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Duisburg: Der Rat hält an "The Curve" fest

Innenhafen : Fatale Fehler kosten nun Millionen

Die „Kurve“ soll kommen. In nichtöffentlicher Sitzung hat der Rat mehr als 1,8 Millionen Euro zusätzlich für die Verbesserung der Bodenbeschaffenheit bewilligt. Andree Haack wird zweiter Chef der Wirtschaftsförderung.

Das Riesenprojekt „The Curve“ soll auf jeden Fall realisiert werden. Zwar nicht um jeden Preis, aber doch zu einem für die Stadt deutlich höheren Preis als ursprünglich gedacht. Das liegt an gleich mehreren Problemen. Das größte Hindernis: Der Baugrund ist für eine so große Immobilie nicht tragfähig genug. Während es sonst in derartigen Fällen üblich ist, ein Kies-Sand-Gemisch zu verwenden, wurde vor zehn Jahren der Baugrund mit sogenannten „Waschbergen“ verfüllt, einem Abfallprodukt aus dem Steinkohlebergbau. Das war deutlich günstiger als konventioneller Baugrund, rächt sich aber nun gleich doppelt. Zum einen fehlt es an der Tragfähigkeit, zum andern erschwert es noch notwendige Kampfmittelsondierungen. Offensichtlich enthält das verfüllte Material Eisenerze oder eisenhaltige Ablagerungen – und die behindern eine ordnungsgemäße Ortung etwaiger Bomben-Blindgänger.

Hinzu kommt, dass ohne die Sondierung Maßnahmen zur Bodenverbesserung nicht vorgenommen werden können. Mit 3700 sogenannten „Rüttelstopfsäulen“ könnte der Boden am Innenhafen so verdichtet werden, dass ein Projekt wie „The Curve“ gebaut werden kann. Diese Rüttelstopfsäulen können aber erst zum Einsatz kommen, wenn zuvor eine Kampfmittelsondierung stattgefunden hat.

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Noch nicht geklärt ist abschließend, ob es im Boden Altlasten gibt. Dazu müssen sieben Messbrunnen installiert werden. Hafensedimente und eine verschlammte Bodenschicht müssen ebenfalls abgetragen und entsorgt werden. Zu all dem hatte sich die Stadt im Vertrag mit den Investoren verpflichtet. Die Gebag soll nun ein externen Unternehmen mit der Kampfmittelsondierung beauftragen und ein Konzept für die Baureifmachung erstellen. Nach derzeitigem Stand kostet die Stadt die Baureifmachung insgesamt mehr als 5,3 Millionen Euro.

Auch das Alkoholverbot in der Innenstadt war Gegenstand der Ratsdiskussionen. Trotz des gerichtlich gekippten Verbots wird die Stadt die Trinker- und Drogenszene weiter betreuen. Das machten Dezernent Ralf Krumpholz und OB Sören Link deutlich. Diese Betreuung auch auf den Kantpark auszudehnen, stoße allerdings auf personelle und finanzielle Grenzen, machte Link klar. Zum Teil handele es sich dabei aber auch um Polizeiarbeit, die die Stadt nicht leisten könne.

Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich über den Bau einer Behelfsbrücke an der Cölve in Trompet im Duisburger Westen. Die marode Brücke gehört bekanntlich der Stadt Moers, genutzt wird sie aber gerade auch von vielen Duisburgern. „Der Rat der Stadt Duisburg sollte ein klares Signal in Richtung Moers setzen“, meinte Claudia Leiße (Grüne) zur Begründung eines entsprechenden Antrags. „Schnellstmöglich“ sollte gemeinsam mit der Stadt Moers die Errichtung einer Behelfsbrücke realisiert werden, hieß es zur Begründung. Elke Patz (SPD) und CDU-Fraktionschef Rainer Enzweiler bezeichneten dies als „Schaufensterantrag“. Enzweiler erklärte, er habe mit dem technische Dezernat gesprochen. Dort habe man die technischen Details bereits ausgearbeitet. „Es reicht daher aus, wenn die Stadt Moers aktiv wird“, sagte er.

Eine wichtig Personalie wurde vom Rat gestern ebenfalls geklärt: Wirtschaftsdezernent Andree Haack soll zweiter Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung (GFW) neben Ralf Meurer werden. Zweifellos ein Signal, dass man mit der Arbeit der GFW nicht immer zufrieden war.

(mtm)