Die Unmöglichen: Top-Schauspieler begeistern im Duisburger TaM

Lesung der besonderen Art: Top-Schauspieler begeistern im TaM

Am Samstagabend war die erste Garde von Deutschlands Schauspielern im Theater am Marientor zu Gast. Die Truppe um Jan Josef Liefers brachte das Hörspiel „Die Unmöglichen“ auf die Bühne.

Ein Hörspiel im Bühnenformat hat man auch nicht alle Tage. Die Besucher, die sich am Samstagabend im gut besetzten Theater am Marientor dieses besondere Ereignis nicht entgehen lassen wollten, erlebten auf diese Weise einen unglaublich intensiven und beeindruckenden Auftritt.

Dafür sorgte alleine schon das Aufgebot an Darstellern der allerersten Kategorie. Die Besetzung war mit Meret Becker, Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen, Thomas Loibl, Ronald Zehrfeld und Matthias Koeberlin äußerst prominent, das Thema absolut aktuell.

Das hochkarätige Ensemble war mit dem Stück „Die Unmöglichen“ im TAM zu Gast, das sich mit der vieldiskutierten „Pränatalen Diagnostik“ und ihren Möglichkeiten befasst.

Oft haben Theaterfreunde nicht die Möglichkeit, die sechs prominenten Schauspieler gemeinsam mit dieser Aufführung auf der Bühne zu sehen, dazu sind alle in anderweitigen Produktionen zu sehr eingebunden.

Dass das als Hörspiel konzipierte Stück von Paul Plamper und Julian Kamphausen sich auch als Bühnenaufführung eignet, bewiesen die Akteure am Samstag eindrucksvoll. Jan Josef Liefers hatte die Rolle des Erzählers, der die Akteure und das Publikum von Szene zu Szene führte. Seine Einleitung „Liebe Zuschauer, ich begrüße sie zum Hörspiel ‚Die Unmöglichen‘“ schien schon irgendwie ungewöhnlich. Im Grunde war die Bühnenfassung der im Jahr 2008 produzierten Radio-Version im Stil einer Lesung konzipiert. Entsprechend schlicht war das Bühnenbild.

Das bestand aus einer Tischreihe, an der die Protagonisten Platz nahmen und ihren Part drehbuchgemäß vorlasen. Das taten sie aber mit einer Intensität, die schnell die beteiligten Figuren des Stücks lebendig und präsent werden ließ. Das galt auch für Claudia Michelsen und Thomas Loibl, die ein deutsches Ehepaar verkörperten, die ihren Kinderwunsch in einer englischen Klinik mittels einer „In-Vitro-Fertilisation (Befruchtung im Reagenzglas) realisieren wollten. Dabei werden der Frau „leistungsfähige“ Eizellen entnommen, mit dem Samen des Mannes im Reagenzglas verschmolzen und nach ärztlicher Begutachtung anschließend in den Mutterleib eingepflanzt.

Bei dieser Prozedur sind bei Hanna und Gregor – so lauten die Vornamen des Ehepaares – drei  lebensfähige Embryonen entstanden, von denen aber nur eines eingepflanzt wird. Hier setzt die eigentliche Geschichte ein. Die Story erweckt parallel alle drei zu einem – fiktiven –  Leben.

Meret Becker (als Tochter Amelie), Matthias Koeberlin (Sohn Max) und Ronald Zehrfeld (Sohn Fabian) verkörpern in ihren Rollen die Leben, die entstanden wären, wenn sie jeweils „den Zuschlag“ bekommen hätten. Die drei stellen völlig unterschiedliche Charaktere dar, aufgezeigt wird deren Entwicklung von Geburt an. Amelie hat zwar eine Behinderung, ist aber lebhaft und voller Energie. Max ist der Selfmademan, der zwar gar nicht nach Vaters Vorstellung handelt, aber später ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann wird. Fabian spielt den Introvertierten, der eine außergewöhnliche Begabung für das Klavierspiel hat.

Deutlich wird dabei, wie unterschiedlich sich je nach Sprössling das Leben der Eltern entwickelt. Das Ganze wird vom spielfreudigen Ensemble bei allem Ernst, der mit dem Thema verbunden ist, mit einer gehörigen Portion Humor inszeniert.

Am Ende der unterhaltsamen Aufführung steht die Frage, was das Leben eigentlich glücklich macht und wohin die genetische Optimierung durch die Wissenschaft noch führen kann. Zum Abschluss gab es großen Beifall für die Bühnenakteure, die mit ihrem Spiel für eine Sternstunde im Duisburger Musical-Theater gesorgt hatten.

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