Duisburg: Abgänger vom Gymnasium gehen zu über 90 Prozent auf Realschulen

Schule: Realschulen werden zum Auffangbecken

Für insgesamt 83 Schüler von Duisburger Gymnasien war der letzte Tag des Schuljahres eine Zäsur: Sie wechseln nach zwei Jahren in der Erprobungsstufe die Schulform. Mehr als 90 Prozent gehen dann zur Realschule.

Eine Anfrage unserer Zeitung ergab: Wer das Gymnasium nach der 6. Klasse verlässt, hat das Abitur gar nicht mehr auf der Rechnung. Das belegen die aktuellen Zahlen der Bezirksregierung. Demnach wechseln 76 der der 83 früheren Gymnasiasten zum neuen Schuljahr 2018/19 auf eine Duisburger Realschule. Ohne einen weiteren Wechsel der Schule werden diese Kinder also keine Abitur mehr bekommen. Lediglich sieben der Abgänger, das sind gerade einmal 8,4 Prozent, gehen ab dem nächsten Schuljahr auf eine Gesamt- oder Sekundarschule und haben zumindest noch die Chance, ohne weiteren Schulwechsel beziehungsweise mit einem kooperierendem Gymnasium ihre Hochschulreife zu erlangen. „Es wäre für diese Kinder in vielen Fällen besser, zu einer Gesamtschule zu wechseln. Aber die platzen aus allen Nähten und nehmen die Abgänger vom Gymnasium nicht mehr auf“, sagt Christina Herold, Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS). Die Folge: Die Realschulen werden zum Auffangbecken für „gescheiterte“ Gymnasiasten.

Im Vorjahr waren diese Zahlen noch wesentlich anders. Zum Ende des Schuljahres 2016/2017 mussten insgesamt 77 Schüler Duisburger Gymnasien nach dem Ende der 6. Klasse verlassen. Damals wechselten 52 von ihnen, das entspricht etwas mehr als zwei Drittel, auf eine Realschule. Immerhin noch knapp ein Drittel, nämlich 25, gingen anschließend auf eine Gesamt- oder Sekundarschule.

Zu kämpfen hat die Elternvertretung in Duisburg aber noch mit ganz anderen Problemen. „Der Lehrermangel in Duisburg führt immer noch zu häufigen Unterrichtsausfällen. Es fehlt auch nach wie vor an Sonderpädagogen und Schulsozialarbeitern“, so Christina Herold. Hinzu kommt die Raumnot an vielen Schulstandorten. Zugesagte Container wurden erst mit Verzögerung oder noch gar nicht aufgestellt.

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„Stadt, Immobilienmanagement und das Land sind mit vielen Schulproblemen offensichtlich überfordert“, sagt die Elternvertreterin. Vernagelte Fenster, verkommene Sanitäranlagen, ja sogar ein verstärktes Aufkommen von Ratten wie an der Christian-Zeller-Schule in Großenbaum seien eigentlich nicht hinnehmbare Zustände. Dass es mit der Inklusion nicht rund läuft, sei ohnehin bekannt und landesweit ein Problem.

Die Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen in Duisburg zeigen eine durchaus konstante Stabilität. Am meisten nachgefragt ist nach wie vor die Gesamtschule (2017: 2004 Anmeldungen, 2018: 2057) vor den Gymnasien (2017: 1291, 2018: 1344), Sekundarschulen (2017: 409, 2018: 406) und den Realschulen (2017: 353, 2018: 378). Keine Rolle mehr spielt das Auslaufmodell Hauptschule (2017: 48, 2018: 13). Hier nimmt überhaupt nur noch die Hauptschule Ludgerusstraße in Walsum neue Kinder auf. Auch wenn die erforderliche Mindestzahl von 18 nicht erreicht wird, plant die Stadt zunächst noch keine Schließung des Standortes. Erfahrungsgemäß kämen zu den ursprünglichen Anmeldungen bis zum Schuljahresbeginn auch noch weitere hinzu.

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