Duisburger Geschichten und Geschichte Der Waschsalon als Begegnungsort feiert 90. Geburtstag

Serie | Duisburg · Der Waschsalon feiert 2024 sein 90-jähriges Bestehen. Fast jeder Duisburger besitzt heute eine Waschmaschine. Doch der SB-Waschsalon ist kein Auslaufmodell. Seine Nutzerschar ist bunt gemischt.

 Der SB-Waschsalon ist heutzutage noch kein Auslaufmodell.

Der SB-Waschsalon ist heutzutage noch kein Auslaufmodell.

Foto: Berns, Lothar (lber)

Der Waschsalon feiert sein 90-jähriges Bestehen. Der erste Waschsalon soll in den USA am 18. April 1934 seine Türen und Trommeln geöffnet haben. In Fort Worth in Texas soll es gewesen sein, wobei es historische Quellen gibt, die Chicago nennen.

Lange Zeit waren diese Läden in Städten der westlichen Welt allgegenwärtig. 1934 konnte man in den USA Waschmaschinen stundenweise mieten. Die innovative Branche der Waschsalons entpuppte sich nebenbei als Geburtshelfer der kriminellen Geldwäsche. Al Capone war einer der ersten, der in seinem Waschsalon nicht nur Wäsche, sondern auch Geld wusch.

In Deutschland staunte man nach der Währungsreform über den ersten Waschsalon. „Der Waschtag wird zur knappen Wachstunde“, schrieb die Presse zur Eröffnung am 21. Februar 1950 in München. Auch in Duisburg wurden die „Launderette“ in den Wirtschaftswunderjahren schnell populär. Im Duisburger-Adressbuch von 1956 tauchen neben den Wäschereien zunehmend SB-Waschsalons auf.

Und wie nicht anders zu erwarten, nutzten Werbung, Film und Musik den Waschsalon, um Geschichten zwischen den Wäschetrommeln zu inszenieren. Im Werbespot „Laundrette“ zieht sich ein Schauspieler bis auf die Boxershorts aus und wartet darauf, dass seine Levis-Jeans gewaschen werden. Ein echter Werbeklassiker aus dem Jahr 1985.

Song der Kölner Band BAP über den Waschsalon

Viele Duisburger denken beim Stichwort Waschsalon bestimmt auch an die Kölner Band BAP mit dem Sänger Wolfgang Niedecken. Der Songtext aus dem Jahr 1981 ist eine Hommage an eine Frau, die dem Mann beim Wäschewaschen nicht nur überlegen ist, sondern ihn auch fasziniert.

Er geht mit ihr in den Waschsalon, weil sie die Technik beherrscht und er nicht. Mühelos bedient sie den Münzautomaten und die Maschinen und beeindruckt ihren Begleiter mit ihrer souveränen Ausstrahlung. Der Songtext beschreibt auch die praktischen Aspekte des Waschens, wie das Einlegen der Wäsche und die Zugabe des Waschmittels. Als der Protagonist den Wäschetrockner in Aktion sieht, ist er erstaunt und begeistert zugleich. Selbst die Bügelpresse verspricht, die Wäsche bügelfrei zu machen, was er kaum glauben kann. Ein inspirierender Text mit einem Hauch Romantik, der nicht nur bei weiblichen BAP-Fans gut ankommt.

Zahl der Waschsalons rückläufig

Doch die Zahl der Waschsalons ist seit Jahrzehnten rückläufig. Nostalgie macht sich breit. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass man mit wildfremden Menschen ins Gespräch kommt, während andere wartend lesen, auf ihr Handy starren oder sich einfach nur aufwärmen wollen.

Rike Grammes (35) erzählt, dass sie große Wäschestücke wie Bettwäsche oder Decken waschen muss und deshalb in den Waschsalon geht. Andere sagen, dass ihre Waschmaschine kaputt ist, wieder andere, dass sie ihre schmutzige Wäsche zu Hause waschen und nur im Waschsalon trocknen, weil sie zu Hause keine Möglichkeit zum Trocknen haben.

Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Menschen, aber oft sind es Studenten, Singles, Fernfahrer, Binnenschiffer und Durchreisende, die eine schnelle und unentbehrliche Möglichkeit suchen, ihre Wäsche zu waschen. Die Befragten sind sich einig: Der Waschsalon ist kein Auslaufmodell.

In der Regel liegt der untere Preis in einem Münzwaschsalon bei 4 Euro pro Waschgang plus Waschmittel 0,50 Euro. Die Benutzung des Trockners kostet 1,50 Euro. Die Wäsche ist innerhalb von 30 bis 45 Minuten gewaschen und getrocknet. Man findet einen SB-Waschsalon online mit der Suche „Waschsalon Selbstbedienung Duisburg“. In Kaßlerfeld gibt es sogar auf dem Kauflandgelände eine 24-Stunden-Outdoor-Waschstation von Washme.

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