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Duisburg: Busfahrt in der Sardinenbüchse

DVG/Niag : Busfahrt in der „Sardinenbüchse“

Mechthild Mench hat eine Odyssee in einem rappelvollen Bus hinter sich. Ohne Luft und Platz fuhr sie vom Hauptbahnhof bis Hochheide. Ihr Erlebnis soll kein Einzelfall sein.

Bus fahren kann ganz schön nervig sein. Mechthild Mench kann ein Klagelied davon singen. Am 1. Juli, ein Sonntag, fuhr sie mit der Linie 929 der Verkehrsgesellschaft NIAG um 15.30 Uhr vom Duisburger Hauptbahnhof bis zum Hochheider Markt. „Ich schätze mich glücklich, dass ich nicht bis nach Moers oder gar zur Endhaltestelle weiterfahren musste“, berichtet sie von dieser Tour, die sie in Auszügen so schildert: „Der Bus war kurz nach dem Hauptbahnhof schon gerappelt voll. Zunächst befand sich neben einer Gruppe von ca. 20 Kindern nur ein Kinderwagen im Bus (und Personen mit Reisegepäck). Am Friedrich-Wilhelm-Platz kamen weitere Kinderwagen und viele Personen hinzu. Bis Ruhrort standen die Leute bereits gedrängt wie in einer Sardinenbüchse, und die Kinder saßen auf den Stufen. Nicht nur der Geräuschpegel war ohrenbetäubend, sondern auch die Luft war zum Ersticken. Es gab praktisch keine Luftzirkulation. So eng war es, dass der Schweiß des Kindes, das an meinen Beinen auf der Stufe saß, in meine Kleidung zog. Ich machte mir Sorgen um die alten Leute, die sichtlich mit der Hitze und dem Luftmangel kämpften.

In Ruhrort seien dann noch weitere Personen in den überfüllten Bus eingestiegen, unter anderem eine Frau mit Rollator und Personen mit einem weiteren Kinderwagen. Obwohl jemand rief „Der Bus ist voll!“ drängten laut Mechthild Mench alle hinein. Positiv sei lediglich gewesen, dass der Fahrer trotz des Lärms und der Hitze den Bus sehr umsichtig gesteuert habe. „Hätte er plötzlich bremsen müssen, hätte es Verletzte gegeben, da sich manche Leute nicht richtig festhalten konnten.“ In Homberg, so Mechthild Mench, dauerte der Halt an jeder Haltestelle ewig, da erst viele aus dem Bus raus mussten, damit andere Personen überhaupt aussteigen konnten. Sie kritisiert: „Die Verspätungen sind hausgemacht, wenn keine Gelenkbusse eingesetzt werden, bei denen das Einsteigen und die Verteilung der Fahrgäste mit Kinderwagen und Rollatoren einfacher ist. Es kann nicht sein, dass man die Ab- und Ankunftszeiten der Busse zu bestimmten Tageszeiten nur noch grob abschätzen kann. So schreckt man potenzielle Neukunden ab, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, auf den ÖPNV umzusteigen. Das Fahr-Erlebnis unter solchen Umständen ist keine gute Werbung!“ Diese Fahrt im überfüllten Bus sei kein Einzelfall gewesen. „In ähnlichen Situationen habe ich mich schon öfter befunden. Auch in Bussen der DVG. Es wird Zeit, dass die Verkehrsunternehmen mit einem neuen und der Realität angepassten Konzept reagieren.“

Erst im vergangenen Sommer hat die Politik den neuen Nahverkehrsplan für Duisburg beschlossen. Die von Mechthild Mench geschilderte Überfüllung auf der Strecke Hauptbahnhof – Hochheide sei im Rahmen der Debatte um den überarbeiteten Nahverkehrsplan nicht als Problem aufgetaucht, teilte die Stadt Duisburg auf Nachfrage mit. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine einmalige Situation handelt.“ Allerdings gehörten die Busse Linie 929 zur Moerser Verkehrsgesellschaft NIAG, die vielleicht mehr dazu sagen könne. Deren Pressestelle war leider auch nach vielen Versuchen für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Vielleicht klappt es ja auf diesem Weg.

(jum)