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Duisburg: "Doxs!"-Film gegen den Schönheitswahn

Duisburg : "Doxs!"-Film gegen den Schönheitswahn

Während das Filmwochen-Programm noch im vollen Gange ist, wurde gestern bereits der Filmpreis "Große Klappe" zum Ende des "Doxs!"-Festivals überreicht, bei dem es um Dokumentationen für Kinder und Jugendliche geht.

Wenn Jugendliche die Rolle von Juroren haben und wenn sie auf der Bühne stehen, um Preise zu vergeben, dann kann man erwarten, dass dies anders geschieht als bei anderen Festivals. Und so war es denn auch gestern, als im vollbesetzten Filmforum "Die große Klappe" verliehen wurde, mit dem ein herausragender Dokumentarfilm für Kinder oder Jugendliche ausgezeichnet wird. Während die Filmwoche noch im vollen Gange ist, war gestern der Abschluss des jungen "Doxs!"-Festivals, das als Spartenprogramm aus der Filmwoche hervorgegangen ist, sich aber schon längst emanzipiert hat.

 Eine krumme Nase kann einen romantischen Besitzer haben.
Eine krumme Nase kann einen romantischen Besitzer haben. Foto: doxs!

Recht ungezwungen ging es bei der Preisverleihung zu. Anstelle der sonst üblichen Reden führten die Juroren-Schüler Interviews mit dem Kulturdezernenten und den Vertretern der Filmstiftung, der Bundeszentrale für politische Bildung und des Ministeriums. Was sie vom Festival halten, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind oder welchen Lieblingsfilm sie haben und empfehlen möchten, wurden sie gefragt. Eine Schülerin schoss auf der Bühne den Vogel ab: Kokett schmunzelnd fragte sie die Filmreferentin des Ministeriums: "Haben Sie eine interessante Handynummer für mich?" Die antwortete, dass sie zwar Til Schweiger am Abend zuvor begegnet sei, aber dessen Handynummer sei nunmal geheim.

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Wichtiger als die Handynummern von Film- oder Fernsehstars ist natürlich der Film, für den es die mit 3500 Euro dotierte "Große Klappe" gibt, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Preis geht in diesem Jahr an die junge norwegische Filmemacherin Emile Blichfeldt für ihren Festivalbeitrag "How do you like my hair?" (Wie findest du mein Haar?). In ihrem zehnminütigen Film geht es um die Wertschätzung des Körpers, auch wenn dieser nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Dabei inszeniert sich Emile Blichfeldt in ihrem Film selber, erzählt von ihrer Romanze mit einem Musiker, der eine auffallend gebogene Nase hat. Der semi-dokumentarische Kurzfilm überzeugte die Jugendjury mit der persönlichen Herangehensweise seiner Autorin an ein bei Jugendlichen brisantes Themenfeld. Festivalleiterin Gudrun Sommer sagte dazu: "Mit dieser Entscheidung Debatten über Geschlechterstereotypen anzuregen ist den Juroren dieses Jahr ein zentrales Anliegen." In der Jurybegründung der Jugendlichen heißt es in wohl formulierten Worten: "Emile Blichfeldt erzählt eine sehr persönliche Geschichte mit tiefen Einblicken in ihre Gedankenwelt und schafft es gleichzeitig, mit einer Mischung aus Nacherzählung und Inszenierung, den Zuschauer nicht zum Voyeur werden zu lassen." Die Preisträgerin zeigte sich überglücklich: "Die ,Große Klappe' ist der schönste Preis, den ich jemals bekommen habe", sagte sie auf Englisch. Sie sei glücklich darüber, dass die Schüler ihr Anliegen so gut verstanden hätten.

Zudem sprach die Jury eine lobende Erwähnung für den niederländischen Festivalbeitrag "Nieuw" von Eefje Blankevoort aus. Der 20-minütige Dokumentarfilm porträtiert den achtjährigen Tanan aus Uganda, der mit seiner Tante in die Niederlande gekommen ist und dort mit einer ganz anderen Lebensweise, anderen Menschen und einer fremden Sprache konfrontiert wird.

Längst gilt es nicht mehr als Vergehen, wenn bei Dokumentarfilmen auch "inszeniert" wird. Das zeigt sich beim "Doxs!"-Festival genauso wie bei der Filmwoche. Ein weiteres Tor in diese Richtung macht der 1978 in Mönchengladbach geborene Filmautor "André Siegers" auf. In seinem Film "Souvenir" porträtiert er Dr. Alfred Diebold, Mitarbeiter der Friedrich-Ebert-Stiftung und Politiker, der versucht, so viel wie möglich aus seinem Leben mit der Kamera festzuhalten. Aus Hunderten Stunden von Diebolds Filmmaterial komponiert Siegers eine eigenständige Dokumentation, die er allerdings mit selbst erdachten Elementen anreichert. Erst ganz am Schluss kann man dem Regisseur auf die Schliche kommen, als er Aufnahmen von Diebolds "letzter Reise in die Antarktis" präsentiert, dabei jedoch einen Eisbären zeigt, den es bekanntlich nur am Nordpol gibt. Und da kann man ahnen, dass Diebold gar nicht, wie im Film behauptet, im Eismeer verschollen ist ... Dichtung und Wahrheit werden zu einem spannenden Film verwoben, der aber immer noch so viel Wirklichkeit enthält, dass er auf einem Dokumentarfilm-Festival gezeigt werden kann.

Die Filmwoche endet am Samstag, 20 Uhr, mit der Preisvergabe.

(RP)