Duisburg: Christoph Prégardien dirigiert Philharmoniker

Philharmonisches Konzert : Frischzellenkur fürs Requiem

Im jüngsten Philharmonischen Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle dirigierte Christoph Prégardien erstmals ein professionelles Sinfonieorchester. Besonders bei Mozart erwies sich der renommierte Tenor als Könner am Pult.

Christoph Prégardien, Jahrgang 1956, ist bekannt geworden als Sänger (Tenor). Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet er mit den Duisburger Philharmonikern zusammen, in der Saison 2011/2012 war er Duisburgs „Artist in Residence“ (Gastkünstler) und anlässlich seines 60. Geburtstags gab es hier 2016 eine eigene Konzertreihe (die RP berichtete). Seit 2012 dirigiert er auch, zunächst Chöre und Barockensembles. Im jüngsten, siebten Philharmonischen Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle stand er jetzt erstmals am Pult eines professionellen Sinfonieorchesters.

Er hatte sich dafür ein attraktives Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven vorgenommen. Zu Beginn gab es vier kleinere Juwelen, nämlich je ein kurzes Orchesterstück und eine Konzertarie von den beiden. Auf die Maurerische Trauermusik KV 477 (1785) und die Tenorarie „Misero! O sogno, o son desto?“ KV 431 (1783, die mit ihrer Klage eines Gefangenen die Kerkerszene aus Beethovens einziger Oper „Fidelio“ vorwegzunehmen scheint) von Mozart folgten der Trauermarsch h-Moll WoO 96/4 (1815, das ist Beethovens für eine Schauspielmusik entstandene eigene Orchestrierung des dritten Satzes seiner bereits 1801 vollendeten Klaviersonate As-Dur op. 26) und die Sopranarie „Ah, perfido!“ op. 65 (1796) von Beethoven.

Als Hauptwerk nach der Pause gab es Mozarts Requiem für vier Solostimmen, Chor und Orchester d-Moll KV 626 (1791). Die unvollendet hinterlassene Totenmesse erklang hier in ihrer traditionellen Gestalt, das heißt mit den (stellenweise fehlerhaften) Ergänzungen von Mozarts Schüler Frnaz Xaver Süßmayr. Die Maurerische Trauermusik und das Requiem waren in den hiesigen Philharmonischen Konzdrten zuletzt 1987 zu erleben gewesen, „Ah, perfido!“ sogar 1961, der Trauermarsch noch nie.

In der ersten Hälfte schien es noch so, als hätte Prégardien seine Vorstellungen dem Orchester nicht ganz vermitteln können. Jedenfalls klang das Ergebnis zwar sehr schön – vor allem in den Flöten und Klarinetten –, aber enttäuschend schwammig, auch durch einige fragwürdige Phrasierungen und allzu flexible Tempi. Ein komplett anderes Bild bot sich nach der Pause. Das reichlich abgenudelte Requiem, das man eigentlich nicht mehr hören mag, bekam hier geradezu eine Frischzellenkur verpasst, mit knackiger Artikulation und klaren Kontrasten. Man könnte sehr gut hören, dass der frischgebackene Dirigent dieses Werk liebt, überhaupt sehr gut kennt. Am besten gelang Prégardien die klangliche Balance zwischen Gesang und Instrumenten. Ein besonderer Pluspunkt des Abends waren die jungen Sängerinnen und Sänger, nämlich die Sopranistin Julia Kleiter (Prégardiens Nichte), die Altistin Bill (eine seiner ehemaligen Studentinnen), der Tenor Sebastian Kohlhepp und der Bassist Henning von Schulman sowie die Audi-Jugendchorakademie. Letztere ist eine Ingolstädter Institution, die längst in den großen Konzertsälen von Berlin, Hamburg und München zuhause ist. Rund 70 Sängerinnen und Sänger im Alter von 16 bis 27 Jahren aus ganz Deutschland und Österreich erhalten dort neben chorischer Arbeit auch intensiven Einzelunterricht und Stimmbildung.

Im Philharmonischen Konzert klang die Audi-Jugendchorakademie jederzeit auf den Punkt genau und durchsichtig, da zogen auch die Duisburger Philharmoniker – angetreten in kleiner Besetzung, aber amerikanischer Sitzordnung – mit.

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