Kaiser Antonino Dance Ensemble Die Karawane zieht weiter

Duisburg · Die neue Produktion des Kaiser Antonino Dance Ensembles erzählt vom immerwährenden Unterwegssein. Premiere war dieser Tage im Museum DKM.

Sergio Antonino (l.) und Avi Kaiser bei ihrer Aufführung.  Foto: Schäfer

Sergio Antonino (l.) und Avi Kaiser bei ihrer Aufführung. Foto: Schäfer

Foto: Claudia Schäfer

Daheim und zugleich auch immer unterwegs sind die Choreographen und Tänzer Avi Kaiser und Sergio Antonino. Ihr Zuhause ist da, wo sie gerade sind. Überwiegend ist das Duisburg, Israel und Italien. Dort liegt ihre Wirkungsstätte „The Roof – TanzRaum“ beziehungsweise befinden sich ihre Herkunftsländer. Doch auch ihre Heimat ist nicht geografisch definiert: Diese sei ihr Körper, sagen sie. Ihr Leben und Tun sind also immer in Bewegung, als fortwährende Reise in ihr Inneres als auch in einen Kosmos, der von Natur und Kultur, Landschaft und Architektur geprägt ist.

Ein Jahr lang hat sich das Kaiser Antonino Dance Ensemble mit dem Thema Unterwegssein beschäftigt, welches in dem Tanztheater „Die stille Karawane“ nun das Licht der Welt erblickte. Ausgangspunkt waren fotografische Arbeiten von Sharon Zindany, die in Auseinandersetzung mit dem Werk des Land-Art-Künstlers Dani Karavan und dem Tanzensemble entstanden sind. Der Titel der Produktion ist das Ergebnis eines Wortspiels zwischen dem Tanztheaterstück und dem Namen des Künstlers.

Einen Ausschnitt aus besagter Tanzproduktion konnte man im Frühjahr bei den diesjährigen Duisburger Akzenten im „EarPort“ des Innenhafens bereits sehen (die RP berichtete). Jetzt wurde die finale Fassung fertiggestellt, die dieser Tage ihre Premiere im Museum DKM erfuhr. Im März nächsten Jahres kehrt das Tanzstück noch einmal zurück nach Duisburg. Dann wird es im Rahmen der 44. Duisburger Akzente in der Cubus Kunsthalle aufgeführt.

Aufführungsort im DKM-Museum war der sogenannte „Düsseldorfer Raum“: Ein Kunstraum also, da braucht man keinen Bühnenvorhang, keine Scheinwerfer – nur etwas Tontechnik für Geräusche und Musik. Ein paar Stühle, einen Hocker, eine Leiter mit Gestänge, ein paar durchsichtige Folien, einen Teppich, ein Tuch – das in etwa reicht an Requisiten. Die Zuschauer sitzen in jeweils einer langen Reihe gegenüber. Auf diese Weise entsteht in der Mitte ein Weg, ein Platz oder ein Gewässer, wo genächtigt, gegangen, gelaufen, gekämpft und geschippert wird.

In dieser Dekoration entwickelt sich das Bühnengeschehen, entstehen Szenen, die von Nomaden und Obdachlosen handeln, Szenen, die von Krieg und Zerstörung erzählen, Szenen, die von Elend und Leid berichten, Szenen, in denen Flüchtlinge in Seenot geraten und ums Überleben kämpfen, Szenen, wo Menschen erschöpft reisen, ob per Bus oder Bahn. Gesprochen wird in der Choreografie in Englisch und Deutsch, Französisch, Italienisch und Hebräisch.

Eines der vielleicht beeindruckendsten Spielmomente dieser Inszenierung gelingt dem Tänzerpaar dergestalt, als es in den Hafen der Ehe einfährt. Hier erlangt das Thema Reisen zugleich auch eine eher metaphysische Ebene: Kaiser und Antonino stehen sich zunächst gegenüber. Kaiser hat eine Rose in der Hand. Antonino legt sich eine lange transparente Folie an, drapiert als Hochzeitskleid mit Schleier. Zusammen schreiten sie – vergleichbar einer Abenteuerreise – einer unbekannten Gemeinsamkeit entgegen.

Zum Schluss der rund einstündigen Tanzdarbietung, die vom zahlreich erschienenen Premierenpublikum sogar mit Standing Ovations honoriert wurde, wird alles auf dem (Tanz-)Boden Befindliche mit einer Plane zu einem Paket verschnürt, um zu zweit mit „Sack und Pack“ an den Ausgang des „Düsseldorfer Raums“ zu gehen und dort Aussicht nach draußen zu nehmen und/oder einen Blick in die Zukunft zu werfen

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