Duisburg: Der Komponist Gerhard Stäbler wird 70

Duisburger Komponist : Gerhard Stäbler feiert am Samstag seinen 70. Geburtstag

Der Komponist Gerhard Stäbler, Mitbegründer des Duisburger „EarPort“, feiert am Samstag seinen 70. Geburtstag.

Gerhard Stäbler, einer der profiliertesten Komponisten der Gegenwart, feiert am Samstag, 20. Juli, seinen 70. Geburtstag. Es gibt gleich mehrere Orte und Termine, die ihn anlässlich seines Ehrentages auf verschiedene Art und Weise würdigen, darunter Stuttgart, unweit seiner süddeutschen Heimat Wilhelmsdorf bei Ravensburg und Duisburg, seinem seit Jahren zentralen Schaffenszentrum. Mit dabei, wo immer es geht, ist sein Lebens- und Arbeitspartner Kunsu Shim, der seinerseits am 15. September vergangenen Jahres seinen 60. Geburtstag ähnlich spektakulär feierte (die RP berichtete).

Doch zurück zum aktuellen Jubilar, dem das Festival für Neue Musik „Der Sommer in Stuttgart“ (18. bis 21. Juli) einen zweigeteilten Konzerttag widmet. Renommierte Ensembles wie das „Zafraan Ensemble“, das Gitarren-Duo Conradi-Gehlen und das Schlagzeugensemble „sh|ft“ interpretieren unter der Überschrift „Ein Fest für Gerhard Stäbler“ im Theaterhaus Stuttgart Kompositionen von ihm aus vier Jahrzehnten. Zuvor gestalten Studierende der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Künste Stuttgart sowie des Labors Aufführungspraxis Neue Musik im Haus der Geschichte eine Hommage aus Werken Stäblers als szenische Aktion unter dem Titel „Wind und Hunger“. Die musikdramaturgische Vorlage liefert Stäblers Musiktheater „Letzte Dinge“ von 2007.

Die Stuttgarter Veranstaltung ist jedoch nur der Auftakt für eine ganze Reihe von weiteren Ehrungen, die dem Komponisten bis zum Jahresende noch zu Teil werden: So findet in Köln am 28. September „Ein Tag für Gerhard Stäbler ’70“ im Rautenstrauch-Joest-Museum und in der Kunst-Station St. Peter statt mit einer von der Kunststiftung NRW geförderten von ihm stammenden Uraufführung. Tage zuvor, am 8. September, kommt der Kompositionsauftrag der Gaudeamus Stiftung „Vier Gravuren“ in einem Abschlusskonzert der Gaudeamus Musikwochen im niederländischen Utrecht zur Uraufführung. Am 9. November folgt die Uraufführung des Kompositionsauftrages „Wir sind so frei!“, einem neuen Werk für Ensemble in der Tonhalle Düsseldorf, die auch Auftraggeberin ist. Die Stadt Duisburg, in der er gemeinsam mit seinem Partner Shim den „EarPort“ im Duisburger Innenhafen als Ort experimenteller Musik und Begegnung zwischen den Künsten betreibt, widmet ihm am 24. November im Theater Duisburg ein Portraitkonzert unter dem Titel „In myself I am“.

„Gerhard Stäbler“, so schreibt Elisabeth von Leliwa, einst Dramaturgin der Düsseldorfer Symphoniker und später der Tonhalle Düsseldorf, „kann auf ein äußerst umfangreiches, Gattungen und Traditionen sprengendes Œuvre zurückblicken. Er komponiert Musiktheater-, Orchester-, Vokal-, Kammermusik- und Solowerke für große, traditionelle Opernhäuser und Konzertsäle, aber ebenso für alternative Spielorte und Ensembles. Seine Performances beschreiten neue Wege in der Überwindung der Grenzen zu den anderen Künsten – oft im direkten Dialog vor Ort in bedeutenden Museen und Galerien für zeitgenössische Kunst. Als Performance-Künstler verbindet er Stimme, Mimik, Gestik, Klang, Geruch und Inhalt zu komplexen, minutiös durchgestalteten eigenen Auftritten in einer Traditionslinie, die von Dada, Avantgardemusik und Fluxus ausgehend, Musiker und Publikum neue Erfahrungen erschließt.“

Und weiter heißt es bei ihr: „Das künstlerische Schaffen ist für Stäbler untrennbar mit organisatorischer Arbeit, gesellschaftlichem und politischem Engagement verbunden. So konzipierte er verschiedene Aktive Musik-Festivals mit Neuer Musik im Ruhrgebiet und initiiert regelmäßig große musikalische Projekte im öffentlichen oder post-industriellen Raum, zuletzt mit der Uraufführung ‚Hörflecken – Uchronische Augenblicke‘ in dem Kölner U-Bahnhof Heumarkt zum Auftakt des diesjährigen Festivals ‚Acht Brücken – Musik für Köln‘.“

Gerhard Stäbler studierte Komposition bei Nicolaus A. Huber und Orgel bei Gerd Zacher in Detmold und Essen. Von Anfang an war er aber nicht nur als Komponist aktiv, sondern konzipierte und leitete Musikfestivals, so im Jahre 1995 zusammen mit Eberhard Kloke die „Weltmusiktage“ der „Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“ im Ruhrgebiet. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt liegt im pädagogischen Bereich. In Workshops und Seminaren für Komposition und Improvisation arbeitete Stäbler mit jungen Musikern aus vielen Ländern zusammen. Insofern ist er seit Jahren in Sachen Musik weltweit unterwegs: Als Composer-in-Residence, Gastprofessor und Performancekünstler wirkte er unter anderem in Nord- und Südamerika sowie im Nahen und Fernen Osten. 2003 wurde ihm der „Musikpreis der Stadt Duisburg“ verliehen.

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