Duisburg: Angeklagte zog trotz Freispruch in Berufung

Gericht : Angeklagte zog trotz Freispruch in Berufung

Eine Rheinhauserin (55) hatte wegen Straßenverkehrsgefährdung vor Gericht gestanden. Es gab einen Freispruch. Doch eine dreijährige Führerscheinsperre passte ihr nicht.

Mit einem seltenen Fall hatte es gestern das Landgericht am König-Heinrich-Platz zu tun. Obwohl eine 55-jährige Rheinhauserin in erster Instanz freigesprochen wurde, legte sie Berufung ein – was normalerweise unmöglich ist. In diesem Fall aber ging es um eine gleichzeitig verhängte dreijährige Führerscheinsperre.

Laut Anklage hatte sie am 9. Juni 2016 an einer Kreuzung mehrfach den Fahrer einer neben ihr an einer Ampel stehenden Sattelzugmaschine fotografiert. Als der Mann ausstieg, und sie zum Löschen der Bilder aufforderte, hatte sie hysterisch geschrien, den Motor aufheulen lassen und ihr Auto mehrfach vor und zurück gesetzt – wobei sie dem Lkw-Fahrer auf den Fuß und vor das Scheinbein fuhr. Nur gut eine halbe Stunde später hatte die Angeklagte ihr Fahrzeug zur Überraschung eines nachfolgenden Autofahrers auf der Kaiserstraße quer gestellt. Als der genervte Mann wenden wollte, verhindert sie das, indem sie sich hinter dessen Auto stellte – und unablässig fotografierte.

Das Amtsgericht musste die 55-Jährige freisprechen, weil ein Gutachter der Angeklagten Schuldunfähigkeit wegen eines psychotischen Schubes attestierte. Die dreijährige Führerscheinsperre wollte sie nun vor dem Landgericht überprüfen lassen. Die Richterin machte ihr allerdings wenig Hoffnung. Als die Angeklagte begriff, dass die Durchführung der Berufung ihr wahrscheinlich nur eine satte Kostenrechnung bescheren würde, nahm sie das Rechtsmittel zurück.

(bm)
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