Duisburg: 125 Jahre Homberger Ruderklub

Vereinsjubiläum: Mit einem kleinen Schuppen fing alles an

Der Homberger Ruderklub „Germania“ feiert seinen 125. Geburtstag im großen Stil. Für die RP blättern zuvor zwei Verantwortliche in der Chronik und den Geschichtsbüchern des Vereins.

Der Ruderklub „Germania“ hat einen Grund zu feiern. Der Verein aus Homberg ist 125 Jahre alt geworden. Am 2. September steigt der große Festakt im vereinseigenen Bootshaus. Gemeinsam mit der Rheinischen Post blicken Ehrenvorsitzender Friedhelm Fendel und Pressewart Ralf Schneider auf eine lange Geschichte und große Erfolge zurück, fassen aber auch aktuelle Herausforderungen ins Auge. Beide Männer sind seit über 40 Jahren im Ruderklub aktiv – erst als Sportler, dann als ehrenamtliche Helfer.

Es ist sehr lange her, als der Homberger Ruderklub aus dem Nichts gegründet wurde. Es ist der 14. August 1893. Getreidekaufmann Eugen Conrad befindet sich dienstlich in Homberg. „Er hat gemerkt, dass er hier seinem Lieblingssport Rudern nicht nachgehen konnte“, skizziert Fendel die ersten Stunden des Ruderklubs „Germania“. „Also hat er es sich einfach gemacht und einen neuen Verein gegründet.“ Der fleißige Geschäftsmann gelte nicht nur in Duisburg als ein Vorreiter in Sachen Ruderverein. Da Conrad viel unterwegs ist, aber nicht auf den Wassersport verzichten will, gründet er ebenfalls in Stettin und Königsberg (heute das russische Kaliningrad) einen Ruderklub.

Mit einem Rundschreiben erreicht der Getreidekaufmann Herren aus der Homberger Wirtschaft, die sich ihm anschließen. Die Männer legen zusammen und kaufen mit dem Geld das erste Boot des Vereins. Untergebracht wird es in einem alten Schuppen, der über zehn Jahre als Stätte des Ruderklubs dient. Im heutigen Bootshaus an den Rheinanlagen 13 gehen Sportler und Verantwortliche des Vereins seit 102 Jahren ein und aus. „Der junge Verein hat von Anfang an Leistungssport betrieben“, erinnert sich Fendel. Der 56-Jährige ergänzt: „Nach einem Jahr gab es die erste Wanderfahrt, nach zwei Jahren wurden die ersten Regatten veranstaltet und erste Siege eingefahren.“

Die beiden Weltkriege haben dem Homberger Ruderklub zugesetzt. „Viele Mitglieder mussten an die Front, weil alles abgezogen wurde, was halbwegs laufen konnte“, berichtet der Ehrenvorsitzende. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges wurde das Bootshaus zerstört und etliche Boote von den Alliierten konfisziert. Eine komische Erfahrung für „Germania“, schließlich wurde der Verein im Dritten Reich noch stark gefördert und erlebte eine regelrechte Boom-Phase. Der Neuaufbau des Vereins verlief schnell. Die erste Regatta des Deutschen Ruderverbands nach Kriegsende fand in Homberg statt. In dieser Phase war der Leistungssport sehr erfolgreich, wie Pressewart Schneider erzählt. Höhepunkt war die deutsche Vizemeisterschaft im Vierer-Boot im Jahr 1963.

Der größte Erfolg des Vereins: Peter Walter, Bodo Kuepper, Joachim Geske und Erwin Becker werden 1963 Deutscher Vize-Meister in Essen. Foto: RP/Verein
  • 125 Jahre : Germania feiert Vereinsjubiläum

In den vergangenen 30 Jahren entwickelte sich der Homberger Ruderklub immer mehr zu einem Verein, der Breitensport betreibt und so viele Bevölkerungsgruppen anspricht. 1993/1994 war die letzte Saison, in der der Klub einen Wettstreiter zu Ruderregatten geschickt hat. „Um erfolgreich an Rennen teilzunehmen, muss ein Sportler mindestens zehn Mal die Woche trainieren“, erklärt Schneider die Gründe für den Ausstieg aus dem Leistungssport. „Der Aufwand wurde zu groß für uns.“ Da der Verein aufgrund der Schifffahrt nicht auf dem Rhein trainieren konnte, waren Kooperationen mit anderen Vereinen, etwa in Krefeld, nötig. Und die Ruderboote mussten für jedes Training zur Ruhr, einem anderen Fluss oder See gebracht werden.

„Die Entwicklung ist schade, aber wir haben unsere Lücke gefunden und betreiben Breitensport als unser Aushängeschild“, sagt der 53 Jahre alte Pressewart. Heute sind über 200 Mitglieder zwischen neun und 80 Jahren aktiv, fahren auf Wanderfahrten quer durch Europa – unter anderem in Schweden, der Schweiz, Frankreich und Irland – oder trainieren auf einem von insgesamt 50 Ruderbooten. „Unser Ruderklub ist jetzt für alle Menschen offen, nicht mehr nur für junge Sportler mit großem Ehrgeiz“, sagt Schneider. Dennoch spulen die Mitglieder im Jahr weiter viele Kilometer ab. „Unsere Mitglieder, darunter auch Leute, die über 80 Jahre alt sind, haben im vergangenen Jahr knapp 50.000 Kilometer zurückgelegt.“

Aufgrund der Tatsache, dass viele ältere Mitglieder im Verein aktiv sind, sei es eine große Herausforderung, Ruder-Nachwuchs zu gewinnen. Es gebe einen schleichenden Prozess im Verein, das Durchschnittsalter der Mitglieder liege zwischen 60 und 80 Jahren. Für Schneider ist das ein Warnsignal und „bedenklich für die Zukunft des Vereins.“ „Wir versuchen immer rund 200 Mitglieder zu haben“, ergänzt Fendel. „Eine gewisse Zahl ist wichtig, damit wir spezielle Angebote für die Geschlechter oder Altersgruppen anbieten können. Mit der Größenordnung von um die 200 Mitglieder gehöre der Homberger Ruderklub fast zu den größten Vereinen in ganz Deutschland.

Doch die Mitgliederzahl zu halten, ist schwer. „Jedes Jahr verlieren wir bis zu zehn Prozent unserer Mitglieder“, berichtet Schneider. Es sei daher wichtig, neue Menschen anzusprechen, für den Verein zu gewinnen und zu halten – auch wenn der Verein nicht pleite gehe, wenn weniger Menschen in ihm aktiv seien. Im Jahr 2014 hätte der Ruderklub zum Beispiel viel Geld für Werbung in die Hand genommen – mit Erfolg. Alleine in diesem Jahr verzeichnete „Germania“ 40 neue Mitglieder in den eigenen Reihen. Für die Zukunft wünschen sich Schneider und Fendel, dass der Verein weiter lebt und die Mitglieder weiter so aktiv sind wie bisher, auch außerhalb des Ruderbootes. Die Vereinsverantwortlichen wollen im Gegenzug zum Beispiel mehr Wanderfahrten oder Jugendprogramme anbieten.

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