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Duisburg: DLRG fordert Rettungsringe am Rheinufer

Duisburg : DLRG fordert Rettungsringe am Rheinufer

Am Tag nach dem Unglück, bei dem ein 13-Jähriger in den Rhein stürzte und versank, blickt Mehmet Turgay (52) mit einer Mischung aus Wut, Trauer und Verzweiflung auf die braunen Fluten am Rheinpark. Er wollte helfen; retten, wo keine Rettung mehr möglich war und riskierte dabei sein eigenes Leben. "Ich habe den Jungen im Wasser gesehen und bin hinterhergesprungen", erzählt Turgay. Oberteil und Hose habe er noch ausgezogen, "damit ich leichter schwimmen kann".

Doch der 13-Jährige, der aus bisher ungeklärter Ursache von der Spundwand unweit der Eisenbahnbrücke in den Rhein stürzte, versank, kurz bevor Turgay ihn erreichen konnte. Rosen markieren mittlerweile die Unglücksstelle, noch immer ist der Junge nicht gefunden worden. Die Polizei rechnet mit dem Tod des Kindes, alles andere wäre ein Wunder. Tatsache ist jedoch, dass sich dieses Unglück spätestens bei steigenden Temperaturen jederzeit am Rhein wiederholen könnte. "Umso wichtiger ist die Aufklärungsarbeit. Und mehr Sicherheit am Rheinufer", sagt Klaus Heller, Einsatzleiter des Duisburger DLRG. Heller fordert gerade für beliebte Uferbereiche, die von Familien mit Kindern frequentiert werden, die Bereitstellung von Rettungsringen. "Wenn diese Ringe in regelmäßigen Abständen hängen würden, könnten Leben gerettet werden", sagt Heller.

Denn der mutige Sprung in den Rhein, mit dem Turgay helfen wollte, ist laut Heller nicht zur Nachahmung empfohlen: "Wer im Rhein eine Person in Not sieht, sollte niemals selbst ins Wasser springen. Dafür ist die Strömung einfach zu stark." Dies habe nichts mit mangelnder Zivilcourage als vielmehr mit nötigem Selbstschutz zu tun. "Wer die Rettungskräfte alarmiert und den Verunglückten vom Ufer aus beobachtet, um seine ungefähre Position im Blick zu behalten, hilft mehr, als wenn er selbst zum Verunglückten wird."

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Am Nachmittag befragte die Polizei die Freunde des Jungen, um die genauen Umstände des Unfalls zu erfahren. Hinweise, dass der 13-Jährige ins Wasser geschubst wurde, gibt es offenbar nicht. Die Suche, bei der ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr mit Booten und einem Rettungshubschrauber zum Einsatz kam, war bereits am Dienstagabend nach zwei Stunden abgebrochen worden. Die ebenfalls alarmierten Taucher kamen aufgrund der gefährlichen Strömungen und schlechter Unterwassersicht nicht zum Einsatz. Sie hätten auch keine Chance gehabt, den Jungen zu finden, sagt der Duisburger Tauchlehrer Peter Schorn: "Ich bin selbst bereits im Duisburger Rheinabschnitt getaucht. Die Sicht ist gleich null, man ist absolut blind unter Wasser. Dazu kommt die Strömung. Um überhaupt etwas zu ertasten, müssten die Taucher auf kompletter Breite an einer Stange durch den Rhein gezogen werden. Und selbst dann ist es gefährlich, weil am Boden alles Mögliche liegen kann, was die Taucher verletzen könnte."

(RP/ac)