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Duisburg: Die Wirklichkeit filmisch gut gedeutet

Duisburg : Die Wirklichkeit filmisch gut gedeutet

Am Samstagabend endete die 38. Duisburger Filmwoche mit der Vergabe von insgesamt fünf Preisen. Die RP-Leserjury zeichnete die Dokumentation "Striche ziehen" aus, bei der die DDR-Geschichte wieder höchst aktuell wird.

Die 38. Duisburger Filmwoche stand unter dem inspirierenden Motto "Gut gedeutet". Am Samstagabend endete das wohl bedeutendste Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms mit der Verleihung von insgesamt fünf Preisen. Das kritische Publikum, das sich in den vergangenen Jahren durchaus nicht immer zurückhielt, wenn ein umstrittener Film ausgezeichnet wurde, zeigte sich diesmal mit den Voten der Juroren ziemlich einverstanden. "Gut bepreist", hieß es deshalb am Schluss.

International waren in diesem Jahr die Themen, die aufgegriffen wurden. Das spiegelte sich auch bei den Preisen wider. Der mit 6000 Euro dotierte ARTE-Dokumentarfilmpreis geht an den Film "Städtebewohner" von Thomas Heise, der häufig Gast in Duisburg ist. Heise brachte das Kunststück fertig, 2013 eine Drehgenehmigung in einem Jugendgefängnis in Mexiko City zu bekommen. "Eine solche Genehmigung würde ich heute nicht mehr bekommen", sagte Heise jetzt in Duisburg. Die Jury hob hervor, dass Heise mit "poetischen Bildern" das Leben der jungen Leute im Gefängnis schildert. In der Begründung heißt es: "Es wird hier keine Institution beschrieben; Heise dichtet in der ihm eigenen (Film-)Sprache. Es gibt nicht viel dazu zu sagen. Aber an das, was wir empfunden haben beim Anblick der jungen Männer und beim Hören ihres Sprechens werden wir uns noch lange erinnern."

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Der mit 6000 Euro dotierte 3sat-Dokumentarfilmpreis wird der Dokumentation "Portrait of a lone Farmer" von Jide Tom Akinleminu zuerkannt. Den Film, der einen Besuch des inzwischen deutschen Filmemachers bei seinem Vater in Nigeria zeigt, haben wir in der vergangenen Woche bereits lobend besprochen. In der Jury-Begründung heißt es: "Akinleminu betrachtet den Alltag dieses "Lone Farmers" mit einem neugierigen, gleichwohl nüchternen Blick. Daraus ergibt sich eine schöne Gewichtung zwischen Distanz und Vertrautheit."

Die Stadt Duisburg vergibt seit 14 Jahren einen mit mittlerweile 5000 Euro dotierten Förderpreis. Der geht jetzt an das Duo Didier Guillain und Christiane Schmidt. Die beiden haben sich in ihrem Film "Der Wald ist wie die Berge" mit dem Leben von Sinti und Roma in einem abgelegenen Dorf in Rumänien beschäftigt. Ein Jahr lang haben die Filmemacher Kontakte aufgebaut und das Vertrauen der Menschen gewonnen. Diese Vertrautheit ist in dem Film spürbar. In der Preisbegründung heißt es: "Diese Intimität des Blicks ermöglicht weitaus mehr Empathie als jeder noch so gut gemeinte politisch instrumentalisierte Ansatz." Den Nachwuchspreis des Landes NRW bekommt Sabrina Jäger, die das Ende des Praktiker-Marktes an einem Beispiel zeigt (die RP berichtete). Die Juroren bestätigen der jungen Filmautorin, dass sie in ihrem Film ein "beeindruckendes Gespür für den Rhythmus des Niedergangs" beweist. - Der Publikumspreis der Rheinischen Post geht an den Film "Striche ziehen" von Gerd Kroske. Anders als bei den anderen Juroren, die ihre Preisträger ausdiskutieren und eine abgestimmte Begründung schreiben, wird der RP-Preis in einer geheimen Wahl ermittelt. Kroskes Film beschreibt einen brisanten Konflikt: Ein Familienmitglied hat einst als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi Aussagen über eine regimekritische Gruppe von jungen Leuten gemacht, die zu einigen Verhaftungen führten. Unter den Verhafteten ist auch der Bruder des IM. Kroske gelingt es, diese Geschichte nachzuerzählen und sie in die Gegenwart zu holen. Sein Film ist fesselnd, interessant, unterhaltsam und - mit Recht - manchmal beklemmend.

Eine Überraschung gab es am Samstagabend für Werner Ruzicka, der seit 30 Jahren die Duisburger Filmwoche leitet: Ein zu seinen Ehren zusammengestellter Film zeigt Ruzickas jahrzehntelanges Wirken für die Filmwoche und den Dokumentarfilm. Kompliment!

(RP)