Duisburg: Die Straßenbahnnot wird größer

Duisburg: Die Straßenbahnnot wird größer

Durch das Unglück am Dienstag sind zwei weitere Schienenfahrzeuge ausgefallen. Die DVG wartet daher sehnsüchtig auf die neuen, bestellten Bahnen. Doch bis die ausgeliefert werden, vergehen noch rund zwei Jahre.

Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert: Zum Glück gab es "nur" zwei Schwerverletzte, darunter einer der beiden Fahrer der zwei Straßenbahnen, die gestern im U-Bahn-Tunnel kurz vor der unterirdischen Haltestelle "Auf dem Damm" zusammengestoßen waren.

Zum Unglück kommt für die DVG allerdings noch hinzu, dass sie eh zu wenige Straßenbahnen hat, um alle Strecken bedienen zu können. Der Rat der Stadt hat Ende vergangenen Jahres rund 135 Millionen Euro für die Neuanschaffung von Bahnen etc. beschlossen. Doch auch wenn die Ausschreibungen inzwischen raus sind und die Aufträge erteilt wurden, muss sich das Verkehrsunternehmen in Geduld üben. Bahnen gibt es nicht um die Ecke und auch nicht von der Stange, sondern sie werden nach den Anforderungen des Empfängers gebaut.

Möglicherweise kann die DVG im kommenden Jahr einen Prototyp der neuen Bahnen auf die Schiene setzen. Ein bis zwei Jahre später folgen dann nach und nach die nächsten Fahrzeuge, um die Flotte bis spätestens 2024 zu erneuern. 47 Schienenfahrzeuge sind geplant, mehr als 130 Millionen Euro müssen dafür bezahlt werden. Liefern wird die Fahrzeuge der Hersteller Bombardier. Zu sehen sind Typen dieses Herstellers unter anderem auf den Straßenbahnschienen in unserer Nachbarstadt Krefeld.

Zu den 47 alten Straßenbahnen, die durch neue ersetzt werden, kommen noch 17 sogenannte B-Wagen. Das sind die Fahrzeuge, die zwischen Duisburg und Düsseldorf unterwegs sind und auch in Zukunft sein werden. Denn die Linie U79 ist die meist-frequentierte (nach Fahrgastzahlen) im Netz der Duisburger Verkehrgesellschaft. Bis die neuen Fahrzeuge eingesetzt werden können, muss die DVG die alten Bahnen hegen und pflegen. Das Problem: Es gibt nur eine ganz kleine Zahl an Werkstätten, in denen die defekten Straßenbahnen repariert werden können, die die Fachleute der DVG nicht selber wieder instandsetzen. Für jede Bahn, die unerwartet ausfällt, muss Ersatz her. Schon seit Längerem behilft sich die DVG mit dem sogenannten Schienenersatzverkehr.

Seit März vergangenen Jahres fahren zum Beispiel auf unbestimmte Zeit auf den Linien 901 und 903 (zusätzlich) Busse, die während der Hauptverkehrszeiten die große Zahl an Fahrgästen von A nach B bringen. Auf der Linie 901 sind sie zwischen den Haltestellen Obermarxloh-Schleife und Scholtenhofstraße längst zur Regel geworden. Die Fahrgäste können an den beiden Stationen dann in andere Busse oder die Bahn umsteigen. Doch der Nachteil ist, dass diese Fahrzeuge mit dem ganz normalen Verkehr über die Straße rollen und somit auch keinen Stau auslassen können. Die Schienenfahrzeuge hingegen haben in der Regel eine eigene Trasse und genießen zum Beispiel an Ampeln Vorrangschaltung. Denn möglichst kurze Fahrzeiten sind ein wichtiges Kriterium für einen attraktiven Nahverkehr.

Durch das Unglück am Dienstag sind nun zwei Reparaturfälle unerwartet hinzugekommen, was die Bahnen-Not alles andere als kleiner macht. Zumindest eines der beiden Schienenfahrzeuge soll stark ramponiert sein, weil die Fahrerkabine bei dem Aufprall nach unten wegbrach. Sollte das Fahrgestell beschädigt sein, könnte im allerschlimmsten Fall der Schrottplatz als einzige Lösung übrigbleiben.

Doch als viel wichtiger betrachten es die DVG-Verantwortlichen, dass es den beiden Schwerverletzten schnell wieder gut geht. Sie sollen sich auf dem Wege der Besserung befinden und werden möglicherweise schon in Kürze persönliche Genesungswünsche der DVG entgegennehmen können...

(RP)