Duisburg: A3, A40, A42, A59 - Großbaustellen auf Autobahnen bis 2030

NRW-Baustellen bis 2030 : Duisburg drohen Staus für mehr als ein Jahrzehnt

Etliche Großbaustellen auf allen Autobahnen in und um Duisburg werden den Straßenverkehr in der Region in den kommenden Jahren belasten. Lange Staus könnten damit künftig zu einem Dauerproblem werden.

Alle sechs bis acht Wochen trifft sich bei der IHK ein Koordinierungskreis mit Verkehrsexperten verschiedener kommunaler und übergeordneter Stellen unter Führung von Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher. Das Thema: Die Bewältigung der künftigen Großbaustellen in und um Duisburg. Die werden wohl zu einer echten Herausforderung.

Bei der Vorstellung der Tunnelvariante im Rahmen des sechsspurigen Ausbaus der A 59 hatte Oberbürgermeister Sören Link erklärt, Duisburg sei eine Logistikstadt und wolle es auch bleiben. „Dies funktioniert aber nur mit einer entsprechenden Infrastruktur“, so Link. Genau die ist aber nach Auffassung der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer in den vergangenen Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden. „Zu lange ist zu wenig Geld in die Infrastruktur gesteckt worden. Jahrelang ist nur auf Verschleiß gefahren worden“, sagt Ansgar Kortenjann, Leiter der Abteilung Verkehr und Logistik bei der IHK. „Nun ist das Geld da – aber es fehlen die Kapazitäten, etwa bei Planungsingenieuren, um schneller für Abhilfe zu sorgen.“

Die Folgen spüren die Duisburger schon jetzt beinahe täglich mit langen Staus im Berufsverkehr. Damit dies nicht noch schlimmer wird, muss gehandelt werden. „Die A 40-Brücke hat jetzt erst einmal Priorität. Sie wird bis 2026 erneuert und muss bis dahin halten“, so Kortenjann. Dass es vor der jetzt in Betrieb genommenen LKW-Waage Staus gibt, müsse man in Kauf nehmen. „So etwas dauert ein paar Tage, dann entzerrt sich die Situation auch wieder“, meint der IHK-Verkehrsexperte.

Manchmal sagt ein Bild mehr als viele Worte. Ein Blick auf die Grafik der IHK mit den Baumaßnahmen der kommenden Jahre lässt zunächst einmal nichts Gutes erahnen. Mit entsprechendem Verkehrsmanagement soll ein Chaos auf den Straßen verhindert werden. Foto: rp/dpa

Der sechsspurige Ausbau der A 59 ist beschlossen, die Frage ist nur, wie er erfolgen soll – entweder als Hochbau wie bisher oder in Teilabschnitten auch unterirdisch. Die Stadt und die Politik haben sich bereits für einen Tunnel ausgesprochen, IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger sieht das ähnlich: „Die Tunnellösung wäre ein Gewinn für Duisburg und eine große Aufwertung für den Stadtteil. Mit seiner Bausubstanz, seiner Wirtschaftsstruktur und den Verkehrsanbindungen hat Meiderich das Zeug, sich zum Vorzeigequartier zu entwickeln. Gleichzeitig dürfen wir bei der weiteren Planung nicht die Verkehrsfunktion der A59 vergessen. Hafen und Industrie sind von der Stadtautobahn in hohem Maße abhängig. Sie müssen erreichbar bleiben. Das bedeutet aus Sicht der Wirtschaft: möglichst keine Zeit verlieren und den Neubau der Autobahn so schnell wie möglich realisieren.“ Vor dem geplanten Tunnel wird auch die Berliner Brücke ausgebaut. Auch während der jahrelangen Bauphase soll der Verkehr auf der Nord-Süd-Achse mit zwei Spuren in jede Fahrtrichtung fortgeführt werden. Staus werden wohl trotzdem unvermeidbar sein.

Ebenfalls im Fokus der Straßenbauer: der „Spaghetti-Knoten“ im Kreuz Kaiserberg. Von den zwölf „Überfliegern“, die als kurvenförmige Zubringer von einer Autobahn zur nächsten führen, seien neun marode, so dass sie nicht mehr repariert werden können. Sie müssten komplett ersetzt werden, so Kortenjann. Westlich davon wird die Brücke neu gebaut, östlich schließt sich ab 2022 der sechsstreifige Ausbau der A 40 zwischen Duisburg und Essen an. Auch das wird nicht ohne Staus gehen.

Die A 3 ist heute schon häufig hoffnungslos überlastet. Ein achtstreifiger Ausbau zwischen den Kreuzen Oberhausen und Breitscheid soll hier langfristig für Abhilfe sorgen.

Neben den Autobahnen hakt es in Duisburg aber auch an vielen innerstädtischen Stellen. „Die Brücke Marientor soll instand gesetzt werden. Dann ist dort vielleicht für fünf Jahre Ruhe. Eigentlich wäre an dieser Stelle aber ein kompletter Umbau der Verkehrsführung notwendig“, so der IHK-Experte. Weitere stauträchtige innerstädtische Baumaßnahmen: der Kaßlerfelder Kreisel (ab 2021), der Ersatzneubau der Karl-Lehr-Brücke (2019-2023) und die Umgehungsstraße Meiderich (bis 2021).

„Das stellt auch Wirtschaft und Industrie vor großer Herausforderungen und erfordert von Unternemen ein Höchstmaß an Flexibilität. Entweder muss mehr Zeit eingeplant werden oder noch viel mehr Güter müssen auf die Schiene verlagert werden. Und wer selber viel unterwegs ist, sollte sich überlegen, ob Bus und Bahn nicht schneller zum Ziel führen“, sagt Ansgar Kortenjann. Er sieht die vielen Baustellen der kommenden Jahre „als große Herausforderung“. Durch ein effizientes Baustellenmanagement und Absprachen zwischen Stadt, Landesbetrieb Straßen und den zuständigen Bundesbehörden könne ein Chaos auf den Straßen aber verhindert werden. Um schneller sein zu können, müsse auch die Stadt Duisburg überlegen, die Planung von Großvorhaben vielleicht auch mal in private Hände zu geben: „Hätte die Duisburger Hafen in ureigenem Interesse zum Beispiel den Ausbau des Karl-Lehr-Brückenzuges übernehmen können, wäre er vielleicht schon längst fertig.“