Duisburg auf Expo Real: NRW-Wohnbauprojekt „6-Seen-Wedau“ für 10.000 Menschen

Wohnungen für 10.000 Menschen: Duisburg plant eines der größten Wohnbauprojekte in NRW

3000 Wohneinheiten für 10.000 Menschen sollen in den nächsten zehn Jahren durch das Projekt „6-Seen-Wedau“ im Duisburger Süden entstehen. Aber nicht nur damit sorgt Duisburg auf der Expo-Real-Messe in München für Furore.

Bauten an alten Bahnstrecken – das ist auch ein erklärtes Ziel der Landesregierung. Schon deshalb war es nicht verwunderlich, dass die Vorstellung von „6-Seen-Wedau“ auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München am Montag am Stand der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft (BEG) NRW stattfand. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach stellte das Bestreben des Landes vor, ihr Staatssekretär Dr. Jan Heinisch verwies auf die Notwendigkeit zur Schaffung neuen Baulands entlang der Schiene angesichts knapper werdender Wohnflächen gerade in Köln, Düsseldorf und dem Umland. Ute Möbus vom Vorstand der DB Station Service AG sprach von einem „Rohdiamanten, der nun geschliffen werden muss“.

Auf der gewaltigen Fläche von insgesamt 634.000 Quadratmetern (fast 89 Fußballfeldern) soll in den kommenden zehn Jahren wie berichtet ein ganz neues Stadtviertel entstehen. Dazu gehören neben Wohnhäusern auch eine Grundschule, zwei Kitas, ein Nahversorgungszentrum sowie universitätsnahe Dienstleistungen.

Die Vermarktung soll innerhalb von zehn Jahren gelingen. Sie soll schrittweise von Norden nach Süden erfolgen.Die BEG und die DB Immobilien sind Projektträger, die Gebag beschränkt sich auf die Erschließung, den Landschaftsbau und einen Teil des öffentlich geförderten Wohnungsbaus. Die Reaktivierung der Bahnverbindung zwischen dem Duisburger Süden über Ratingen nach Düsseldorf soll in diesem Zusammenhang ebenfalls eine Rolle spielen: Sie soll dann auch Haltepunkte auf dem Gelände bekommen.

Gebag-Chef Bernd Wortmeyer erhielt auf der Messe Glückwünsche aus der Immobilienbranche. Die Meldung vom Kauf der „Duisburger Freiheit“ hatte sich in der Branche schnell verbreitet und war auf einhellige Zustimmung gestoßen.

Blick auf das alte Bibliotheksgebäude und den früheren Volksbank-Sitz an der Düsseldorfer Straße.
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Am späteren Montagnachmittag stand dann noch der geplante „Friedrich-Park“ in Marxloh im Fokus. Alexa Waldow-Stahm vom federführenden Braunschweiger Büro Stahm Architekten stellte das Vorhaben vor. Sechs Hektar Gewerbe und 20 Hektar Stadtpark sollen ab 2022 übergabereif sein. Die Baureifmachung des ehemaligen Bergbaugeländes beginnt im kommenden Jahr. Oberbürgermeister Sören Link sagte, solch große Brachflächen seien dem Bürger immer ein Dorn im Auge. Deshalb freue er sich, dass diese Fläche mit viel Potenzial nun perspektivisch entwickelt werden könne. Sie soll Platz bieten für Handwerksbetriebe, Büros und Dienstleistungen, aber eben auch für Gastronomie und Freizeitangebote. Planungsdezernent Carsten Tum gab seiner Hoffnung auf ein „Quartier mit Anspruch“ Ausdruck. Die Kooperationspartner thyssenkrupp und die Stadt sind sicher, hier auch tatsächlich eine neue Qualität für den Duisburger Norden schaffen zu können.

Das Duisburger Unternehmen Fokus Development ist ebenfalls auf der Expo Real aktiv. Fokus plant nun, ab dem ersten Quartal 2019 das „St.-Vincenz-Quartier“ im Dellviertel zu entwickeln. Unter anderem kann sich Andrej Pomptow von Fokus vorstellen, dort Studenten-Appartments zu bauen. In drei Bauabschnitten (heutiges Schwesternheim, Parkplatz südlich des Krankenhauses, Vincenz-Hospital) soll auf dem insgesamt 21.500 Quadratmeter großen Gelände ein ganz neues Wohnquartier entstehen.

Das bereits auf der Messe im vergangenen Jahr vorgestellte Modell wurde modifiziert. „Wir werden uns der umgebenden Blockbebauung anpassen“, erläuterte Pomptow in München. Das bedeutet einen Verzicht auf die ursprünglich geplanten Stadtvillen. Geplant waren ursprünglich 260 Wohneinheiten. „Wie viel es nun werden sollen, steht noch nicht abschließend fest. Wir werden das Vorhaben zusammen mit einem Partner realisieren, der über eine ausgewiesene Wohnungsbauexpertise verfügt“, so der Fokus-Vertreter. Insgesamt 50 bis 60 Millionen Euro sollen dort investiert werden. Ende des Jahres werde Fokus das Krankenhausgebäude übernehmen, das zurzeit sukzessive von Helios geräumt wird. Mit einem positiven Bescheid der Bauvoranfrage rechnet Fokus in Kürze.

Auch die Entwicklung an der Düsseldorfer Straße mit den Gebäuden der ehemaligen Bibliotheksimmobilie und dem früheren Sitz der Volksbank Rhein-Ruhr will Fokus weiterverfolgen. Anderslautenden Gerüchten erteilte Andrej Pomtow eine Absage: „Wir sind da nach wie vor dran.“ Wie geplant sei auch Edeka weiter mit im Boot. Es sei sinnvoll, beide Grundstücke zeitgleich zu entwickeln und so einen weiteren attraktiven Zugang in Richtung Forum zu schaffen.

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