Traditionsunternehmen in Duisburg Hier wird das Duzen zur konzernweiten Regel

Duisburg · Für die rund 4300 Beschäftigten des Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzerns (DVV) gibt es eine neue Regel: Alle duzen sich, unabhängig von Alter und Status. Das kommt gut an, soll aber kein Zwang sein.

Die DVV-Chefs – für die Beschäftigen sind das (von links): der Axel (Prasch), der Marcus (Wittig) und der andere Marcus (Vunic).

Die DVV-Chefs – für die Beschäftigen sind das (von links): der Axel (Prasch), der Marcus (Wittig) und der andere Marcus (Vunic).

Foto: DVV/Daniel Tomczak

Ist das nun distanz- oder respektlos? WDR 2 ist dazu übergegangen, seine Hörer zu duzen. Und bei Ikea ist das „Du“ nach skandinavischem Vorbild schon längst üblich. Nun passt sich auch der Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzern (DVV) dieser Regel an.

Nachdem das vertrauliche „Du“ in einzelnen Bereichen und Abteilungen bereits längst etabliert ist, insbesondere innerhalb der selben Hierarchieebene, soll es nun konzernweit gelten – für alle. Und so dürfen die 110 Azubis des DVV auch den Vorsitzenden der Geschäftsführung „Marcus“ nennen, obwohl dieser mehrere Hierarchieebenen über ihnen steht und ein sechsstelliges Jahresgehalt bezieht, von dem der Nachwuchs nur träumen kann. Und die sonst übliche Regel, dass Ältere den Jüngeren das „Du“ anbieten sollen und nicht umgekehrt, kann unter diesen Vorzeichen natürlich auch nicht mehr gelten.

Hier duzen sich alle: die DVV-Konzernzentrale an der Bungertstraße.

Hier duzen sich alle: die DVV-Konzernzentrale an der Bungertstraße.

Foto: DVV/Daniel Tomczak

Für die konzernweite Du-Regel hat man bei der Holding intern auch die Werbetrommel gerührt. Das Duzen soll nicht klammheimlich um sich greifen, sondern ganz offiziell propagiert werden. Und, wie es sich für eine modern aufgestellte Holding gehört, vor allem natürlich auch über soziale Netzwerke. Die Hashtags #Unternehmenskultur, #duzen und #DuStattSie sprechen da für sich.

„Wir haben festgestellt, dass immer dort, wo das „Du“ im Spiel ist, eine kollegialere und bessere Zusammenarbeit besteht“, heißt es in einem Post des Konzerns im sozialen Online-Netzwerk LinkedIn, das vor allem in der Berufs- und Geschäftswelt genutzt wird. Dieser „Spirit“, heißt es dort weiter, werde nun „auf das ganze Unternehmen ausgerollt“.

Und das werde von der Belegschaft auch gut angenommen, sagt DVV-Sprecherin Kathrin Naß: „Die Beschäftigten sind davon überzeugt und setzen das auch im Arbeitsalltag um – so weit sie das zuvor nicht ohnehin schon getan haben.“

Konzernintern wird das Vorhaben deutlich kommuniziert: „Wir duzen uns innerhalb von Abteilungen, wird duzen in Stellenanzeigen und im Bewerbungsgespräch. Und seitdem die DVV-Geschäftsführung der gesamten Belegschaft das Du angeboten und das Duzen zur konzernweiten Regel gemacht hat, duzen sich einfach alle“, heißt es weiter.

Verpflichtend soll das „Du“ der Mitarbeiter untereinander indes nicht sein: „Selbstverständlich ist es kein Zwang – wer lieber gesiezt werden möchte, kann das problemlos mitteilen“, so die konzerninterne Botschaft. Bislang sei das Duzen jedoch „sehr gut angekommen und angenommen worden“. Die Kommunikation sei deutlich einfacher, denn niemand müsse mehr den Knigge studieren, ob und wann man das Du anbieten darf. „Und vor allem für neue Kolleginnen und Kollegen wird die neue Duz-Kultur den Einstieg erleichtern“, heißt es weiter.

Mit diesem Logo wirbt der DVV-Konzern intern für das Duzen.

Mit diesem Logo wirbt der DVV-Konzern intern für das Duzen.

Foto: DVV

In der Wirtschaftswelt ist diese Form der Unternehmenskultur nicht unumstritten. Denn was intern gilt, ist natürlich im Umgang mit Geschäftskunden keineswegs selbstverständlich – oder führt sogar zu Irritationen. Denn vielfach steht das „Sie“ für Seriosität und ist für ältere Generationen nach wie vor Standard.

Letztlich kommt es aber auf den Kontext an. So werden im Deutschlandfunk Gesprächspartner grundsätzlich gesiezt, während sich die selben Menschen in Podcasts des Senders duzen. Auch in Banken, Behörden, Unternehmen ist das Duzen unter Kollegen häufig üblich, bei Startup-Unternehmen mit jüngerer Belegschaft wohl eher die Regel als die Ausnahme. Mit der Empfehlung des allgemeinen Duzens für ein Unternehmen mit mehreren Tausend Mitarbeitern dürfte der empfohlene interne Umgang im DVV-Konzern aber wohl (noch) eine Besonderheit darstellen.

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