1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg/Düsseldorf: Loveparade-Prozess wird eingestellt

Nach 184 Verhandlungstagen : Gericht stellt Loveparade-Prozess ein

Der Loveparade-Prozess ist am Montag ohne Urteil beendet worden. Einer der aufwendigsten Prozesse der Nachkriegszeit geht damit nach zweieinhalb Jahren zu Ende. Wegen der Corona-Pandemie war der Prozess Mitte März unterbrochen worden.

Das Landgericht Duisburg hat am Montagmorgen den Prozess um das Unglück bei der Loveparade mit 21 Toten und 650 Verletzten eingestellt. Bei den drei zuletzt verbliebenen Angeklagten hatte das Gericht zuvor bereits nur eine geringe Schuld vermutet. Kostenpflichtiger Inhalt Einer der aufwendigsten Strafprozesse der Nachkriegszeit geht damit nach knapp zweieinhalb Jahren am 184. Verhandlungstag ohne ein Urteil zu Ende. 

In dem Prozess geht es um den Tod von 21 jungen Menschen bei der Loveparade in Duisburg im Juli 2010. Sie starben in einem Gedränge auf dem einzigen Zu- und Abgang des Veranstaltungsgeländes. Mehr als 650 Menschen wurden verletzt.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein begründete die Einstellung des Verfahrens damit, dass die mögliche Schuld der Angeklagten als gering anzusehen sei. Die Verantwortung für die Katastrophe würden nicht allein die drei Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent tragen. Vielmehr habe ein kollektives Versagen zu dem tödlichen Gedränge geführt. Hinweise auf ein sorgloses Verhalten der Angeklagten gebe es nicht. „Klar ist aber auch: Wir stellen nicht wegen der Corona-Pandemie ein“, sagte Plein. Sie habe die Entscheidung nur beschleunigt.

<aside class="park-embed-html"> <iframe width="640" height="360" src="https://www.youtube.com/embed/TSa0XZuYmMs?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe> </aside>
Dieses Element enthält Daten von YouTube. Sie können die Einbettung solcher Inhalte auf unserer Datenschutzseite blockieren
  • Fotos : Loveparade-Unglück: Gedenken zum siebten Jahrestag
  • Fotos : Das erwarten Duisburger vom Loveparade-Prozess
  • Der Vorsitzende Richter Mario Plein (4
    Corona-Unterbrechung beendet : Gericht entscheidet am 4. Mai über Einstellung des Loveparade-Prozess

Das Gericht hatte nach der Bekanntgabe der Einstellung des Verfahrens zunächst die Verdachtslage dargestellt. „Aus Sicht der Kammer ist die Katastrophe vollständig aufgeklärt“, sagte Plein. Demnach sei es hinreichend wahrscheinlich, dass eine unkoordinierte Steuerung von Personengruppen und Planungsmängel zur Katastrophe geführt habe. Zugänge zum Veranstaltungsgelände seien nicht fachgerecht geplant gewesen, weil etwa die Wege nicht die nötige Breite gehabt hätten. Dadurch entstand am Nachmittag eine lebensbedrohliche Trichterwirkung. Das Gelände war nach Ansicht der Richter mit dem vorliegenden Konzept demnach nicht für eine Veranstaltung wie die Loveparade geeignet.

Ein entscheidener Punkt sei auch die enge Übergangstelle zwischen Rampe und Veranstaltungsgelände gewesen. Dort trafen zu- und abfliessende Besuchermassen aufeinander, während die Parade unmittelbar dahinter vorbeizog. Viele Wege waren schmaler als geplant, weil Zäune nicht wie eigentlich vereinbart vor Beginn der Loveparade entfernt wurden.

Wegen der vielen Verfahrensbeteiligten war das Landgericht Duisburg für den Prozess in einen großen Saal des Kongresszentrums der Messe in Düsseldorf gezogen. Angeklagt waren zuvor außerdem ein Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent und sechs Beschäftigte der Stadt Duisburg wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Ihnen wurden schwere Fehler bei der Planung der Massen-Veranstaltung vorgeworfen. Die Verfahren gegen die Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters wurden im Februar 2019 wegen vermutlich geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt.

Der Prozess gegen die verbliebenen drei Angeklagten war zunächst Mitte März 2020 unterbrochen worden, als eine Richterin wegen des Corona-Virus vorsorglich unter Quarantäne gestellt wurde. Anfang April hatte das Landgericht dann die Einstellung des Verfahrens vorgeschlagen. Es begründete dies unter anderem mit zu erwartenden Corona-Einschränkungen und der drohenden Verjährung Ende Juli.

Die Staatsanwaltschaft und die drei Angeklagten hatten bereits zugestimmt. Viele der 42 Nebenkläger sind dagegen - für eine Einstellung war ihre Zustimmung allerdings rechtlich nicht erforderlich. Ein Einstellungsbeschluss ist unanfechtbar.

(mit Agenturmaterial)