Duisburg: Die Nacht, in der die Bomber kamen

Duisburg : Die Nacht, in der die Bomber kamen

Die gebürtige Duisburgerin Margarete Federkiel-Gaitzsch lernte nach dem Krieg die Frau eines Bomberpiloten kennen. Der war nach dem Angriff seines Lebens nicht mehr froh geworden.

Heute jährt sich zum 70. Mal jene Bombennacht, die Duisburg in ein Meer der Flammen verwandelte. Mehr als 2500 Menschen starben in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944. 10.000 Tonnen Bomben ließen die alliierten Flugzeuge damals über der Stadt ab. Weite Teile des Stadtgebiets waren zerstört. Viele ältere Duisburger erinnern sich noch an die Schreckensnacht. Doch nicht nur die Menschen, die diese Nacht in Duisburg überlebten, erinnern sich noch heute daran.

Bei dem Angriff auf Duisburg starben 3500 Menschen. So sah die Poststraße Mitte Oktober 1944 aus. Foto: Zeitzeugenbörse Duisburg

Auch an vielen Piloten ist das gigantische Bombardement vor 70 Jahren nicht spurlos vorübergegangen. Margarete Federkiel-Gaitzsch, die heute in Dinslaken lebt, hat noch ein Foto von jener Bombennacht. Das Bild bekam sie 1959 in Florida von der Frau eines ehemaligen Bomberpiloten, während sie mit ihrer Freundin durch die Staaten reiste. In Pensacola lernten die beiden jungen Frauen eine Wienerin kennen, die sie nach Hause einlud.

Als die Frau erfuhr, das Margarete Federkiel-Gaitzsch aus Duisburg stammt, erzählte die Dame, dass die Erinnerungen an diese Stadt für ihren Mann all die Jahre hindurch unauslöschlich und traumatisch geblieben seien. Er war noch sehr jung zur alliierten Luftwaffe gekommen und beim Großangriff auf Duisburg zum ersten Mal als Bomberpilot eingesetzt worden.

Dieser Angriff habe ihn zutiefst erschüttert, erzählte die Dame aus Pensacola damals den jungen Deutschen. "Schon während des Angriffs und vor allem später danach habe er eine große Schuld empfunden, selber Bomben auf die unter ihnen liegende Stadt abgeworfen zu haben", erinnert sich Margarete Federkiel-Gaitzsch an das Gespräch.

Die Frau berichtete damals, dass ihr Mann seines Lebens nicht mehr froh geworden war, nachdem er von dem Ausmaß der Zerstörung in Duisburg erfahren habe. Sie habe, sagte die Frau damals, leider einen immer wieder in tiefe Depressionen verfallenden Mann an ihrer Seite.

Für Margarete Federkiel-Gaitzsch ist diese Geschichte ein Beleg dafür, dass "Menschen doch keine Roboter sind." Ihr Wunsch anlässlich des 70. Jahrestags wäre es daher, dass die Menschen hinwirken auf eine Verständigung. Von Mensch zu Mensch, nicht von Regierung zu Regierung: "Das wäre das Wichtigste."

Svenja Aufderheide

(RP)