Bosnienhilfe der Caritas Mit 80 ist für Heribert Hölz noch lange nicht Schluss

Duisburg/Neukirchen-Vluyn · In der kommenden Woche wird Heribert Hölz 80 Jahre alt. Der frühere Leiter der Bosnienhilfe der Duisburger Caritas arbeitet ehrenamtlich weiter an seiner Herzensaufgabe – auch wenn es in diesen Zeiten nicht gerade leichter geworden ist.

 Heribert Hölz (rechts) und seiner Frau Ursula (links) helfen Familien in Bosnien, ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dabei spielen auch die gespendeten Schafe eine wichtige Rolle.

Heribert Hölz (rechts) und seiner Frau Ursula (links) helfen Familien in Bosnien, ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Dabei spielen auch die gespendeten Schafe eine wichtige Rolle.

Foto: Hölz

Der Mann ist überzeugt, das richtige zu tun. Und das ändert sich auch nicht, wenn andere Dinge mehr ins öffentliche Interesse rücken. „Die Ukraine ist ein Riesenland, und dort herrscht ein schrecklicher Krieg. Wer ist interessiert sich da noch für Bosnien?“, fragt Heribert Hölz.

Er fragt das ohne Bitterkeit, obwohl sein Fokus seit mehr als 30 Jahren darauf liegt, den Menschen in Bosnien zu helfen, die Auswirkungen des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren zu überwinden. Und Hölz weiß, dass das Leid und die Not der Menschen im Gebiet des einstigen Bürgerkriegsgebiets im früheren Jugoslawien heute scheinbar immer weniger interessiert. „Auch die Aufmerksamkeit in anderen Ländern richtet sich nicht mehr dorthin“, so Hölz.

Aber Heribert Hölz macht weiter. Unverdrossen. Fährt regelmäßig die Strecke von seinem Heimatort Neukirchen-Vluyn in sein Büro der Caritas an der Sittardsberger Allee in Duisburg-Buchholz. Am 9. Oktober wird Heribert Hölz nun 80 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht.

 Caritas-Direktor Knezevic beI Ursula und Heribert Hölz.

Caritas-Direktor Knezevic beI Ursula und Heribert Hölz.

Foto: Hannemann

Das liegt auch an der tief empfundenen Dankbarkeit, die ihm nach wie vor zuteil wird. Kürzlich erst hatten Ursula und Heribert Hölz in Neukirchen-Vluyn Besuch. Zu Gast war der Caritas-Direktor von Bosnien-Herzegowina, Tomo Knezevic. Anlass war die Vorstellung des siebten Sammelbands über die Arbeit der Bosnienhilfe.

Marijo Terzic vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Duisburg hat für Ursula und Heribert Hölz ein Dankesschreiben des Caritas-Direktors übersetzt. Der vorgestellte Sammelband der Bosnienhilfe sei „wahrhaftiges Zeugnis der humanitären, religiösen und caritativen Dimension“ der Bosnienhilfe von den Kriegszeiten bis zum heutigen Tage. Tomo Knezevic rief dazu auf, „das ganze Land Bosnien-Herzegowina und die dort lebenden Menschen nicht zu vergessen“.

Heribert Hölz wird das gewiss nicht tun. Denn er weiß, dass staatliche Institutionen den in Armut lebenden Menschen nicht helfen werden. Meist sind es ältere Menschen, denen es am nötigsten fehlt, die aber auch die ehemalige Kriegsregion nicht mehr verlassen können oder wollen.

Mit Projekten wie den Suppenküche in Zenica und Budzk, Einzelspenden oder Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Schafs-Projekt versucht die Bosnienhilfe dort einzugreifen, wo die Not am größten ist. 10.000 Euro im Monat kommen im Schnitt zusammen, in drei Jahrzehnten inzwischen rund 1,5 Millionen Euro. Ein Riesenbatzen Geld, und dennoch nur ein kleiner Beitrag angesichts der Not einer ganzen Kriegsregion.

Früher ist Hölz selbst mehrmals im Jahr zu Reisen in das ehemalige Kriegsgebiet gefahren. Das will sich der 79-Jährige nun aber nicht mehr zumuten: Der Schutz vor der Pandemie ist dort so gut wie gar nicht vorhanden.

Es geht aber auch so. In den Jahrzehnten hat Hölz ein weit reichendes Netzwerk in der Region aufgebaut. Das sichert ihm die Gewissheit, dass finanzielle Hilfe auch bei denen landet, die es tatsächlich brauchen. Und auch nach mehr als 30 Jahren gibt es nach wie vor Spender und Sponsoren, die seine Arbeit regelmäßig unterstützen.

Sein Engagement brachte Hölz viele Ehrungen ein – unter anderem das Bundesverdienstkreuz oder die Verdienstmedaille des Landes NRW sowie den päpstlichen Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“. Weitaus weniger Dank gibt es von offizieller staatlicher Seite in Bosnien-Herzegowina. Dort ist dei Arbeit der Bosnienhilfe zwar durchaus bekannt, aber staatlichen Repräsentanten sei ihr eigener Ruf weitaus wichtiger, so Hölz.

Mit Bitten und Wünschen wird er gelegentlich aus ganz Deutschland konfrontiert – von Leuten, die Kontakt zu Menschen in Bosnien-Herzegowina haben. Und oftmals kann Hölz über seine Kontakte in der Region weiterhelfen. Zuletzt zeigte sich auch der Münsteraner Bischof Felix Gann angetan von dem Engagement des rührigen Bosnienhelfers.

Und so wird Heribert Hölz weitermachen – auch über seinen 80. Geburtstag hinaus. „So lange es irgendwie geht, mache ich weiter“, erklärt er überzeugt. Dass sei auch dem Gedenken an seinen Vater geschuldet. Den hatte Hölz zwar nie kennengelernt. Aus den Briefen seines Vaters aus Lettland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs weiß er aber, wie dieser dort gerade Frauen und Kindern half und sie als Soldat unterstützte. Hölz: „Eigentlich hat mein Vater damals auch nichts anderes gemacht als ich heute.“

Spendenkonto: Stadtsparkasse Duisburg, Caritasverband Duisburg, IBAN: DE14 3505 0000 0200 1043 05

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