Duisburg: DVG testet intelligentes ticketsystem

Nahverkehr in Duisburg: DVG testet intelligentes Ticketsystem

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft treibt die Digitalisierung im Unternehmen voran. Die neueste Idee: eine intelligente Ticket-App, die dafür sorgen soll, dass niemand mehr vergessen kann, einen Fahrschein zu lösen.

Die neueste Idee der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) klingt sehr ambitioniert: So stressig es an den Bahnsteigen in der Stadt  auch zugeht,  in Zukunft soll kein Fahrgast ohne Ticket in den Bussen und Bahnen sitzen, weil er nicht mehr dazu gekommen ist, vor dem Einsteigen einen Fahrschein zu ziehen. Was sich wie eine Zukunftsvision anhört, könnte schon bald Realität sein. Die DVG testet derzeit ein intelligentes Ticket-System, das diesen Effekt erzielen soll.

Für den DVV-Konzern – und die dazugehörige DVG – ist der Testlauf ein weiterer Schritt seiner Digital­offensive, mit der die Verantwortlichen den Öffentlichen Nahverkehr in der Stadt nach den Vorgaben des jüngst vorgestellten Masterplans „Digitales Duisburg“ zukunftsfähig machen wollen. Das erste Projekt, das schon bundesweit für Aufsehen sorgte, war die Einführung des app­gesteuerten Kleinbus-Angebots Mybus. Hinzukommen könnte nun eine weitere digitale Anwendung mit dem etwas sperrigen Namen „Check-in/Be-out“, kurz „CiBo“.

Die Idee: Wer sich die entsprechende Applikation auf sein Smartphone lädt, soll sich um den Ticketkauf künftig keine Gedanken mehr machen müssen. Die App erkennt, wenn ein Fahrgast einen Bus oder eine Bahn der DVG betritt oder verlässt und löst selbstständig den Kaufprozess für einen Fahrschein aus. Der Nutzer bekommt dann beim Einsteigen in die Bahn eine Nachricht auf sein Handy und muss den Ticketkauf nur noch mit einem Klick bestätigten. Während der Fahrt zeigt die Anwendung in Echtzeit die aktuelle und die folgenden Haltestellen an. Beim Aussteigen erfolgt dann der sogenannte „Be-Out“ – vergleichbar mit dem Auschecken aus einem Hotel. Der Fahrgast erhält eine Mitteilung, das die Fahrt abgeschlossen ist und nun abgerechnet wird. Gesteuert wird das Ganze über Bluetooth-Signalgeber, mit denen bereits einige Bahnen in der Stadt ausgerüstet wurden.

  • Digitalisierung : Wie Duisburg zur Smart City werden soll

„Das System hat viele Vorteile für unsere Fahrgäste“, sagt Pierre Scharping, der für den Testlauf zuständige Projektleiter bei der DVG. „Sie sparen beispielsweise viel Zeit bei der Suche nach dem richtigen Ticket.“ Zudem könnten die Kunden so problemlos ein Ticket erwerben, auch wenn sie mal kein Bargeld dabei hätten. „Die Fahrt wird dann von der App kilometergenau abgerechnet. Wer heute für einen festen Fahrpreis lange Strecken fährt, muss eventuell mehr zahlen. Wer auf kurzen Strecken unterwegs ist, kann aber auch günstiger wegkommen.“ Wie teuer der Service am Ende sein würde, steht noch nicht fest. „Die Preise würde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr festlegen“, erläutert Scharping. „So weit sind wir aber noch nicht.“ In den kommenden Wochen und Monaten stünden zunächst weitere Testläufe an, um Erfahrungen mit dem neuen System zu sammeln und offene Fragen zu klären.

Für die Testphase sind bisher acht Straßenbahnen der DVG mit  dem Bluetooth-System ausgerüstet worden. Ob weitere Bahnen und vielleicht auch Busse hinzukommen, hängt von den Erfahrungen ab, die die Tester in den kommenden Monaten sammeln werden. Außerdem müssten auch die Kontrollgeräte der Ticketprüfer mit der neuen Technik ausgerüstet werden. Der Feldtest läuft noch bis Ende dieses Jahres. Dann will die DVG entscheiden, ob „CiBo“ in Duisburg eine Zukunft hat.

(th)
Mehr von RP ONLINE