Duisburg: Drei abstrakte Künstler in Harmonie

Duisburg : Drei abstrakte Künstler in Harmonie

Drei bedeutende Vertreter der Duisburger Kunstszene, die alle drei in den vergangenen Monaten gestorben sind, präsentiert Gerhard Losemann in seiner DU-Art-Galerie. Es ist eine überaus sehenswerte Schau geworden.

Schöner als alle Nachrufe, die man sich denken kann, ist die Ausstellung, die am Freitag, 4. Mai, 19.30 Uhr, in der Archiv-Galerie "DU-Art" von Gerhard Losemann eröffnet wird (Dellplatz 8, Innenstadt). Losemann hat dabei drei Künstler zusammengebracht, die allesamt in den vergangenen Monaten gestorben sind und die zu den Großen der Duisburger Kunstszene gehörten: Rolf Binder, Friedrich Haarhaus und Kurt Rehm, der erst Mitte März gestorben ist (die RP berichtete).

Bei der Ausstellungsgestaltung hat sich Losemann nicht nur von den unbeeinflussbaren Lebensdaten leiten lassen, sondern auch von der Stimmigkeit der Kunst. Die Werke von Binder, Haarhaus und Rehm korrespondieren wunderbar miteinander, zugleich hat jeder der drei Werkkomplexe etwas höchst Eigenständiges.

Foto: Peter Klucken

Rolf Binder (1926 bis 2017) ist durch seine Siebdrucke, vor allem jedoch durch seine rot-anthrazitfarbenen Plastiken in der Ausstellung präsent. Auf höchst raffinierte Weise nutzte Binder die Gesetze der Physik, um seine Skulpturen auszubalancieren. Man bekommt den Eindruck, als ob diese Werke für einen Moment in der Bewegung innehalten, um sich dem Betrachter zu zeigen. Die Arbeiten wirken verspielt und kalkuliert zugleich, erfreuen das Auge und inspirieren den Verstand, der die Machart der Werke nachvollziehen möchte. Binder selbst hatte einem Besucher, der sich über den "Zusammenhalt" einer Skulptur wunderte, gesagt: "Da ist nichts verklebt, das hält so."

Friedrich Haarhaus (1925 bis 2017) gehört zu den Künstlern, die sowohl in der Abstraktion als auch im Figürlichen zu Hause waren. Aus dem Nachlass wählte Losemann für die aktuelle Ausstellung vorzugsweise Werke aus, die an der Schnittstelle der Genres stehen. Am beeindruckendsten sind wohl Haarhaus Arbeiten, bei denen aus einer scheinbar zufälligen Linienführung eine Architektur erwächst, die der Künstler irgendwo auf der Welt entdeckt haben könnte.

Foto: Peter Klucken

Haarhaus benutzte Farben und Strukturen, um Gegensätzliches wie Feuer und Wasser zu harmonisieren. Dabei mochte Haarhaus sowohl das Heitere als auch das Ernsthafte - frei nach dem Schillerzitat "Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst".

Erst im März ist Kurt Rehm gestorben (Jahrgang 1929). Viele glaubten, dass ein Elternteil Rehms japanisch, das andere deutsch war. Tatsächlich waren beide Elternteile deutsch, doch lebte Rehm als Kind für zwei Jahre in Japan. Ob Zufall oder nicht: Rehms Werke haben etwas Fernöstlich-Kalligrafisches. Mit einer Akribie, die schlichtweg nicht übertroffen werden kann, entwarf Rehm in seinen Collagen, Papierschnitten und Tuschezeichnungen Formen von großer Eleganz und frappierender Dynamik.

Sein Leben lang blieb Rehm seinem Arbeitsstil treu, fand immer wieder Variationen für Werke, die im Ausstellungsbeiheft treffend so beschrieben werden: "Über sechs Jahrzehnte seines Schaffens hinweg hat sich Kurt Rehm als ein konsequenter Vertreter einer lyrischen Abstraktion erwiesen, deren Kompositionen und Konstruktionen eine eigenwillige, zurückhaltende, dabei immer vom Intellekt kontrollierte Poesie erzeugen."

Insgesamt zeigt Losemann in seiner Ausstellung, die für einige Monate bestehen bleibt, 33 Arbeiten. Die Werke sind Leihgaben aus verschiedenen Nachlässen, sie können für vergleichsweise günstige Preise gekauft werden.

Die Galerie ist regelmäßig donnerstags und freitags von 18 bis 21 Uhr geöffnet.

(pk)