Duisburg: Drachentanz mit Bettina Rutsch im Museum

Duisburg : Drachentanz mit Bettina Rutsch im Museum

"Jazz with the Dragon" hieß das jüngste Tanzprojekt der Duisburger Tänzerin und Literaturwissenschaftlerlin Bettina Rutsch im ausverkauften Lehmbruck-Museum.

Inmitten der vom chinesischen Künstler Shi Jinsong errichteten Skulptur "Thousand Garden", einer Art Gartenlandschaft, die aus Materialien abgerissener Häuser und gefällter Bäume besteht, tanzt, spielt und spricht Bettina Rutsch Texte zweier chinesischer Märchen - immer wieder unterbrochen, unterlegt und zäsiert durch improvisierte musikalische Kommentare von Jan Klare und Xu Fengxia. Klare bedient sich dabei eines Alt- und Bass-Saxophons sowie einer Flöte, während die aus Shanghai stammende Xu Fengxia scheinbar sämtliche Töne aus einer Guzheng, einer Art Wölbbrettzither, hervorzaubert und eine chinesische Langhalslaute spielt. Dazu singt sie, spricht sie und gibt eigenartige Stimmgeräusche von sich. Der so geschaffene Klangkörper gleicht einem atmosphärisch raumgreifenden Klangteppich, der so dominant Platz greift, dass Rutsch ihre echte Mühe hat, tänzerisch und schauspielerisch dagegenzuhalten.

Nur gut, dass ihre Kostümbildnerin Anna Termöhlen ein Drachenkleid designet und gefertigt hat, das einem Bühnenbild im Bühnenbild gleichkommt. Denn dieses raffiniert geschneiderte, mit überraschenden Accessoires versehene Kostümstück ist fast der heimliche Star des Abends. Schleifen und Bänder machen aus dem enganliegenden zunächst über das Knie reichende Kleid durch Lösen derselben ein mit weiten Ärmeln und Schleppe versehenes Gewand. Und passgerecht zu den beiden vorgetragenen Texten ("Der Drache nach dem Winterschlaf" und "Die Geister des gelben Flusses", beide entnommen aus dem 1917 erschienenen 460-seitigen Sammelband "Die Märchen der Weltliteratur - Chinesische Volksmärchen") wird aus dem sich schlängelnden "Bücherwurm" durch Aufsetzen sogenannter Schulterpanzer und eines hochstellbaren Kragens ein ehrwürdiger Drachenkönig, dem am Schluss des eindrucksvollen Spiels im Spiel für den chinesischen "Flussgott" als auch für das Publikum aus Dankbarkeit Engelsflügel wachsen.

Hoffentlich bleibt es nicht bei dieser nur einen Aufführung. Denn bei CHINA 8 machen immerhin neun Museen in acht Städten an Rhein und Ruhr mit. Und auch der Duisburger Zoo hat einen wunderschönen "Chinagarten" und eine chinesische Partnerstadt namens Wuhan. Aus alledem müsste sich doch etwas machen lassen...

(RP)