Duisburg: Adrian Hildebrandt brilliert mit dem Monolog „Event“ von John Clancy

Theater in Duisburg : Adrian Hildebrandt glänzt bei seinem Heimspiel

Adrian Hildebrandt brilliert im Foyer III mit dem Monolog „Event“ von John Clancy.

Wie ist es eigentlich, Schauspieler zu sein? Wie ist es, im hellen Licht zu stehen, allein, vor vielen fremden Zuschauern im Dunkeln? Abend für Abend den gleichen Text zu sprechen, die gleichen einstudierten Abläufe vorzuführen? Eine teils witzige, teils melancholische Antwort gibt der US-amerikanische Autor John Clancy – nicht zu verwechseln mit dem Bestsellerautor Tom Clancy – in seinem Monolog „Event“ („The Event“, 2009), der in der vorzüglichen Übersetzung von Frank-Patrick Steckel jetzt umjubelte Premiere im ausverkauften Foyer III unterm Dach des Duisburger Theaters feierte.

Statt einer abgeschlossenen Handlung und einer klaren Figur gibt der Autor dem Darsteller im Grunde genommen nur 32 Seiten klugen Text an die Hand und stellt ihn vor die Herausforderung, das Beste daraus zu machen. Das Stück steht in der dritten Person („Der Mann… die Fremden…“), beginnt als heitere Erforschung des Schauspieler-Berufs („ein seltsamer Job“), mit allen Risiken und Nebenwirkungen, auch die Kritiker kommen vor. Nur kurz wechselt der Mann in die erste Person, was natürlich ebenso Teil des Textes ist: „Ich weiß ja auch nicht, was das soll.“ Doch bald wird die Figur des Schauspielers ausdrücklich zum Sinnbild für uns alle, für unsere einsame und verzweifelte Situation in einer von digitalen Medien und Profitgier bestimmten und zugleich zwanghaft immer größer werdenden Welt, in der Gefühle, echte Kommunikation und Verlässlichkeit immer seltener sind. Selbst Kunst und Kultur erscheinen in dieser Sichtweise nur noch als absurde Ablenkung – wäre nicht „Event“ selbst eine Ausnahme davon. Unglaublich, dass dieses sensationelle Stück schon zehn Jahre alt ist, denn es wird jeden Tag aktueller und die derzeitigen Schwierigkeiten werden selten so knapp und überzeugend dargestellt. Dabei gibt es auch viel zu lachen, etwa bei dem Machtkampf zwischen dem Schauspieler und dem Licht-Techniker.

Eine ideale Inszenierung von Clancys „Event“ wäre ein minimalistisches Beim-Wort-Nehmen. Duisburgs Schauspiel-Intendant Michael Steindl ist dem mit seiner unaufdringlich prägnanten Regie sehr nahe gekommen. Mit Adrian Hildebrandt, geboren 1990 in Duisburg, steht ihm dafür allerdings auch der ideale Darsteller zur Verfügung. Von 2008 bis 2013 war Hildebrandt im „Spieltrieb – Jugendclub im Theater Duisburg“ unter anderem als Claudius in „Hamlet“ und Cliff in „Tagträumer“ im Foyer III zu erleben (die RP berichtete). Anschließend absolvierte er erfolgreich eine Schauspielausbildung an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz. Engagements hatte er unter anderem am Volkstheater Wien und am Theater Phönix in Linz, bevor er zur laufenden Spielzeit 2019/20 von Steindl als festes Ensemblemitglied ans Theater Duisburg geholt wurde. „Event“ spielt er mit sehr präziser Gestik und der perfekten Mischung aus kunstsprachlicher Distanzierung und jovialer Anbiederung.

Wir wollen aber nicht alle Wendungen verraten, sondern empfehlen wärmstens den Besuch der nächsten Vorstellungen am 6., 14. und 24. Januar, 6. Februar, 26. April und 16. Mai, jeweils um 19.30 Uhr. Karten zu einheitlich zwölf Euro gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.