Duisburg: Die Seekarte von Mercator und die Satelliten-Technik

Duisburger Geschichte und Geschichten : Auf geradem Kurs durch die Weltmeere

„Wachsende Breitengrade“: Gerhard Mercators geniale Arbeit wird heute mit Satelliten fortgesetzt.

Im Internet  wächst die Gemeinde der sogenannten Flat Earther, die fest davon überzeugt sind, dass die Erde keine Kugel, sondern eine Scheibe sei. Was auf den ersten Blick vielleicht noch belustigend erscheint, verursacht spätestens bei erneutem Hinsehen mindestens Kopfschütteln, wenn nicht Kopfschmerz. „Fake science“ statt seriöse Wissenschaft.  Die Kugelform der Erde war den griechischen Gelehrten der Antike bereits bekannt. Mit der Entdeckung Amerikas wurde die Kartographie immer präziser. Aber erst Gerhard Mercator gelang es vor 450 Jahren, die Oberfläche der Erde auf ein ebenes Blatt Papier zu übertragen. Ihm war dabei klar, dass nicht alle Eigenschaften der Kugelform übertragen werden konnten. Man ist immer an mindestens einer Stelle zum Kompromiss gezwungen. Bei der Länderfläche, der Form, der Entfernung oder dem Winkel zur Kursbestimmung. Der Kartenzweck bestimmt somit die Wahl der Projektion.

Für die Seefahrt war es wichtig, wie die Kompasskurse, die zum Zielort führen sollten, zum gewählten Raster der Längen- und Breiten liegen. Nur damit ließ sich der Schiffskurs auch über längere Strecken als gerade Linie darstellen. Mit der winkeltreuen Kartenprojektion gelang dies Gerhard Mercator vor 450 Jahren. Mit den Worten „ad usum navigantium“ (zum Nutzen der Seefahrt) macht Mercator deutlich, welches Anliegen er mit seinem Werk am stärksten verfolgte: die Verbesserung der Orientierung auf dem weiten Meer. Die 1569 in Duisburg entstandene Weltkarte hatte großen Einfluss auf das Weltbild der damaligen Zeit und beflügelten Entdecker, weitere Seereisen in unbekannte Regionen der Erde zu unternehmen. Die neue Karte wurde schon zu Mercators Lebzeiten von einigen Kapitänen – wie Martin Frobisher – auf ihren Entdeckungsreisen benutzt.

Aus heutiger Sicht beeindruckt die Mercatorkarte wegen ihrer Ähnlichkeit mit modernen Kartenbildern; sieht man von den absonderlichen Abweichungen insbesondere im Polbereich und den fiktiven Südkontinent „Terra australis“ einmal ab. Gegenüber den kruden „Flat Earthern“ im Internetzeitalter wirkt Gerhard Mercators Weltkarte visionär.  Man muss sich vor Augen führen, dass er sich auf höchst unsichere Datenquellen, Mythen und Reiseberichte bei seinen Karteninhalten stützen musste, aber mit einem kurzen Legendentext fasste der große Geograph seine bahnbrechende Mercatorprojektion in einem Satz zusammen: „Wir haben die Breitengrade nach den Polen zu allmählich in demselben Verhältnis vergrößert, wie die Parallelkreise in ihrem Verhältnis zum Äquator zunehmen.“

Soweit der Rückblick auf das 450. Jubiläum der berühmten Mercatorprojektion. Aber ist die Vermessung unserer Erde mit den modernen High-tech-Instrumenten nicht längst abgeschlossen? Ganz und gar nicht. Damals wie heute gilt: Wissen ist Macht. Wer exakte Daten über die Erde besitzt, hat einen großen Vorteil. Das internationale Konsortium „Airbus Defence and Space“ ist mit seinem Tandem-X-Project zum Beispiel bestrebt, eine dreidimensionale Karte der Erdoberfläche zu erstellen. Möglich ist das dank der Radarwellen zweier Erdbeobachtungssatelliten. Der deutsche Radarsatellit vermisst  mit Hilfe zweier weiterer Satelliten die Erdoberfläche mit einer Genauigkeit der Höhen von einem Meter. An den Datensätzen sind Flughafenplaner, Verkehrsplaner, Vermessungsämter und das Verteidigungsministerium höchst interessiert. Die kommerzielle Verwertung der Daten und die militärische Nutzung ist nicht ohne Brisanz. Im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt steht dagegen die Datenanalyse der Veränderungen von Gletschern, Waldgebieten und Vulkanen im Mittelpunkt. Die Wissenschaftler ziehen daraus Rückschlüsse, wie sich der Planet verändert – oftmals verursacht durch den Menschen.

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