Duisburg: Deutsche Oper am Rhein zeigt Götterdämmerung

Oper Götterdämmerung : Glänzendes Endspiel auf dem Rhein

Die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg übernahm ihre neue Produktion von Richard Wagners Musikdrama "Götterdämmerung" jetzt auch szenisch in ihr Duisburger Haus.

Der "Ring" ist vollendet. Im April konnte die Duisburger Übernahmepremiere von Richard Wagners Musikdrama "Götterdämmerung", das ist der vierte und letzte Teil sowie dritte Abend des Bühnenfestspiels "Der Ring des Nibelungen", wegen des immensen Wasserschadens im Theater "nur" konzertant in der Philharmonie Mercatorhalle ablaufen (die RP berichtete). Jetzt waren alle vier Teile der neuen Inszenierung von Dietrich Hilsdorf auch in Duisburg zu erleben, im Rahmen einer Aufführung des gesamten Zyklus' gab es zuletzt die faktische szenische Übernahmepremiere der "Götterdämmerung".

Kurz zur Handlung: Im Zwang einer verkommenen Welt weben die Nornen ihre Schicksalsfäden. Alle Fäden haben sich zu einer Art gordischen Knoten verfangen, einem Geflecht aus Macht, Gier, Schuld und Verbrechen. Die Götter sind machtlos geworden, aber Alberich ist noch präsent: Er flüstert seinem Sohn Hagen ein, Siegfried zu töten und den fatalen Ring zurückzugewinnen. Mit Hilfe seiner Halbgeschwister Gunther und Gutrune gelingt es Hagen, Siegfrieds Vertrauen zu gewinnen, um ihn danach bei einem vorgetäuschten Jagdunfall zu ermorden. Dass Siegfried so verführbar ist, zeigt noch einmal die verheerende Wirkung des Nibelungenrings. Erst als Brünnhilde den Rheintöchtern den Ring zurückgibt, scheint der Fluch gebrochen. Was folgt, ist eben die "Götterdämmerung", der Untergang der alten Welt, die enden muss, damit an ihrer Stelle Neues entstehen kann.

Das monumentale Werk über den Zerfall einer politischen und wirtschaftlichen Ordnung war schon im 19. Jahrhundert immer auf die jeweilige Gegenwart bezogen, jede Generation darf und muss ihre eigenen gesellschaftlichen Fragen daran stellen. Dietrich Hilsdorf sieht die "Götterdämmerung" als "Endspiel auf dem Rhein", tatsächlich sehen wir weitgehend eine Schifffahrt auf dem rostigen Seelenverkäufer "MS Wodan", auch bei einigen der Szenen, die am Giebichungenhof spielen, sogar an eine grüne Positionslampe links und eine rote rechts am Bühnenportal wurde gedacht. Die Inszenierung zeigt viel Einsicht und auch Humor, gleich im Vorspiel die Nornen als Kaffeetanten. Etwas um die Ecke gedacht erscheint es, wenn das Volk im zweiten Akt als Karnevalisten auftritt - das geht zurück auf der Legende, der Karneval im Rheinland sei entstanden, als die über den Rhein fliehenden Soldaten Napoleons ihre Uniformen zurückließen und die Leute sich darüber lustig machten. Umso schlagender wirkt dann jener Effekt im dritten Akt, wenn der tote Siegfried unter diversen Fahnen aus der deutschen Geschichte begraben wird, einschließlich Hakenkreuz und DDR.

Gesungen wurde an diesem Abend überwiegend vorzüglich, von Corby Welch als Siegfried bis zu Anna Harvey als dritte Rheintochter Floßhilde. Gleichfalls sein szenisches Rollendebüt feierte Sami Luttinen als schlau-dämonischer Hagen, das ist einer der finstersten Schurken der Operngeschichte. Genannt werden muss noch Linda Watson als kraftvolle Brünnhilde, diese Rolle verkörperte sie von 2006 bis 2010 bei den Bayreuther Festspielen. Dass hier auch der von Gerhard Michalski glänzend vorbereitete Chor und Extrachor der Rheinoper erwähnt werden kann, liegt daran, dass Wagner in der "Götterdämmerung" neben der riesenhaften Orchesterbesetzung erstmals wieder einen Chor dazunahm. den er zuvor in seiner ästhetischen Entwicklung verworfen hatte. GMD Axel Kober ließ auch die Duisburger Philharmoniker zu großer Form auflaufen, eher elegant als blechwuchtig, mit vielen feinen Momenten vor allem in den Holzbläsern und Hörnern.           

Linda Watson (links) ist in der Rolle der Brünnhilde zu sehen. Sarah Ferede spielt Waltraute. Foto: Hansjörg Michel

Die Vorstellung dauerte fast fünfeinhalb Stunden, einschließlich zwei etwa halbstündigen Pausen. Hernach war der Jubel des zahlreichen und festlich gestimmten Publikums einhellig und gewaltig. Im April 2020 kommt dieser "Ring"-Zyklus noch einmal in Düsseldorf, in der nächsten Spielzeit 2020/21 sicherlich auch wieder in Duisburg.

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