Duisburg: Bombenattrappe im Forum - Angeklagter erscheint nicht vor Gericht

Gerichtstermin in Duisburg : Bombenattrappe: Angeklagter erscheint nicht

Weil der Angeklagte der Verhandlung am Freitag fern blieb, erließ das Gericht einen Sitzungshaftbefehl.

Die Aufregung war groß gewesen, als am Abend des 5. August eine herrenlose Tasche unter einer Bank im Forum entdeckt worden war. Weil die herrenlose Tasche suspekt schien, räumte die Polizei anschließend die Einkaufsmall. Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ausschließen, dass sich vielleicht auch eine Bombe in der Tasche befindet.

Diese Vermutung stellte sich später erst dann als unbegründet heraus, als kurz vor Mitternacht ein Sprengstoffexpertenteam des Landeskriminalamtes mit Hilfe eines Roboters die Tasche durch mehrfachen Beschuss mit einer Wasserfontäne zerstörte. Der Inhalt der abgestellten Tasche war trotzdem merkwürdig: In ihr lagen eine schwarze Spielekonsole und mehrere Kabel, eines davon mit dem Anschluss eines Zigarettenanzünders.

Anhand der Bilder von Überwachungskameras machten Mitarbeiter des Forum schnell aus, wer die Tasche dort abgestellt hatte: Ein 1,80 bis 1,90 Meter großer Mann, bekleidet mit einer schwarzen Hose, einer weinroten Jacke und einem weißen, geflochtenen Hut. Den Mann entdeckte dann nur drei Tage nach dem Fund der vermeintlichen Bombenattrappe ein Polizeibeamter in Kaßlerfeld auf der Straße. Der Beamte, der dort in seiner Freizeit unterwegs war, hatte den Verdächtigen sofort erkannt: Er trug auch an diesem Tag eine schwarze Hose, eine weinrote Jacke und einen weißen, geflochtenen Hut. Eine verständigte Streife nahm ihn schließlich fest. Der Mann soll zugegeben haben, die Tasche im Forum abgestellt zu haben. Er kam in Untersuchungshaft, wurde aber mangels hinreichendem Tatverdacht wieder entlassen.

Anklage wurde trotzdem erhoben: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den öffentlichen Frieden gestört zu haben, und zwar, wie es im Juristendeutsch heißt, „durch Vortäuschung der beabsichtigten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie das Vortäuschen des Bevorstehens einer entsprechenden Straftat“. Zur Hauptverhandlung am Freitag erschien der Angeklagte dann aber nicht. Der Vorsitzende Richter konstatierte, dass der Mann zwar eine postalische Anschrift in Voerde habe und darüber auch ordnungsgemäß geladen worden sei, eigentlich habe er aber keinen festen Wohnsitz. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ der Richter daraufhin einen Sitzungshaftbefehl. „Das bedeutet, dass der Angeklagte nun zur Fahndung ausgeschrieben wird. Wenn er gefasst wird, bleibt er bis zu einem neuen Verhandlungstermin in Haft“, erklärte Gerichtssprecher Rolf Rausch.

Rechtsanwalt Christian Grotenhöfer aus Buchholz, der den Angeklagten vor Gericht vertritt, hatte zuvor vergeblich versucht, ihn zu erreichen. „Ich habe dem Angeklagten im Vorfeld gesagt, dass es nicht so wild für ihn werden würde“, sagte er hinterher. Dennoch zog es der Angeklagte vor, nicht zu erscheinen.

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