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Duisburg: Arbeitgeber in der Pflege im Ruhrgebiet kritisieren Koalitisonvertrag

Arbeitgeber kritisieren Landesregierung : Ruhrgebietskonferenz-Pflege vom Koalitionsvertrag enttäuscht

Die Arbeitgeber in der Pflege im Ruhrgebiet sehen eine Reihe von „Leerstellen“. Dabei geht es auch um Ausbildung und den Berufseinstieg in die Pflege.

Die Arbeitgeber aus der Pflege haben vergeblich auf den großen Wurf gewartet. Das meint Ulrich Christofczik, Vorstand im Evangelischen Christophoruswerk in Duisburg und Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege im Hinblick auf den jetzt vorgelegten Koalitionsvertrag der neuen schwarz-grünen Landesregierung.

„Wir freuen uns über die Aufnahme unserer Initiative der Internationalen Pflegebauausstellung in das Programm der Landesregierung. Trotzdem gilt: Die Pflege ist eine Leerstelle im Koalitionsvertrag“, so Christofzcik. „Wir Arbeitgeber aus der Pflege vermissen Mut zur Innovation und Bereitschaft zu mehr Investitionen. Unsere Befürchtungen haben sich erfüllt. In den Spitzen der Corona-Pandemie galten wir als systemrelevant, davon finden wir im Programm der Landesregierung nichts mehr wieder“, so fasst Ulrich Christofczik die Einschätzung der Arbeitgeberinitiative zusammen.

So wäre dringend eine Initiative zur Wiederbelebung der ambulant betreuten Wohngemeinschaften angezeigt. Hier herrsche im Land Stillstand wegen unklarer Rahmenbedingungen und fehlender Einheitlichkeit bei der Finanzierung.

 Ulrich Christofczik vom Christopheruswerk.
Ulrich Christofczik vom Christopheruswerk. Foto: Lara Müller
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Ein weiteres Versäumnis machen die Arbeitgeber aus der Pflege an der „fehlenden Strategie zur systematischen Digitalisierung in der Langzeitpflege“ fest. Im Koalitionsvertrag werde ausführlich die Digitalisierung in den Krankenhäusern und der Akutversorgung thematisiert. Gebraucht werde aber nicht nur Digitalität in den Kliniken, sondern in allen Bereichen. Weitere „Leerstellen“ im Koalitionsvertrag seien die Ausbildung und die Gewinnung von neuen Arbeitskräften. „Wir brauchen dringend eine zeitliche Ausweitung der Pflegefachassistenzausbildung, damit ein Aufenthaltstitel für ausländische Arbeitskräfte ohne Winkelzüge möglich wird.

Es fehle an „Integrationszentren“, um ausländischen Arbeitskräften, Quereinsteigern und Menschen mit Unterstützungsbedarf den Einstieg in den Pflegeberuf zu ermöglichen“, fasst Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz-Pflege, die Forderungen zusammen, die bereits an die neue Landesregierung übermittelt worden sind.

Eine große Leerstelle im Koalitionsvertrag betreffe die ambulante Pflege in NRW. „Es ist unverständlich, dass die aktuell dramatische Versorgungslage in der häuslichen Pflege nicht im Programm der Landesregierung vorkommt“, so Ulrich Christofczik, der auch Geschäftsführer von Duisburgs größtem ambulanten Pflegedienst, den Evangelischen Sozialstationen, ist. In vielen Kommunen sei die Aufnahme der Versorgung, zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt durch einen ambulanten Pflege- oder Betreuungsdienst nicht mehr möglich. Hier braucht es neue Formen der Zusammenarbeit und flexible Versorgungsangebote.

Die neue Landesregierung scheint auch den Kampf gegen die fortschreitende Bürokratisierung in der Pflege aufgegeben zu haben. „Wir vermissen eine Initiative zur Harmonisierung des Prüf- und Kontrollgeschehens in unseren Einrichtungen und Diensten. Es werden täglich dringend erforderliche Ressourcen durch unabgestimmte Prüfungen und den Umgang mit teils widersprüchlichen Qualitätsanforderungen gebunden“, so seine Kritik.

Es gebe aber durchaus auch positive Aspekte im Zukunftspapier der neuen Landesregierung. Das betreffe vor allem die „Wiederbelebung“ des Quartiers und der damit verbundenen wohnortnahen Versorgung. . Darüber hinaus sei positiv zu bewerten, dass sich die neue Landesregierung vornimmt, dass Quartier, Mobilität, Kommunikation und Digitalität barrierefrei und für alle zugänglich und nachhaltig ausgerichtet werden sollen.

Es bliebe aber der Eindruck bestehen, dass mit diesem Koalitionsvertrag eine Chance zur rechtzeitigen Gestaltung des demografischen Wandels verpasst worden sei. „Dieses Programm bleibt an zentralen Stellen unkonkret und hat in der Pflege zu viele Leerstellen. Ein Einfaches „Weiter so“ schiebt dringend erforderliche Veränderungen vor sich her. Das darf nicht passieren.“

(mtm)