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Dieser Speziallack aus Duisburg soll Coronaviren töten

Duisburger Händler hat Exklusivrechte : Speziallack soll Türen und Griffe resistent gegen Coronaviren machen

Ein Farbengroßhandel in Duisburg hat sich einen Lack zertifizieren lassen, der Coronaviren abtöten soll. Einmal aufgetragen, soll er einen zwölf Monate langen Schutz garantieren. Kitas und Schulen zeigen Interesse. Kunde ist auch die Deutsche Bahn.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, sind in kürzester Zeit auch ziemlich viele kluge Geschäftsmodelle entstanden. Textilunternehmen nähen Masken, darunter auch modische, Chemiefirmen stellen die Produktion auf Desinfektionsmittel um und durchsichtige Plastikwände werden plötzlich überall gebraucht. Ein Duisburger Großhandel für Malereibedarf hat noch eine andere Idee: Ein spezieller Lack soll die Viren einfach töten.

Sobald sie in Kontakt mit einer Oberfläche wie etwa einem Türknauf oder einem Treppengeländer kommen, werden sie sofort unschädlich gemacht, so das Versprechen. „Wir haben vor drei Jahren einen Lack ins Angebot genommen, der Krankenhauskeime abtötet“, sagt Rüdiger Freiburg vom HMF Malerbedarf in Meiderich. „Ein Labor in der Schweiz hat uns nun bescheinigt, dass der Lack auch gegen Coronaviren wirkt.“

HMF ist nach eigenen Angaben der älteste Farbengroßhandel in Duisburg, Freiburg führt ihn mit seinem Kollegen Hans Werner Hart seit mehr als 30 Jahren. Neben handelsüblichen Lacken, Farben und Tapeten verkaufen die beiden auch Schimmelschutzfarbe. 2017 erfahren sie, dass ein Lackhersteller aus Wuppertal den Produkten ein Mittel beimischen kann, dass multiresistente Keime auf Oberflächen abtöten kann. Die Männer schließen daraufhin mit der Wilhelm Lörken GmbH einen Exklusivvertrag, fortan produziert die Firma für die Duisburger Händler einen Speziallack, den sie an Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen verkaufen. Dort wird er unter anderem auf Türen und in Aufzügen aufgetragen.

Vor einigen Wochen dann, als das Coronavirus Deutschland erreichte, überlegten Freiburg und Hart: Was, wenn der Lack auch Coronaviren neutralisiert? Auf der Suche nach einem Institut, dass die Wirkung des Lacks untersucht, finden die Duisburger Geschäftsleute Eurovir, ein mikrobiologisches Labor in der Schweiz. Und tatsächlich: Die Virologen dort bescheinigen dem Lack vom Niederrhein, auch gegen das Coronavirus zu wirken, sagt Freiburg. Einmal aufgetragen, halte er demnach für mindestens ein Jahr 99,9 Prozent der Viren auf Oberflächen fern.

Wie genau der Lack funktioniert, wollen die Händler nicht sagen, aus Angst, das Produkt könnte sonst schnell kopiert werden. „Derzeit gibt es in Deutschland nur sehr wenige Mitbewerber“, sagt Freiburg. Seines Wissens sei die Wirkung ihrer Produkte aber lange nicht so anhaltend. Obwohl der Lack Viren töte, sei es gesundheitlich völlig unbedenklich, wenn er auf Wänden und Griffen aufgetragen wird. Auch das sei durch das Schweizer Labor belegt. „Er gibt keine Dämpfe oder andere Stoffe nach außen ab“, sagt Freiburg.  Auftragen kann man das Produkt allein mit einem Tuch, ein Pinsel oder gar eine Spritzpistole werde nicht verwendet.

Die Vermarktung soll in den kommenden Tagen anlaufen, berichten die Farbspezialisten. Mehrere Kunden hätten schon Interesse angemeldet, etwa mehrere Kitas in Duisburg und sogar die Deutsche Bahn.  In der Vergangenheit habe man bereits mit dem Konzern zusammengearbeitet und etwa die Bahnhöfe in Hagen und Siegen mit einer Spezial-Lackierung ausgerüstet. „Die kam dort etwa an den Treppen, Aufzügen und Türen zum Einsatz“, sagt Freiburg. Teuer sei eine solche Maßnahme nicht – mit nur einem Liter könne man einen ganzen Bahnhof virensicher machen.

Auch in Supermärkten, Krankenhäusern und Altenheime könnte das Produkt verwendet werden. Letztere sind aber noch skeptisch. „Wir erleben regelmäßig, dass einige Anfragen bei uns sich dann doch wieder verlaufen“, sagt Freiburg. Er vermutet, dass nicht alle Kunden direkt von der Wirkung überzeugt sind. „Aber klar ist: Was wir hier anbieten, ist kein angebliches Wundermittel, die Wirkung ist wissenschaftlich erwiesen.“ Mittlerweile vermarkten die beiden Händler ihren Lack über einen Kollegen in Köln auch deutschlandweit, etwa nach Hamburg und in den Süden. Auf einen Ansturm auf das Produkt sei man vorbereitet. „Die Firma könnte in wenigen Tagen mehr als 100 Liter liefern“, sagt Freiburg.