Duisburg: Duisburger Museum blickt ins mythische Shangri-La

Duisburger Geschichte und Geschichten : Vom Sehnsuchtsort zum Touristenziel

Shangri-La gilt lange als mythischer Hort der Glückseligkeit. Heute bieten Duisburger Reisebüros das Reiseziel an und in Duisburgs Stadtmuseum wird die Stadt in einer Ausstellung thematisiert.

Oft erntet man in Duisburg eher ein Schulterzucken, wenn man die Frage nach Shangri-La stellt. Mitarbeiter von Reisebüros zeigen sich dagegen gut informiert. Seit China eine entlegene Gebirgsregion in der Provinz Yunnan als „Shangri-La“ vermarktet, boomt dort der Tourismus. „ Ich empfehle Ihnen das außergewöhnliche Hotel „Banyan Tree Ringha“ in Shangri-La. “, sagt die sachkundige Reiseverkehrskauffrau.

Die weitere Befragung von Experten liefert noch mehr Informationen über den Sehnsuchtsort. Frauke Berndt, Kuratorin der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum „Sagenumwoben! Goldstädte, Paradiesorte und ferne Welten“ verweist auf den 1932 erschienenen Roman „Lost Horizon“ des Schriftstellers Hilton. Der Stoff wurde 1937 durch Frank Capras verfilmt. Im Film werden die Protagonisten in ein traumhaftes Himalayagebiet voller Liebe und Harmonie entführt, in dem es keinerlei Sorgen zu geben scheint. Ein entschleunigtes Utopia, das zugleich einen Ausblick darauf bietet, wie Menschen eigentlich leben sollten. Die Bewohner eines Klosters wirken jung und vital, sind aber Hunderte Jahre alt, leben in Einklang mit der Natur und genießen den inneren Frieden, sie lesen, meditieren und erklimmen die Stufen der Erleuchtung. Soll die Gruppe nach dem Einblick ins Paradies bleiben und das Tor zu Shangri-La durchschreiten oder doch wieder in die alte Welt zurückkehren? Um die pazifistische Botschaft und die Kritik an der westlichen Lebensweise abzuschwächen, wurde der Film von der US-Zensur für eine Neuauflage im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg massiv gekürzt.

Auf deutscher Seite sorgte 1938/1939 eine Tibetexpedition des Deutschen Ernst Schäfer für Aufsehen. Ziel war die heilige Stadt Lhasa, Tibets religiösem Zentrum und Sitz des Dalai Lama. Himmlers völkisch-esoterische Obsessionen kreisten um die absurde Vorstellung, dass sich im Himalaja überlebende Arier einer untergegangenen, prä-antiken Zivilisation aus Atlantis über die Jahrtausende gerettet hätten. Für die krude Suche nach Ariern nahm das SS-Mitglied Bruno Berger anthropometrische Untersuchungen an den Tibetern vor. Hierzu wurden Schädel vermessen, Gesichtsmasken aus Gips angefertigt und Körperproportionen gezeichnet. Für das NS-Regime war die Geschichte von den tollkühnen SS-Männern im fernen Tibet auf der Suche nach den arischen Urahnen der perfekte Propaganda-Coup.

In der Nachkriegszeit sank in Deutschland das Interesse für den tibetanischen Buddhismus und Fernost. Das aufkommende Wirtschaftswunder setzte auf materielle Werte. Das änderte sich erst in den 60er und 70er Jahren mit der neuen Faszination für den Buddhismus. Hermann Hesses „Siddharta“ aus dem Jahr 1922 wurde damals neu entdeckt. In den USA schrieb der Harvard-Professor Timothy Leary das „Tibetische Totenbuch“ zu einem Bericht über Bewusstseinserweiterung um und rückte Tibet somit ins das Blickfeld der LSD- und Hippie-Kultur. Zahlreiche Hippies, Sinnsuchende, New Ager, Abenteurer und Rucksacktouristen suchten Erleuchtung in Asien. Doch für El Dorado, Atlantis oder andere Sehnsuchtsorte des Westens gab es auch für Shangri-La nur mythisch verschwommene Ortsangaben. Im tibetischen Buddhismus findet man zwar Beschreibungen über ein mythisches Königreich, das irgendwo in Zentralasien verborgen sein soll. Die Spekulationen sind zahlreich. Der prominente Dalai Lama bezeichnet es als spirituellen Ort. „Gleichgültig, ob Shambhala (Shangri-La) ein Ort irgendwo auf diesem Planeten ist oder nicht, so kann er dennoch nur von denen gesehen werden, deren Geist und karmische Tendenzen rein sind.“ Die Chinesen vermarkten den Mythos und kurbeln damit den Tourismus an. Das „Neue Shangri-La“ liegt in rund 3200 Meter Höhe an der historischen Handelsroute, die die Provinz Yunnan mit Tibet und Indien verbindet. Die drei großen Ströme Asiens – Jangtse, Mekong und Saluen – fließen hier zwischen hohen Bergketten nahezu in gleicher Richtung. Touristen schwärmen von der traumhaften Landschaft, berichten von der Tigersprungschlucht oder dem Kloster Ganden Songtsenling.

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