Duisburg: Digitaler Klingelbeutel per Kreditkarte in der Salvatorkirche

Pilotprojekt in NRW : In Duisburg wird die Kirchenkollekte jetzt per Kreditkarte eingesammelt

Spenden per EC-Karte - Duisburger Kirche testet digitale Kollekte

In der Duisburger Salvatorkirche wird am Sonntag zum ersten Mal ein mobiler „digitaler Klingelbeutel“ eingesetzt. Damit kann man per Kreditkarte schnell Beträge von zwei bis maximal 25 Euro spenden. Das Pilotprojekt soll Schule machen.

In Skandinavien ist das Zahlen per Kreditkarte die Regel, mitunter ist in Geschäften nur noch der bargeldlose Zahlungsverkehr üblich. Auch hierzulande bezahlen viele Menschen mit ihrer Kreditkarte. „Warum soll das in der Kirche anders sein?“, meinte gestern, kaum noch als Frage formuliert, Pfarrer Martin Winterberg von der Salvatorkirche. Dort wird im Sonntagsgottesdienst um 10 Uhr der mobile „digitale Klingelbeutel“ eingeführt. Diese neue Möglichkeit, in einer Kirche seine Spende bargeldlos zu übermitteln, ist ein Pilotprojekt, das vermutlich Schule machen wird. Das Medieninteresse war jedenfalls riesig, als am Donnerstag die Bank für Kirche und Diakonie diese neue Form der Kirchenkollekte präsentierte.

In der Salvatorkirche gibt es ab sofort zwei Geräte, um bequem und ohne Bargeld schnell per Bank- oder Kreditkarte zu spenden. Das stationäre Spendenterminal wurde am Kirchenportal bereits Weihnachten fest installiert. Hier werden Spenden speziell für die Sanierung des maroden Kirchturms gesammelt. Ein Schreiben am Kartenterminal weist darauf hin. Bislang sind dort 104 Euro verbucht worden, berichtete Pfarrer Winterberg beim Pressegespräch.

Der mobile digitale Kollektenkorb wird erstmals am Sonntag nach dem Gottesdienst eingesetzt. Er kann auch herumgereicht werden. Foto: Andreas Probst

Das zweite Gerät ist der mobile digitale Kollektenkorb, der erstmals am Sonntag nach dem Gottesdienst eingesetzt wird. Der Korb kann herumgereicht werden. Er ist so konstruiert, dass man, wie bislang auch, Bargeld in ihn einwerfen kann, zum anderen kann man aber auch über ein Display per Kreditkarte seine Spende geben. Beide Geräte funktionieren gleich: Auf dem Display tippt der Spender auf die gestaffelte Eurozahl. Zur Auswahl stehen 2, 5, 10, 15 und maximal 25 Euro. Anschließend muss man nur noch seine Kreditkarte über das Leseteil oberhalb eines grünen Pfeils halten. Ein optisches Signal zeigt an, dass die Abbuchung erfolgt ist. Das Ganze dauert nur drei bis fünf Sekunden. Die neue NFC-Technologie macht diese schnelle Bearbeitungszeit möglich. Diese Nahfeldkommunikation mit dem Wellensymbol kennen viele schon vom Einkaufen, wo bis zu 25 Euro auch ohne PIN-Eingabe bezahlt werden können. „Genauso funktionieren die Geräte in der Kirche“, sagte am Donnerstag Eckhard Wilms, Experte für Zahlungsverkehr bei der KD-Bank und Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Duisburg.

Das stationäre Spendenterminal ist bereits in Betrieb. Hier werden Spenden speziell für die Sanierung des maroden Kirchturms gesammelt. Foto: Andreas Probst

Die Duisburger Salvatorkirche ist die erste Kirche in Deutschland, in der diese neue digitale Spendenmöglichkeit mit der NFC-Technik eingeführt wird. Im Gegensatz zu den „elektronischen Opferstöcken“, die bislang in einigen großen Kirchen eingesetzt waren und die sich nach Auskunft der Banker nicht bewährt hätten, seien die neuen digitalen Möglichkeiten viel anwendungsfreundlicher. Bei den alten Geräten verlief die Prozedur in fünf Schritten: 1. Betrag eingeben, 2. Karte einstecken, 3. PIN eingeben. 4. Karte entnehmen. 5. Quittung abreißen. Mit der neuen Technik gibt es nur noch zwei Schritte: Betrag auswählen und Karte an Leser halten.

Die Kosten für die Produktion eines solchen „digitalen Klingelbeutels“ liegen bei 2000 Euro; werden viele solcher elektronischen Kollektenbehälter produziert, senken sich die Produktionskosten auf geschätzte 1000 Euro. Die Salvatorkirche bekam ihren „digitalen Klingelbeutel“ indes kostenlos, da sie als Pilotkirche fürs bargeldlose Spendensammeln gilt. Nach einem Jahr soll die Auswertung des Pilotprojekts erfolgen.

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