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Duisburg: Die Horrorhäuser von Kaldenhausen sind bald Geschichte

Abriss startet Mitte August : Die Horrorhäuser von Kaldenhausen sind bald Geschichte

29 Jahre lang vegetierten die Häuser an der Ulmenstraße vor sich hin. Nun werden sie abgerissen. Unter den Anwohnern gibt es aber auch kritische Töne.

Die Freude über den geplanten Abriss der Ruinen an der Kaldenhausener Ulmenstraße ist groß: 29 Jahre lang standen sie leer und wurden für viele Anwohner zum Schandfleck der Siedlung. Jetzt lud der neue Eigentümer des Grundstücks, die Steinbau Bauträger GmbH, sie zu einem Infotreffen neben den Häusern ein. Etwa 150 Menschen kamen.

Ab dem 9. August soll ein 280 Meter langer Bauzaun aufgestellt werden. Er schließt auch die Parkflächen vor dem Grundstück ein. Ab der zweiten oder dritten Augustwoche soll die Fläche gerodet und vom Müll befreit werden. „Alles soll schön sauber sein, auch wenn dann erstmal nichts passieren wird, bis die Baugenehmigung erteilt wird“, sagt Steinbau-Geschäftsführer Arne Thomsen. Erst dann könne das Gebäude abgerissen werden. „Das kann bis zu einem Jahr dauern. Wir haben hier in Duisburg aber eine mächtige Politik, die sich dafür einsetzt, dass es jetzt schnell geht“, sagt er. Auf dem Gelände der alten Häuser und der ehemaligen Fröbelschule, die ebenfalls abgerissen werden soll, entstehen dann drei dreigeschossige Häuser mit je neun Wohnungen und zwei zweigeschossige Häuser mit je acht Wohnungen. Diese werden zwischen 80 und 110 Quadratmetern Wohnfläche haben. Der Kaufpreis liegt bei 250.000 bis 300.000 Euro.

Wie die meisten Kaldenhausener freut sich Helmut Küpper, dass es nun bald losgeht: „Wir wohnen seit 48 Jahren hier, zur gleichen Zeit, als auch die Schule gebaut wurde. Wir konnten den Prozess beobachten, wie sie langsam aber sicher verrottete“, sagt er. „Ich bin sehr dankbar, dass da jetzt was passiert. Die Polizei war öfter da, weil es Probleme an den Ruinen gab. Von der Müllkippe ganz zu schweigen“, so Küpper.

Doch nicht alle Anwohner teilen die Freude über den geplanten Abriss. Die Familien Schmitz und Bruckhaus fürchten um die Vegetation entlang ihrer Grundstücke. Sie wohnen an der Ringstraße, gleich hinter den Ruinen und neben der alten Fröbelschule. Die Hecke ist im Laufe der Jahrzehnte mehrere Meter hoch gewachsen, beinahe dreimal so hoch wie der Zaun an der Grundstücksgrenze. „Wenn das alles wegkommt, haben die Gärten keinen Sichtschutz mehr“, sagen Burkhard und Sabine Bruckhaus. „Die Bäume sind über Jahrzehnte gewachsen, das finden wir so schnell nicht mehr. Bei einem dreigeschossigen Haus können die Bewohner uns außerdem auf den Wohnzimmertisch gucken“, ergänzt Nachbar Frank Schmitz. „Natürlich ist keiner von uns gegen den Abriss, aber warum können die nicht um die Vegetation herumbauen?“

Die Familien schätzen den Wildwuchs vor den Häusern. „Das ist inzwischen ein dichter Wald, in dem viele Tiere leben. Wir sehen ständig Eichhörnchen und Sperber in unseren Gärten. Die müssen alle weg oder sterben bei den Rodungsarbeiten“, meint Tochter Lucy Bruckhaus. Arne Thomsen versprach zwar ein Artenschutzgutachten – aber nach der Rodung, vor dem Abriss der Ruinen. Birgit Ache vom Duisburger Steinbau-Büro beruhigt: „Da kommt ja kein Bagger und walzt alles nieder. Zwei Mitarbeiter werden die Bäume und Sträucher behutsam entfernen und wenn da gerade ein Tier drin sitzt, werden sie den Baum auch zunächst stehen lassen. Wir sind doch alle Tierliebhaber. Rund um die Neubauten werden auch wieder viele Bäume gepflanzt.“

(MF)