1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: 23 Tonnen Silber für Richard Löwenherz

Duisburger Geschichte und Geschichten : 23 Tonnen Silber für Richard Löwenherz

Historische Spuren der Kreuzzüge führen zur britischen Duisburger Partnerstadt nach Portsmouth.

Das Wappen unserer Partnerstadt Portsmouth weist ein ungewöhnliches Stern- und Halbmondsymbol auf. Auf den ersten Blick wird es mit der osmanischen Welt in Verbindung gebracht, aber Portsmouth ist schließlich eine englische Hafenstadt und „very british“. Der Bürgermeister von Portsmouth, Lee Manson, erzählt zur Erklärung gern folgende Geschichte. Auf dem dritten Kreuzzug hatte der englische König Richard Löwenherz 1191 den Herrscher von Zypern, Isaak Komnenos, unterworfen. Dessen Siegel übernahm er als Siegessymbol. Dies belegen zwei aus diesem Jahr erhaltenen Urkunden aus dem Jahr 1194, in der Richard I. unter anderem dem Hafen Portsmouth das Stadtrecht gewährte.

Aber noch spannender ist die dahinter liegende weltpolitische Rahmenhandlung mit Geiselnahme und Lösegelderpressung. Aber der Reihe nach: Richard wurde auf seiner Rückreise vom Kreuzzug im Jahre 1192 zum Gefangenen des Stauferkaisers Heinrich VI. In nur zehn Jahren, vom Krönungstag am 13. September 1189, bis zu seinem Tod machte sich Richard Löwenherz einen Namen in Europa. Aber wie kam es genau dazu, dass der englische König auf seiner Rückreise vom Kreuzzug im 12. Jahrhundert zum Gefangenen des Stauferkaisers Heinrich VI. wurde?

  • Der Schulhof der Grundschule an der
    Lehrermangel in Duisburg : Grundschulen schreiben 57 Stellen aus – und finden keinen einzigen Bewerber
  • Der Vorfall fand am Duisburger Hauptbahnhof
    Brutale Tat in Duisburg : Gruppe prügelt auf Opfer bis zur Bewusstlosigkeit ein
  • Der Philosophenweg am Innenhafen, hier bei
    Bauarbeiten bis Frühjahr 2023 : Netze Duisburg verlegen neue Hochspannungs-Kabeltrasse bis zum Innenhafen

Es war eine turbulente Epoche, in der sich der Stauferkaiser wechselnden Allianzen der gegnerischen Fürsten erwehren musste. Mit dem englischen König als Geisel bot sich Heinrich VI. die einmalige Chance, seine Macht auszubauen und geplante Eroberungszüge in Sizilien zu finanzieren. Richard Löwenherz genoss in Europa den Ruf eines unerschrockenen Herrschers. Sein „Marktwert“ war entsprechend hoch. Richards Reich erstreckte sich vom Südwesten Frankreichs bis nach Schottland. Mut, Kampfgeist, Sprachgewalt und Charisma zeichneten ihn aus. Bereits zu Lebzeiten umgab er sich mit zahlreichen Troubadouren, die seine ritterlichen Tugenden und den bedingungslosen Einsatz im Kampf besangen. Marketing oder PR nennt man das heute. Dass der Kreuzfahrer im Jahr 1191 rund 3000 Muslime in Akkon (Hafenstadt im heutigen Nordisrael) massakrieren ließ, wird dabei gerne unterschlagen.

 Das Rathausfenster in Portsmouth zeigt Richard Löwenherz.
Das Rathausfenster in Portsmouth zeigt Richard Löwenherz. Foto: Harald Küst

Dank Legendenbildung wurde König Löwenherz zur Idealgestalt. Nicht zuletzt ermöglichte seine lange Abwesenheit während des Dritten Kreuzzuges und der anschließenden Gefangenschaft die Stilisierung Richards zum ritterlichen Kämpfer. Ende 1192 wurde er auf dem Rückweg von einem Kreuzzug im Heiligen Land in der Nähe von Wien festgenommen. Richard war schlicht entgangen, wie sich hinter seinem Rücken der französische König Philipp II., der staufische Kaiser Heinrich VI. und der österreichische Herzog Leopold V. gegen ihn verbündet hatten.

Über ein Jahr verbrachte der englische Herrscher in komfortabler Gefangenschaft – auf der Reichsburg Trifels, im elsässischen Hagenau sowie in Speyer, Worms und Mainz. In Speyer wurde Löwenherz auf dem Reichstag 1193 der Prozess gemacht. Die Anklage lautete auf Verrat an der Mission der Kreuzfahrer. Tatsächlich strebte der deutsche Kaiser einen Deal an, den man korrekt als schamlose Erpressung bezeichnen muss. Die gigantische Lösegeldforderung von 23 Tonnen Silber entsprach ungefähr dem jährlichen Staatshaushalt Englands. Tatsächlich gelang es, diese Summe durch massiven Druck aufzubringen. Heinrich VI. und Leopold V. teilten sich das Lösegeld. Gegen Zahlung und durch politische Konzessionen kam Richard 1194 wieder frei. Dies soll am 25. November 1193 in Kaiserswerth geschehen sein, so der englische Geschichtsschreiber Roger von Hoveden.

Am 6. April 1199 starb Richard im Alter von 41 Jahren. Wenige Tage zuvor war er bei einem Erkundungsritt in Aquitanien (Südwesten Frankreichs) von einem Pfeil getroffen worden. Die Wunde war nicht tödlich, aber der folgende Wundbrand raffte den großen Kämpfer dahin. Auf schillerndem, buntem Glas zeigt das Rathausfenster in Portsmouth Richards nahezu sakral wirkende Gestalt. Eine legendäre Figur, verklärt durch historische Quellen, jede Menge Literatur und Hollywoodfilmen. Kein mittelalterlicher König ist bis heute im Vereinigten Königreich so populär wie Löwenherz, obwohl er sich meist in seinen französischen Besitzungen aufhielt. Für einen Brexit hätte sich Richard wohl nie begeistern lassen.