Duisburg: Die Sendung mit der Maus beim Bestatter

Zum Thema Sterben: Mit der Maus beim Bestatter

Beim „Türöffner-Tag“, initiiert von der WDR-Sendung mit der Maus, sprach Bestatter Stefan Menge mit Kindern über das Sterben.

„So sieht ein Sarg von innen aus“, erklärte Stefan Menge den Kids, die sich auf den Rundgang durch die Geschäftsräume seines Bergheimer Bestattungsunternehmens gemacht hatten. Möglich gemacht hatte die eher ungewöhnliche Besichtigungstour die bei Kindern und Erwachsenen gleichsam beliebte Maus aus dem WDR-Fernsehen. Am Tag der Deutschen Einheit fand zum siebten Mal der „Maus-Türöffner-Tag“ statt.

An diesem Tag öffnen sich für interessierte Kinder Türen, die normalerweise verschlossen bleiben. Das geschieht bundesweit, vor einem Jahr gab es insgesamt rund 700 Veranstaltungen in 450 Städten und Gemeinden. Die Palette der Unternehmen und Institutionen, die ihre Türen öffnen, ist dabei breit gestreut. „Sachgeschichten“ können die Kinder in Werkstätten, Forschungslaboren, Fußballvereinen, Theatern und natürlich beim WDR selbst live miterleben.

Bestatter Stefan Menge hat nicht lange gezögert, um in diesem Jahr erstmals an dem Maus-Aktionstag teilzunehmen. Der Rheinhauser findet, dass man den Kindern das Thema schon näherbringen kann. Die Resonanz – rund 30 Kids waren angemeldet – zeigte, dass Menge mit seiner Auffassung nicht falsch lag. „Sterben gehört einfach zum Leben dazu, das sollte kein Tabu sein“, erläuterte er. „Die Kinder erleben das ja auch in ihren Familien.“

Dominik schaute sich die ausgestellten Särge interessiert an. „Den roten finde ich total witzig“, stellte er fest. Das knallrote, ellipsenförmige Modell hatte auch eher den Charakter eines schnittigen Flugobjekts und fiel schon ziemlich ins Auge. Stefan Menge zeigte auch die Bekleidung, in der man beerdigt werden kann, stellte aber direkt klar: „Das geht aber auch im Trainingsanzug mit Schalke-Emblem.“ Der Unternehmer erklärte seinen aufmerksamen, jungen Zuhörern auch historische Hintergründe: „Das ist hier ein Familienunternehmen. Mein Opa ist Schreiner gewesen, Schreiner haben früher die Särge gemacht.“ Der Bestatter ergänzte, dass sein Urgroßvater Stellmacher war und neben Wagenrädern aus Holz auch Särge angefertigt hat. „Bestatter waren früher die Nachbarn“, erklärte Menge seinen staunenden Besuchern, die Zeiten seien aber lange vorbei, denn „heute bekommen die das zumeist gar nicht mehr mit, wenn in der Nachbarschaft jemand gestorben ist.“

  • Aktion : Die Maus zu Besuch beim Bestatter

Interessant war auch das hauseigene Kolumbarium. Dabei handelt es sich um einen Urnenfriedhof in den Räumen des Unternehmens. Die Räume sind immer zugänglich und Kerzen, Blümchen und Andenken an den „Grabfächern“ zeugten von einem regen Besuch. Jessica Kirstein war mit ihrem Sohn Fabiano auch beim Maus-Tag dabei. Die Urne von Fabianos Oma steht in dem Kolumbarium des Bestattungsunternehmens. Klar, dass er seiner verstorbenen Oma den gerade gebastelten Maus-Sticker ans Urnengrab stellte.

Susanne Berhorst war mit Tochter Emma (7) gekommen. Für die Familie war das Thema gerade aktuell, denn Emmas Uroma ist vor drei Wochen verstorben. „Das hat Stefan Menge heute sehr gut gemacht, der Termin war gerade für Emma sehr wichtig. Bei Trauerfällen in der Familie darf man die Kinder nicht aus den Augen verlieren“, zeigte sich die Moerser Grundschullehrerin vom „Türöffner-Tag“ im Bestattungshaus angetan.

Dominik bastelte derweil an seinem Schutzengel. Die Sendung mit der Maus hat ihm auch sonst schon viel gebracht: „Ich habe gelernt, wie man Eis am Stiel macht.“

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