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Duisburg: Direktor vom Schifffahrtsmuseum im Interview

Interview mit Bernhard Weber : Wind vom Steuerbord im Haus

Bernhard Weber, der Direktor des Binnenschifffahrtsmuseums, erklärt unter anderem, weshalb ein Segelschiff dort leicht schräg gestellt ist. 

In Ihrem Museum geht es um die Technik-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Binnenschifffahrt. Wie kann ein Museum das sichtbar machen?

Bernhard Weber: Wir zeigen eine ganze Menge Schiffe, etliche im Original. Das sind nicht nur die Außen-Exponate im Hafenmund, sondern auch der Bilgen-Entöler im Innenhof des Museums und drinnen der holländischen Segler sowie kleinere Bötchen. In Originalgröße bieten wir auch Maschinen, Gerätschaften, Werkzeuge und Kleidungsstücke. Dazu kommen über hundert Schiffsmodelle. Es geht also darum, möglichst viele dreidimensionale Objekte zu zeigen. Davon ist die überwiegende Zahl unbeweglich, was für ein Museum, das mit Bewegung zu tun hat, nicht ideal ist. Hier haben die Gestalter der Ausstellung übrigens zu einem netten Trick gegriffen. In der großen Halle ist das Segelschiff leicht schräg gestellt. Es sieht so aus, als würde der Wind von Steuerbord das Schiff antreiben. Im selben Winkel wurden die großen Säulen, die mit Nummern die Ausstellung strukturieren, schräg gesetzt. Mal nach rechts, mal nach links gestellt, suggerieren sie Bewegung im Wasser. Das Motto lautet also: Möglichst viel Dreidimensionales und Bewegtes. „Flachware“ wie Abbildungen, Texte, Dokumente usw. sollten eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Museum ist ja kein begehbares Buch. Seit diesem Jahr erschließen wir die einzelnen Themen auch durch eine Smartphone-Führung. Sie bietet über WLAN-Router auf das selbst mitgebrachte Gerät viele zusätzliche Informationen als Wortbeiträge, Bilder und Filme.

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Haben Sie besondere Zielgruppen?

Weber: Natürlich wollen wir möglichst alle Menschen hierher locken, aber es schälen sich zwei große, durchaus unterschiedliche Gruppen heraus. Zum einen sind es Kinder und Jugendliche aus Duisburg, zum anderen Touristen von nah und fern. Duisburger Kindergartengruppen und Schulklassen zahlen bei uns keinen Eintritt. Wir haben ja auch einen Bildungsauftrag und sind für gewisse Altersstufen auch außerschulischer Lernort. Die Kinder sollen begreifen, wie sehr die Identität Duisburgs durch die Lage an Rhein und Ruhr, durch Hafen und Logistik geprägt ist. Außerdem wollen wir ihnen eine Zukunft in der Logistik schmackhaft machen. Der Hafen ist ja auch in 20 Jahren dankbar für guten Nachwuchs. Bei den Erwachsenen haben wir in den „hellen“ Monaten von Mai bis Oktober mehr auswärtige als einheimische Gäste. Nur in den „dunklen“ Monaten kommen etwas mehr aus Duisburg. Um auch fremdsprachige Besucher ausreichend gut zu informieren, haben wir die erwähnte Smartphone-Führung auch in Englisch, Französisch und Niederländisch angelegt. Allerdings bieten auch unsere Gästeführer Führungen in diesen Fremdsprachen an.

Wie wichtig sind Sonderausstellungen für Ihr Museum?

Weber: Sonderausstellungen sorgen für frischen Wind im Museum. Da kommen Journalisten ins Haus, berichten darüber und sorgen so für Aufmerksamkeit in der Stadt und darüber hinaus. Auch bieten Sonderausstellungen die Chance, mal neue Akzente im Haus zu setzen. Nicht zuletzt kommen bei Sonderausstellungen Technik und Kunst gerne zusammen.

Welche war die erfolgreichste?

Weber: Mit großem Abstand die Flaschenpost-Schau. Darüber haben alle Medien, auch Sie, groß berichtet. Wir hatten Tausende Besucher, die eigens für diese Ausstellung in unser Museum gekommen sind.

Welche Wünsche sind noch offen?

Weber: Dass die Kreuzfahrer, die am Ruhrorter Steiger anlegen, endlich unser Museum entdecken, wäre so ein Wunsch. Ein anderer, viel dringlicher noch, bezieht sich auf unser Museumsrestaurant „Schiffchen“. Hier tut sich zurzeit was. Ich wünsche mir, dass das städtische Immobilien-Management bei der Suche nach einem Pächter Erfolg hat. Mein größter Wunsch bezieht sich aber auf die personelle Situation. Im nächsten Jahr gehen eine Kollegin und ich in Ruhestand. Ich wünsche mir sehr, dass beide Stellen möglichst nahtlos fortgeführt werden. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass die erfolgreiche Arbeit dieses kleinen aber hervorragenden Teams nicht fortgesetzt werden kann. Ein Rückschritt im Binnenschifffahrtsmuseum wäre ein großer Verlust für Duisburg.