Chinesische Kultur in Duisburg: Die Seidenstraße im Rheinpark

Chinesische Kultur in Duisburg : Die Seidenstraße im Rheinpark

Ab heute ist eine Ausstellung der Superlative im Hochfelder Rheinpark zu erleben: In mehreren Großzelten wird auf einer Fläche von 4000 Quadratmetern Kultur und vieles mehr aus China und anderen Staaten gezeigt.

Die "blauen Container" aus dem Kunstzug sind ausgepackt. Deren Inhalt wird ab heute, 10 Uhr, bis Sonntag, 10. Juni, im Hochfelder Rheinpark präsentiert. Zu erleben ist eine Ausstellung der Superlative, die in der Gegenwart verankert ist und zugleich an die legendenumwobene Seidenstraße erinnert, jenen Handelsweg, der schon in der Antike Europa mit dem Reich der Mitte verbindet. Die Seidenstraße bezeichnet heutzutage auch die 10.000 Kilometer lange Bahnstrecke, die im chinesischen Chongqing beginnt und hier in Duisburg endet. In umgekehrter Richtung verläuft diese Seidenstraßen-Bahnstrecke von Duisburg über Usbekistan, Kasachstan, Urumqui in Westchina nach Peking. Was nun in Duisburg zu sehen ist, stammt nicht nur aus China, sondern auch aus Usbekistan, Kasachstan - und Deutschland.

Im Mittelpunkt des "Blue-Container-Projekts steht die Kunst. In einem der großen Zelte beziehungsweise Pavillons wird auch zeitgenössische Kunst aus den Anrainerstaaten gezeigt, allesamt Arbeiten von internationalem Niveau, die in den vergangenen Monaten bereits in Paris und New York ausgestellt waren. Neben dem chinesischen Filmemacher Wang Bing, Teilnehmer der jüngsten Documenta, sind auch Arbeiten von Künstlern zu sehen, die die hohen Hürden einer strengen Qualitätsauswahl nehmen konnten. Besonders eindrucksvoll sind aktuelle Tuschezeichnungen, die man in dieser Fülle und in diesen Großformaten hierzulande noch nie gesehen hat. Unter dem Titel "Fliegende Gedanken - Fließende Tusche" werden Meister dieser traditionellen Maltechnik vorgestellt, die heutzutage wieder in Variationen eine Renaissance erfährt. Die teilnehmenden Künstler zählen, so die "China National Academy of Painting", zu den herausragendsten heute aktiven Tuschmalern. Zu ihren Themen gehört der Mensch und sein Lebensgefühl.

Die Grotten von Duhuang in West-China gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Repliken dieser Wandgemälde, die Mönche zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert in schroffe Felswände geritzt haben, wurden bisher nur in New York und London gezeigt und dort von Zehntausenden Besucher besichtigt. Nun sind diese Repliken in Duisburg zu sehen. Der thematische Bezug zur Seidenstraße ist schnell hergestellt: Dunhuang war jahrhundertelang wichtige Station dieser Handelsstraße, die Zentral- und Westasien mit Europa verband.

Abgerundet wird die Kunstpräsentation mit Arbeiten von deutschen beziehungsweise in Deutschland lebenden Künstlern, die sich mehr oder weniger direkt mit der Seidenstraßen-Geschichte beschäftigen. Unter ihnen ist der Israeli Gil Shachar, der seit 20 Jahren in Duisburg lebt und arbeitet. Initiator der beeindruckenden und vielseitigen Ausstellung ist Jian Guo. Der heute 48-Jährige kam als junger Künstler nach Deutschland, lernte Deutsch und studierte in Düsseldorf Design. Er fasste beruflich Fuß und gründete 2004 den Verein DCKD, was für Deutsch-Chinesischer Kulturaustausch für Kunst und Design steht. Jian Guo gelang es, die chinesische Staatsregierung und Sponsoren für das nun realisierte Projekt zu begeistern, bei dem es nicht nur um den Kulturaustausch, sondern auch um politische, wirtschaftliche und bürgerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Europa und Asien geht. Mit dem SUDA-Konzern, eine auf E-Mobiltät und Elektroautos spezialisierte Unternehmensgruppe, fand er einen wichtigen Sponsor.

(pk)
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