982 erstmals teilweise in Buchform herausgebracht wurden. Mittlerweile gibt es vom „Buch der Unruhe“ Übersetzungen in viele Sprachen und auch eine deutsche Neuausgabe, die noch mehr der 24.000 Textfragmente als die Erstausgabe von 1982 enthält. Wer diese tagebuchartige „Autobiographie ohne Ereignisse des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares“ liest, liest sich allmählich fest; lässt sich von den tiefschürfenden Beobachtungen scheinbarer Alltäglichkeiten, den philosophischen, literarischen, theologischen, religionskritischen und glaubenstiefen, menschenfreundlichen und misanthropen, gesellschaftlich-opportunen und geradezu anarchistischen Bemerkungen sowie den eleganten Formulierungen, Wortneuschöpfungen, den kuriosen Gedankenspielen und der melancholischen Poesie des Ausdrucks faszinieren. Dieser „Hilfsbuchhalter Bernado Soares“, den sich Pessoa als schriftstellerische Nebenexistenz ausdenkt, betrachtet die Lebens- und Gedankenwelt in so vielen Schattierungen, dass er sich auf keinen Standpunkt festlegen kann. Als Leser profitiert man von dieser schriftstellerischen Überweisheit.

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Gerhard Stäbler stieß schon vor Jahrzehnten bei einem Lissabon-Besuch auf Fernando Pessoa. In der portugiesischen Hauptstadt ist dessen Werk überaus präsent, der Autor Kult. Und als Kunsu Shim vor einigen Jahren in seine südkoreanische Geburtsstadt reiste, da bekam er von einer Freundin eine südkoreanische Übersetzung vom „Buch der Unruhe“ in die Hand gedrückt.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Stäbler und Shim jenen „Lissabon-Abend“ veranstalten möchten, der nun im Rahmen der Muziek Biennale Niederrhein am Mittwoch, 7. September, 20 Uhr, in der Kulturkirche Liebfrauen Wirklichkeit wird. Die Besucher erwartet eine Verbindung von Performance, Literatur und rezitativer Instrumentalmusik, die dem Duktus von Pessoas Sprache nachempfunden ist. Aus Pessoas Heimatland kommt das neunköpfige Ensemble „Grupo de Musica Contemporanea de Lisboa“ nach Duisburg, das als führender Botschafter zeitgenössischer portugiesischer Musik gilt. Auf dem Programm stehen unter anderem jeweils eine Uraufführung von Gerhard Stäbler (Taubes Schwarz) und Kunsu Shim (Kleines Fernes). Beide Werke nehmen Bezug auf Textpassagen aus Pessoas „Buch der Unruhe“, das Kunsu Shim, wie er im RP-Gespräch sagte, stellenweise wie sein eigenes Tagebuch empfindet. Thomas Krause wird an dem Abend aus dem Werk Ferndao Pessoas in deutscher Sprache vorlesen.

Der Eintritt kostet zehn Euro. Karten gibt es an der Abendkasse. Sie können auch vorbestellt werden bei: earport.duisburg@gmail.com

Unabhängig vom Lissabon-Abend laden Gerhard Stäbler und Kunsu Shim auch in diesem Jahr zu ihrem „Earfest“ ein, das diesmal an drei Tagen hintereinander stattfindet, und zwar am Freitag und Samstag, 26. und 27. August, 21 Uhr, und am Sonntag, 28. August, 11 Uhr. Das Fest steht unter dem durchaus kämpferisch gemeinten Motto „Ich bin, wo ich sein möchte – Erfindung eines Ortes“.

Stäbler und Shim haben für die Tage die Sopranistin Silja Aker Johnsen, die Violinistin Victoria Johnson und den Schlagzeuger Anders Kregnes Hansen eingeladen, die allesamt aus Norwegen stammen. Stäbler kennt sie, seit vor einigen Jahren seine Jugendoper „Simon“ in Oslo uraufgeführt wurde. An den drei Abenden werden Performance, sprachliche und musikalische Elemente miteinander verbunden, am Sonntag stehen zudem Uraufführungen von Gerhard Stäbler und Kunsu Shim auf dem Programm. Im Veranstaltungssaal ist Kunsu Shim auch mit bildnerischer Kunst vertreten, etwa mit einem Ensemble aus 450 stimmungsvollen Fotografien, die allesamt von ihm selber aufgenommen wurden und mit handschriftlichen Bemerkungen, mal eigenen Gedanken, mal Zitaten, versehen sind.

Beim „Earfest“ kann man bei freiem Eintritt das erleben, wofür der „Earport“ bekannt ist. Nämlich als eine Stätte für experimentelle Musik und Begegnung zwischen den Künsten. Der Ort muss an den drei Festtagen nicht „erfunden“ werden, sondern hat eine Anschrift: Philosophenweg 17A.