Duisburg: Dreidimensional für fehlerfreie Abläufe

Duisburg: Dreidimensional für fehlerfreie Abläufe

Behinderten-Arbeitsplätze müssen speziell angepasst, technische Grenzen ausgeweitet werden. Volker Nißing tüftelt neue Hilfen am Computer aus.

Aufmerksam wartet Gina Fenten, bis ihr Gruppenleiter Stefan Löckenhoff einen Plastikbeutel in ein Folienschweißgerät legt. Dann drückt sie einen Schaumstoffgriff. Über Metallfedern und ein Kabel, das zum Schweißgerät führt, wird ein Signal weitergeleitet und die Tüte fest verschlossen. Der Griff in Fentens rechter Hand ist eine Spezialanfertigung aus der Werkstatt von Volker Nißing. Der 54-Jährige ist Vorrichtungsbauer in den Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN). Für über 1200 Beschäftigte entwickelt er Montage-, Sortier- und Arbeitshilfen. Vielen Beschäftigten mit körperlichen und geistigen Einschränkungen ermöglichen sie erst die Arbeit in der Behindertenwerkstatt und sorgen für einen fehlerfreien Ablauf der Produktion.

Nißing arbeitet am Standort Rheinhausen der CWWN. Etwas unscheinbar stehen in seiner Werkstatt neben vielen großen Maschinen zwei kleine, unscheinbare Geräte auf einem Tisch. Es sind 3D-Drucker, mit denen "die Grenzen, was möglich ist, nach oben gewachsen sind", sagt der gelernte Werkzeugmacher. Vor allem der neue Laserdrucker ermöglicht es, präzise Arbeiten mit komplexen Strukturen anzufertigen.

"Mit dem dreidimensionalen Druck haben wir einen Sprung gemacht", berichtet Nißing. Vorrichtungen müssen nicht mehr aufwendig gefräst und es müssen keine Abdrücke mehr gegossen werden. Seit vier Jahren kommen einzelne Bausteine, teilweise auch ganze Arbeitshilfen, einfach aus dem Drucker. Mit speziellen Programmen zeichnet Nißing das gewünschte Stück am Computer.

Gina Fenten drückt einen speziell für sie angefertigten Griff. Foto: Lisa Uekötter/Caritas

"Das spart viel Zeit", freut sich der Vorrichtungsbauer. Was bleibt, ist die Kreativität. Denn er muss für die individuellen Behinderungen der Beschäftigten immer neue Arbeitshilfen ersinnen. Aber während dieser Zeit kann der Drucker schon Schicht um Schicht flüssigen Kunststoff auftragen.

Am Standort Rheinhausen sind Montage- und Sortierhilfen besonders gefragt, denn die 400 Beschäftigten arbeiten in der Fertigung und Konfektionierung unter anderem für die Automobilindustrie. "Bei der Montagevorrichtung für ein Zweigelenk können die entsprechenden Teile nur passend angebracht und zusammengeschraubt werden", erklärt Nißing. Für viele Beschäftigte ist dies einfacher, als alle Teile per Hand zusammenzubauen. Für die Sortierhilfen aus dem 3D-Drucker gilt das gleiche Prinzip. Nur die richtigen Teile können in die Formen gelegt werden. Passen sie in die Mulden, können sie verpackt werden.

Mit der Nutzung des dreidimensionalen Drucks für die Herstellung von Arbeitshilfen nehmen die CWWN eine Vorreiterrolle ein. Wie am Fließband erstellen die beiden Drucker die Arbeitshilfen. Was in der Werkstatt von Volker Nißing bereits Alltag ist, ist für viele andere Einrichtungen noch Neuland. Mitarbeiter von dort besichtigen daher die Werkstatt von Nißing, um von seinen Erfahrungen zu lernen.

(RP)