Duisburg: Diskussion um Digitalisierung in der Arbeitswelt

Digitalisierung in der Arbeitswelt: Home Office kann die Belastung erhöhen

Auf der Regionalkonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbundes der Region Niederrhein standen die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigten im Mittelpunkt. Namhafte Vertreter äußerten Sorgen und Zweifel.

Duisburg ist drauf und dran eine „Smart City“ zu werden. Mit dem Masterplan Digitalisierung hat die Stadt ein breit angelegtes Konzept vorgelegt. Die Ziele der Initiative sind Nachhaltigkeit, eine bessere Lebensqualität für die Einwohner und eine höhere Attraktivität der Stadt als Industrie- und Wirtschaftsstandort. Das bekräftigte Stefan Soldat, Geschäftsführer der Gesellschaft für Informationstechnologie in Duisburg, gestern Nachmittag auf der Regionalkonferenz Niederrhein des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Soldat betonte zudem, dass die Stadt zur Entwicklung des Masterplans im engen Austausch mit den Bürgern stand und steht. „Digitalisierung ist immer nur ein Mittel zum Zweck und hat oft mit einem Service zu tun, der angeboten wird.“ So kämen die Menschen oder die Beschäftigten ins Spiel, die bei der Entwicklung nicht auf der Strecke bleiben dürften. Auch für den DGB ist das ein Anliegen. Auf der Konferenz wollte sich der Gewerkschaftsbund deshalb mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigten der Region beschäftigen.

Die positiven Effekte der Digitalisierung für die Arbeitswelt blieben im Tagungsbereich der Mercatorhalle allerdings nur kurz berührt. Angelika Wagner, DGB-Regionsgeschäftsführerin Niederrhein, sprach davon, dass das Thema zu wenig auf sozialer oder ethischer Grundlage diskutiert werde. Zwar könnten Arbeitsprozesse erleichtert und Abläufe verbessert werden, doch bei den Beschäftigten gebe es viele Sorgen. „Behalte ich meinen Job trotz digitalem Fortschritt? Schaffe ich es die gestiegenen Herausforderungen zu meistern?“, nannte Wagner zwei Beispiele.

Die DGB-Regionsgeschäftsführerin ergänzte, dass Digitalisierung die Arbeitnehmer sogar mehr belasten könne. Arbeite ein beschäftigter viel von Zuhause aus, sei der Druck oft größer, weil Arbeit und Privates vermischt würden. „Das belegen wissenschaftliche Studien und Befragungen von Gewerkschaften“, sagte sie. Auch für Judith Terstriep sei das sogenannte Home Office eher ein Problem. „Ein Arbeitnehmer benötigt viel Disziplin, um nicht mehr von Zuhause aus zu arbeiten als erlaubt. Das müssen Beschäftigte erst lernen“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Arbeit und Technik.

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In die gleiche Richtung argumentierte Dieter Lieske, erster Bevollmächtigter der IG Metall Duisburg-Dinslaken: „Zuhause werden die Arbeitszeiten kaum nach gehalten und die Menschen arbeiten deutlich länger als im Betrieb.“ Für ihn ist es zudem erwiesen, dass die zunehmende Digitalisierung und Technisierung in der Arbeitswelt zu erheblichen psychischen Belastungen auf Seiten der Beschäftigten und so zu Ausfallzeiten für den Betrieb führen.

Die Arbeitnehmer werden im digitalen Zeitalter immer weiter gefordert. Diese Meinung kam gestern gleich bei mehreren Rednern zum Vorschein. Unter anderem für Rainer Hagenacker, Vorsitzender des Personalrats der Stadt Duisburg, müssten Beschäftigte bald ganz andere Fähigkeiten mitbringen, um in der Arbeitswelt bestehen zu können. „Ich habe die Sorge, dass deshalb viele Menschen auf der Strecke bleiben und von der Technik überholt werden“, sagte er. Anja Gerlmaier vom Institut für Arbeit und Qualifikation ergänzte, dass die Digitalisierung besonders in solchen Bereichen eingesetzt werden, in denen bereits viel Personal abgebaut wurde – zum Beispiel bei Stahlunternehmen. „Die Beschäftigten werden immer weiter ausgepresst“, sagte die Wissenschaftlerin. „Die Arbeitszeit wird verdichtet, Zeitdruck und Stress werden größer.“

Zudem gebe es in Betrieben, auch befeuert durch die wachsende Digitalisierung, keine definierten Leistungsgrenzen mehr. „Dieses Thema wird von den Betrieben tot geschwiegen“, sagte Gerlmaier. „Dabei sind Menschen keine Maschinen und haben deshalb Grenzen.“ Wolfgang Schmitz als Geschäftsführer des Unternehmerverbandes erklärte daraufhin, dass die Arbeitgeber für dieses Thema sensibilisiert seien. Dennoch müsse letztlich jeder Betrieb seine eigenen Erfahrungen machen.

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