Duisburg: DHL beschäftigt 158 Flüchtlinge in der Stadt

Beispiel für Integration : DHL beschäftigt 158 Flüchtlinge in Duisburg

Alan Mikari und Hesham Alnajar arbeiten als Paketboten bei der DHL in Duisburg. Beide sind aus Syrien geflüchtet und mittlerweile im Ruhrgebiet bestens integriert.

So eine Schicht als Paketbote kann ganz schön anstrengend sein: Etwa 20.000 Schritte und zwölf Kilometer ist Alan Mikari am Vortag gelaufen, als er 210 verschiedene Päckchen addiert 66 Stockwerke hochtragen und abliefern musste. Das verrät ihm eine App auf seinem Smartphone. Doch ein Wort der Klage über diese Belastung würde dem 35-Jährigen nie über die Lippen kommen. Vor dreieinhalb Jahren ist der Syrer aus Abu Dhabi geflüchtet. Ihm drohte, dass er zum Militärdienst in sein vom Bürgerkrieg geplagtes Heimatland abgeschoben wird. So machte er sich 2014 auf den Weg nach Deutschland. Und ist heute einer von 158 Geflüchteten, die allein in Duisburg für die Deutsche Post DHL Group arbeiten.

Mikari lebt heute mit Frau und seinem zweijährigen Sohn in Dinslaken. In seiner alten Heimat hatte er sich beruflich auf Informatik und den Krankenversicherungs-Sektor spezialisiert. Ausbildungen, die in Deutschland keine Anerkennung fanden. Doch statt zu hadern, suchte er nach seiner Anerkennung als Asylbewerber eine Job-Alternative – und wurde bei der DHL fündig. Nach einem Praktikum merkten beide Seiten recht schnell, das sie zueinander passen. Jetzt ist Mikari täglich im Bereich Duissern als Paketbote unterwegs.

„Die Kollegen sind nett. Man hilft sich untereinander viel. Das ist gut“, erzählt der Syrer. Natürlich hatte er zunächst gehofft, eine Anstellung in einer seiner alten Branchen zu finden. „Ich habe damals 130 Bewerbungen geschrieben – alles negativ“, erinnert sich Mikari. Nun also Paketbote. „Hauptsache, ich kann arbeiten“, sagt er.

Eine Haltung, die Mikari mit seinem Landsmann Hesham Alnajar teilt. Der 28-Jährige lebte im syrischen Homs, das im nach wie vor andauernden Krieg zu den am schlimmsten zerstörten Städten zählt. 2015 hatte sich Alnajar allein auf den Weg in Richtung Europa gemacht. Seine Flucht führte ihn über den Libanon, die Türkei und Griechenland weiter über die Balkanroute nach Ungarn bis nach Deutschland. In Syrien war er gerade dabei, ein Wirtschafts-Studium zu absolvieren, als er flüchten musste. Nebenher hatte sich Alnajar stets als Krankenwagen-Fahrer engagiert: „Ich fahre nun mal sehr gern.“ Das kommt ihm in seinem neuen Beruf zugute.

Der Kontakt zur DHL kam über den Bildungsträger „Simply Learn“ mit Sitz in Oberhausen zustande. Dort werden Flüchtlinge nicht nur in der deutschen Sprache geschult, sie werden auch für mögliche spätere Jobs qualifiziert. Das kann ein Autoführerschein oder die Gabelstaplerprüfung sein. Hinzu kommen Praktika, um in das ein oder andere Berufsfeld hineinzuschnuppern.

„Die Sprachbarriere zu überwinden, ist zunächst das Allerwichtigste“, weiß Thomas Bluhmki (56). Er ist Produktionsleiter und Prokurist bei der DHL und in dieser Funktion quasi Chef aller Paketboten in der Region – also auch von Mikari und Alnajar. Genau wie den anderen Geflüchteten, die in seiner Firma untergekommen sind, spricht Bluhmki auch diesem Duo ein großes Lob aus: „Das sind zuverlässige, fleißige Mitarbeiter und sehr dankbare Menschen, die ich in meinem Team nicht mehr missen möchte“, so Bluhmki.

Er und seine Mitstreiter haben inzwischen ein gutes Auge entwickelt, wer von den Praktikanten das Zeug dazu hat, zu bleiben: „Nach acht Wochen wissen wir, ob es einer packt.“ So wie es Mikari und Alnajar es einst schafften.

Die Deutsche Post DHL Group engagiert sich seit September 2015 in Deutschland in der Flüchtlingshilfe mit dem Ziel, Geflüchteten eine berufliche Perspektive zu geben und ihnen die Integration zu erleichtern. Das Engagement von über 16 000 Mitarbeitern des Konzerns zahlt sich aus. Aktuell beschäftigt die DHL Group 1702 Geflüchtete aus den Ländern Syrien, Eritrea, Somalia, Iran, Irak. In Duisburg sind es 158.

(RPN)
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