Duisburg: Countertenor und Barockorchester bejubelt

CountertenorValer Sabadus und Concerto Köln im Kammerkonzert : Countertenor und Barockorchester bejubelt

Erinnerung an den legendären Farinelli: Im Kammerkonzert in der gut besuchten Philharmonie Mercatorhalle brillierten Valer Sabadus und Concerto Köln.

So gut besucht sind die Duisburger Kammerkonzerte nicht immer. Aber es gastierten ja auch der 1986 in Rumänien geborene und in Bayern aufgewachsene Countertenor Valer Sabadus und das gleichfalls bekannte und beliebte Barockorchester Concerto Köln, kurz bevor sie zu einer gemeinsamen großen Japan-Tournee aufbrachen. Wie ihre jüngste CD war das reizvolle Programm überschrieben mit „Caro Gemello", denn mit „lieber Zwilling" sprachen sich der Librettist Pietro Trapassi, genannt Metastasio, und der Kastrat Carlo Broschi, genannt Farinelli, in ihren Briefen an. Seit beide 1720 in Neapel mit Nicola Poporas Serenata (Kurzoper) „Angelica e Medoro" debütiert hatten, waren ihre Biographien auf besondere Weise verkettet. Die Freundschaft endete auch nicht, als sich Farinelli mit 32 Jahren aus dem Opernbetrieb zurückzog und nur noch privat vor dem spanischen König auftrat. Als Metastasio und Farinelli 1782 hochbetagt starben, war ihre Zeit längst vorbei: Im gleichen Jahr ging Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail" über die Bühne, eine neue Opernepoche hatte begonnen.

Im Kammerkonzert erklangen 14 Stücke von sechs Komponisten, darunter acht Arien (deren Texte nicht unbedingt auch von Metastasio waren). Das ging von dem bekannten Rezitativ und Arie des Serse (Xerxes) „Frondi tenere e belle... Ombra mai fu" aus der Oper „Serse" von Georg Friedrich Händel (bekannt als „das Largo von Händel", dabei ist es eigentlich ein Larghetto, also nicht ganz so langsam) bis zu der Arie des Aci „Senti il fato" aus Porporas Oper „Polifemo", in der die Koloraturen das Jaulen des Höllenhunds zu imitieren scheinen. Valer Sabus ließ jeweils auf eine verinnerlichte Arie ein virtuoses Gegenstück folgen, glich das „Fehlen" von Vibrato durch eine schlackenlos leuchtende Stimme und mit großer Gestaltungskraft improvisierte Verzierungen (bei den Wiederholungen der jeweiligen A-Teile nach dem kontrastierenden B-Teil) aus. Sein Bühnen-Charisma eifert fast dem eines Farinelli nach - freilich mit Selbstironie, etwa als er hier einen Notenständer hochschraubte und diese Aktion so kommentierte: „Selbst ist der Mann!"

Dazu platzierte das Barockorchester sechs Instrumentalstücke, wechselte dabei gleichfalls zwischen „Hits" und Entdeckungen, etwa als auf das rasante „Arrival of the Queen of Sheba" („Ankunft der Königin von Saba") aus Händels Oratorium „Solomon" die besonders kunstvolle Sinfonia aus dem gleichfalls auf einem biblischen Stoff beruhenden Oratorium „La morte d'Abel" von Antonio Caldara folgte. Concerto Köln musizierte an diesem Abend nicht nur mit geerdetem Darmsaiten-Sound, sondern auch mit viel Spielfreude, die nur selten über das Ziel hinaus schoss. Ein besonderes Ereignis war das sprudelnde Concerto d-Moll für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo op. 3 Nr. 11 RV 565 aus "L'Estro Armonico" von Antonio Vivaldi, in dem sich vor allem die Solisten Mayumi Hirasaki, Markus Hoffmann und Jan Kunkel lustvoll die Bälle zuspielten.

Der Jubel des Publikums machte zwei Zugaben fällig.

Das nächste Duisburger Kammerkonzert am Sonntag, 17. März, um 19 Uhr, ist ein „Piano Extra". Till Engel, Professor für Klavier am Campus Duisburg der Folkwang-Universität der Küsnte, und sein in Duisburgs litauischer Partnerstadt Vilnius geborener, herausragender Student Mark Kantorovic bringen dann Werke von Franz Schubert.

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