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Duisburg: Ausstellung im Lehmbruck-Museum zeigt Werke aus Weimar

Ausstellung in Duisburg : Lehmbruck-Museum zeigt Werke aus der Weimarer Republik

In seiner neuen Sammlungspräsentation zeigt das Lehmbruck-Museum herausragende Werke von Künstlern, die von der Weimarer Republik geprägt sind. Es ist die erste Ausstellung, die in der Corona-Zeit konzipiert wurde.

Bis vor wenigen Wochen zeigte das Duisburger Lehmbruck-Museum in einer sogenannten Kabinettausstellung Werke der Brücke-Künstler. An diese hochkarätige Ausstellung knüpft die neue Schau an, die unter dem programmatischen Titel „Sachlich, realistisch, magisch“ Gemälde, Grafiken und einige plastische Arbeiten zeigt, die kunstgeschichtlich der „Neuen Sachlichkeit“ zugeordnet werden, die wiederum ein Kind der Weimarer Republik ist. Zu sehen sind Werke von Künstlern, die die deutsche und europäische Kunstgeschichte maßgeblich geprägt haben. Es sind lauter Kostbarkeiten aus der Sammlung des Museums.

Mit Neuer Sachlichkeit werden gemeinhin Kunstwerke bezeichnet, die in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstanden sind und die sich von den Expressionisten absetzen. Der Begriff geht auf eine Ausstellung zurück, die Gustav Friedrich Hartlaub im Jahre 1925 für die Kunsthalle Mannheim konzipiert hatte. Die Ausstellung im Duisburger Lehmbruck-Museum macht aber klar, dass die Kunst, die im Zeitgeist der Weimarer Republik entstand, ungemein facettenreich ist. Deshalb wurde als Motto der Schau das Eigenschaftswort „sachlich“ durch zwei weitere Adjektive ergänzt: realistisch und magisch.

Der Zeitgeist der Weimarer Republik war zum einen geprägt durch das Trauma des Ersten Weltkriegs. In vielen Werken sieht man Bettler und Kriegsversehrte. Auch die Spanische Grippe, die größte Pandemie des 20. Jahrhunderts, dämpfte das Lebensgefühl. Zum anderen gab es auch die euphorische Stimmung, den Krieg überstanden zu haben. Das Großstadtleben wurde durch zum Teil frivole Feste versüßt. Während die einen das Leben in vollen Zügen genossen und moralische Hürden grinsend übersprangen, litten andere unter katastrophalen hygienischen Zuständen, Arbeitslosigkeit und Hunger.

Künstler wie Max Beckmann, George Grosz, Otto Dix, Käthe Kollwitz und Otto Pankok haben ihre Blicke bei ihrer Arbeit sowohl auf die Fortschritte als auch auf die Missstände ihrer Zeit gerichtet. Otto Pankok hatte ein Herz für Minderheiten. Seine Arbeiten sind Bild gewordene Anklagen gegen alle Unmenschlichkeit. In die Ausstellung im Lehmbruck-Museum aufgenommen wurde auch sein bestürzendes Werk „Die Erschießung“, das zwar erst im Jahre 1940 entstand, aber durchaus im Sinne der Weimarer Zeit verstanden werden kann.

George Grosz und Otto Dix, die zu den bedeutendsten Protagonisten der Neuen Sachlichkeit gehören, sparen in ihren Werken nicht mit Ironie und beißender Kritik an den herrschenden Ordnungsmächten und am „Getue“ der Menschen, die sich für etwas Besseres halten.

 Das Ölgemälde „Kartenspieler“ von Carl Hofer entstand im Jahre 1945.
Das Ölgemälde „Kartenspieler“ von Carl Hofer entstand im Jahre 1945. Foto: Bernd Kirtz

Auffallend ist, dass die Frauen in den Werken jener Zeit als durchaus selbstbewusste Personen dargestellt werden. Dass sie einige Jahre zuvor noch für ihr Wahlrecht haben kämpfen müssen, erscheint fast undenkbar. Und mit Käthe Kollwitz ist in der Ausstellung eine Künstlerin vertreten, die ohnehin zu den größten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehört.

Für die Ausstellung hat das Lehmbruck-Museum zahlreiche Schätze aus dem Depot geholt und sie angemessen präsentiert. Neben sehr bekannten Werken, wie beispielsweise Oskar Schlemmers geometrisch angeordnete nackte Menschen („Fünfzehnergruppe“) oder die Porträt-Bilder von Max Beckmann und Ludwig Meidner kann man aber auch Entdeckungen machen. So werden die Lithografien von Heinrich Maria Davringhausen (1894 bis 1970) als eigentümlich „magische“ Bildgeschichte in einem eigens gestalteten Separee präsentiert. Und dass das Ölgemälde „Kartenspieler“ von Carl Hofer, ein prototypischer Maler der Neuen Sachlichkeit, endlich mal wieder ans Licht geholt wurde, ist rundherum erfreulich – wie auch die gesamte Ausstellung. Es ist übrigens die erste in der Corona-Zeit konzipierte Schau des Duisburger Museums.