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Duisburg: Die Zeit in der Tasche

Duisburg : Die Zeit in der Tasche

Ursula Finkelberg, Schwester des Stiftungsgründers Dr. Herbert W. Köhler, hat der Köhler-Osbahr-Stiftung zur Förderung von Kunst- und Wissenschaft eine Zustiftung von 120 Taschenuhren aus drei Jahrhunderten überreicht, die nun in einer mehrmonatigen Sonderschau vorgestellt werden.

Eine beachtliche Bereicherung wurde jetzt dem Kultur- und Stadthistorischen Museum zuteil, genauer der dort beherbergten Sammlung der Stiftung Köhler-Osbahr: Ursula Finkelberg, Schwester des Stiftungsgründers Dr. Herbert W. Köhler, schenkte dem Museum 120 Taschenuhren, die ihr Ehemann Eduard Finkelberg (1918— 1994) fünfzig Jahre lang gesammelt hatte.

Die Uhren mit ihren Gehäusen aus Nickel, Kupfer, Messing, Silber und Gold spiegeln ein interessantes Stück Kultur- und Technikgeschichte wider. Die älteste Uhr wurde um das Jahr 1700 gebaut, das jüngste Exemplar, versehen übrigens mit einem Band aus dem damals noch jungen Kunststoff Perlon, stammt aus dem Jahr 1955. Ursula Finkelberg erzählte gestern bei der Pressepräsentation im Museum von ihrem Mann.

Fasziniert von der Technik

Ein Uhrensammler sei Eduard Finkelberg gleich nach dem Krieg geworden: "Er hatte damals keine Uhr mehr, kaufte eine und wurde von der Sammelleidenschaft gepackt." Interessant ist, dass Eduard Finkelberg, ein viel reisender Kaufmann, die Uhren weniger wegen ihrer oftmals schönen Gehäuse, sondern wegen ihrer "inneren" Technik kaufte.

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Erst wenn man die Taschenuhren öffnet, sieht man jene Wunderwelt der Feinmechanik, die Eduard Finkelberg fasziniert hat. Interessant zu wissen ist, dass Uhrwerk und Gehäuse oftmals in verschiedenen Werkstätten, bisweilen sogar in verschiedenen Ländern hergestellt wurden.

Uhrensammler, Uhrmacher oder andere Experten werden sich nach Öffnung der Taschenuhren, die nun in den kommenden Monaten in einer Sonderausstellung des Museums gezeigt werden, für "Ankerhemmung", "Spitzzahnankerhemmung", "Cylinderhemmung", "Kette und Schnecke", "Breguetspirale" und "Steine" begeistern.

Sollte es sich um eine historische Uhr mit Schlagwerk (Repetier-Uhr) oder um eine alte Stoppuhr handeln, wird ihr Herz gewiss noch höher schlagen. Die Fachausdrücke hat übrigens der Duisburger Uhrenspezialist Bernhard Schmeltzer dem stellvertretenden Museumsdirektor und Betreuer der Sammlung Köhler-Osbahr, Ralf H. Althoff, beigebracht.

Uhr für berittene Jäger

Faszinierend ist die Ausstellung aber nicht nur für Spezialisten. Wer eine zwei Zentimeter dicke Taschenuhr aus dem Jahr 1825 aus England mit einer gleich alten Taschenuhr aus der Schweiz vergleicht, die nur vier Millimeter dick ist, versteht, weshalb Schweizer Wertarbeit hoch im Kurs steht.

Die Sammlung enthält auch Sonderanfertigungen wie eine so genannte "Hunter-Uhr", die durch einen zusätzlichen Deckel besonders stabil ist und von berittenen englischen Jägern getragen wurde. Das preiswerte Pendant ist eine Bergmann-Taschenuhr, die heutzutage natürlich auch Liebhaberpreise auf dem freien Markt erzielen würde. Einige historische "Damen-Uhren" hatten übrigens nur einen Stundenzeiger, keinen für Minuten; ein Zeichen, dass man damals noch wirkliche Muße-"Stunden" kannte.

Taschenuhren konnten einst nur von wohlhabenden Menschen getragen werden. Deshalb kann man in ihnen auch eine besondere Art von Schmuck sehen; ein Schmuck, der bevorzugt von Männer getragen wurde; gerne schlank, damit der Frack nicht ausbeult.

(RP)